Gentechnik: Milchbauern müssen Kuh-Futter prüfen lassen

Zum Weltmilchtag können Landwirte im Erzgebirge zwar auf einen seit 2016 gestiegenen Erlös für Milch zurückblicken. Doch Optimismus herrscht deshalb nicht. Denn schon stehen neue Kostenbelastungen an.

Burkhardtsdorf.

Landwirte und Politiker trommeln am heutigen Internationalen Tag der Milch ganz besonders für das Getränk. Die frühere Bundesernährungs- und Landwirtschaftsministerin, Ilse Aigner, lobt etwa auf einem von Unternehmern und Selbstständigen betriebenen Internetportal Milchbestandteile wie Kalzium, das vor allem bei Kindern für einen gesunden Knochenaufbau sorge.

Der angepriesene Wert der Milch wird im Portemonnaie der erzgebirgischen Landwirte aber nicht spürbar. Obgleich es um das Thema in den zurückliegenden Monaten ruhiger geworden ist, reicht der Grundpreis von derzeit 32 Cent pro Kilogramm gerade so, um über die Runden zu kommen, erklärt Werner Bergelt. "Doch das ist viel zu wenig. Mit diesem Erlös erwirtschaften unsere Bauern keinen Gewinn. Der ist aber notwendig, um auch investieren zu können", fügt der Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge hinzu. Insofern zehrten die erzgebirgischen Betriebe noch immer von der Substanz.


Schlimmer sah es 2016 aus. Mitte des Jahres war der Grundpreis zum Teil auf unter 21 Cent abgerutscht. Die Folgen der Milchkrise hielten sich im Erzgebirge jedoch in Grenzen. Nicht, weil die Bauern davon weniger betroffen waren, sondern aus Mangel an Alternativen, erklärt Bergelt. "Unser Dauergrünland lässt sich nun mal am effektivsten mit Rindern bewirtschaften. Deshalb geben hier weniger Milchbauern als anderswo auf."

Im Vorjahr standen in den 145 Betrieben des Landkreises 22.500 Kühe im Stall. Das sind rund 700 Tiere weniger als im Jahr davor. Werner Bergelt spricht von der Sanierung von Kuhbeständen. Dass sich die Situation der Milchbauern in absehbarer Zeit verbessert, glaubt er nicht. Zumal die Landwirtschaft vor weiteren Herausforderungen steht. Künftig will der Handel seinen Kunden GVO-freie Milch anbieten. GVO steht für gentechnisch veränderte Organismen.

"Wir befinden uns im Umbruch. Die Vogtlandmilch-Molkerei in Plauen stellt zum 1. Juli auf GVO-freie Milch um. Müllermilch will Mitte nächsten Jahres folgen", weiß Bergelt. Für so manchen Bauer heißt das, den Kraftfutter-Anteil von Soja auf heimische Futtermittel umzustellen. Denn zu 99 Prozent liege es am Eiweißträger Soja, wenn gentechnisch verändertes Material in den Futterkreislauf gerät. Als Alternative bietet sich Rapsschrot an. Das geht aber nur in begrenztem Umfang. "Weil Raps Bitterstoffe enthält, fressen die Tiere nicht viel davon. Zudem dürfte es schwer werden, eine ausreichende Menge bereitzustellen", begründet Bergelt. Betriebe, die in der Pilotphase der Umstellung mitmachen, erhielten derzeit einen Cent mehr fürs Kilo Rohmilch. Doch auf Dauer lasse sich mit GVO-freier Milch kein besserer Preis erzielen. Bergelt befürchtet vielmehr steigende Kosten - etwa wegen anstehender Zertifizierungsverfahren und der möglicherweise geringeren Milchleistung.

Bei Landwirt Rüdiger Kempe kommt Frischmilch aus eigener Produktion im Familienbetrieb in Dittersdorf auf den Tisch. Seine 135 Milchkühe geben täglich zwischen 3800 und 4000 Liter. Damit beliefert er die zur Unternehmensgruppe Theo Müller gehörende Sachsenmilch-Molkerei in Leppersdorf bei Dresden. Die Rohmilch vom Kempe-Hof wird dort etwa zu Käse, Joghurt, Quark, Milchpulver und Frischmilch verarbeitet. Mit Qualitätszuschlägen für Fett- und Eiweißgehalt bekommt Kempe dafür 31,85 Cent pro Kilogramm. Doch trotz leicht steigender Preise sei der Ertrag nicht kostendeckend. Denn parallel dazu seien die Betriebskosten sowie der Einkaufspreis für Dünger gestiegen. Die Umstellung auf gentechnikfreies Futter falle ihm nicht schwer, denn er füttere bereits auf diese Weise. Der Antrag auf den Zuschuss in der Umstellungsphase habe er gestellt.

Für den Chef des Burkhardtsdorfer Rößler-Hofes, Rolf Seyffert, ist das Thema gentechnikfreies Futter nicht neu. Denn auf dem Hof werde, wie er sagt, schon seit Jahren nur solches Futter verwendet. Dennoch sei sein Betrieb hinsichtlich steigender Kosten auch von der Umstellung betroffen. Denn das, was für ihn schon Praxis beim Füttern war, muss er sich nun zertifizieren lassen. Und das kostet Geld. "Zwischen 300 und 500 Euro", so Seyffert. Der Ein-Cent- Zuschuss, den es, wenn auch nicht für alle, bei der Umstellung gebe, sei zwar nicht genügend, doch gut. Aber er wisse auch, dass der später wegfällt. Die Kosten für die Zertifizierung blieben jedoch. (mit reu)

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