Genossenschaft stößt mit Neubauprojekt auf Widerstand

Welche Art von Häusern passt ins von Eigenheimen geprägte Glösa? An dieser Frage erhitzen sich zurzeit im Stadtteil die Gemüter.

Glösa.

Obwohl in Chemnitz nach wie vor viele Wohnungen leer stehen, fehlt es vor allem an großen, modern ausgestatteten Unterkünften für Familien. Diese Erkenntnis hat die Wohnungsgenossenschaft SWG dazu veranlasst, ihr erstes Neubauprojekt seit der deutschen Wiedervereinigung in Angriff zu nehmen. Auf einem genossenschaftseigenen Grundstück an der Straße An der Kohlung in Glösa, auf dem bis vor einigen Jahren Garagen und Gartenlauben standen, soll im Sommer 2019 der Bau von zwei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 14, von 54 bis 129 Quadratmeter großen Wohnungen beginnen.

Die Neubauten, für die die Stadtverwaltung Ende vergangenen Jahres die Baugenehmigung erteilt hat, sollen in einer Reihe mit sieben Vier-Familien-Häusern aus den 1920er-Jahren stehen, von denen sechs ebenfalls der SWG gehören. Doch gegen das Vorhaben gibt es Widerstand. Die dreistöckigen, jeweils knapp 30 Meter langen Gebäude mit Flachdach widersprechen von ihrer Größe und Bauform her dem gewachsenen Siedlungscharakter Glösas, erklärt der Verein "Gemeinsam für Glösa". Mehrere Anwohner hatten Widerspruch gegen den positiven Bauvorbescheid und gegen die trotzdem erteilte Baugenehmigung eingelegt. In Schreiben an Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig forderten sie die Beteiligung der Bürger an der aus ihrer Sicht ortsbildverändernden Baumaßnahme. Nachdem all das erfolglos geblieben war, haben sie Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht.

"Wir würden die Klage sofort zurückziehen, wenn sich Stadtverwaltung und SWG uns gegenüber gesprächsbereit zeigen würden", sagt Rick Meisel, Vereinsmitglied und Anwohner. Für andere Neubauvorhaben ganz in der Nähe, so für die vor wenigen Jahren entstandene Eigenheimsiedlung an der Walter-Meusel-Straße und selbst für ein Einfamilienhaus auf dem Nachbargrundstück, seien strenge Auflagen hinsichtlich Größe und Dachform erteilt worden - beim SWG-Projekt offenbar nicht, mutmaßt auch Vereinsmitglied Achim Künzel, der direkt gegenüber vom geplanten Neubau wohnt.

Typisch für Glösa sei eine kleinteilige Bebauung mit großen Gärten, argumentiert der Verein auch anhand von Luftbildern. Das SWG-Vorhaben sei das Gegenteil von beidem. Die zwei Neubauten mit ihrer zusammen fast 60 Meter langen Fassade, die die Nachbarhäuser überragen, passten nicht nur nicht in die Siedlung, sie überforderten auch deren Infrastruktur einschließlich Abwasserentsorgung und Parkplätzen. Zudem befürchten die Glösaer, dass damit ein Präzedenzfall für weitere Wohnungsbauvorhaben im Stadtteil geschaffen werde.

Der Vorstand der SWG versichert auf Anfrage von "Freie Presse", die Entwässerungsleitung in der Straße sei ausreichend dimensioniert und Stellplätze für die Autos der neuen Mieter würden auf dem Grundstück geschaffen. Das sei auch an den alten Vier-Familien-Häusern vorgesehen, um die anderen Anwohner zu entlasten. Bei der Gestaltung der Neubauten sei versucht worden, ihre Größe durch versetzte Baukörper und kleinere dritte Etagen zu kaschieren, erklärt Vorstandsmitglied Frank Winkler.

An einem Bürgergespräch, zu dem der Verein "Gemeinsam für Glösa" für den morgigen Freitag um 18 Uhr ins Freizeitzentrum am Schulberg eingeladen hat, will die SWG jedoch nicht teilnehmen. "Unsere Vorverurteilung ist keine gute Voraussetzung für eine öffentliche Diskussion", begründet Vorstandsmitglied Andreas Kunze. Zu einem Treffen mit Glösaern beispielsweise im Baudezernat sei man aber bereit.

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