Gericht verurteilt Autohauschef Weise wegen Betrugs

Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten zur Bewährung ausgesetzt

Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 14 Fällen sowie Veruntreuung von Arbeitsentgelt in sechs Fällen hat das Amtsgericht gestern den Chemnitzer Autohaus-Besitzer Christian Weise schuldig gesprochen. Es verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist, sowie zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit, die innerhalb von sechs Monaten abzuleisten sind. Über das Strafmaß hatten sich das Gericht, die Staatsanwältin und Weises Verteidiger nach Abschluss der Beweisaufnahme abgesprochen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 48-Jährigen ursprünglich 22 Betrugsfälle zur Last gelegt, bei denen er Banken und Kunden des Autohauses um insgesamt 324.000 Euro geprellt haben sollte. Acht der Käufer stammten allerdings aus Osteuropa und wären nur mit großem Aufwand als Zeugen verfügbar gewesen. Deswegen zog die Staatsanwältin den Betrugsvorwurf in diesen Fällen zurück. Trotzdem blieb es bei einem Gesamtschaden von etwa 100.000 Euro. Die Verhandlung war ohnehin aufwendig, weil Kunden und Bank-Mitarbeiter für Zeugenaussagen bis aus Hamburg und Düsseldorf anreisen mussten - zum Teil mehrfach. Denn zu einem Gerichtstermin war Weise unentschuldigt nicht erschienen und wurde deswegen vor dem nächsten Termin in Haft genommen.


Die Zeugenaussagen geprellter Kunden, früherer Mitarbeiter des Autohauses und Vertreter mehrerer Banken vermittelten übereinstimmend den folgenden Ablauf: Weise kaufte bundesweit Gebrauchtwagen und finanzierte sie über Banken. Wurden Autos weiterverkauft, hätte er den Banken das geliehene Geld zurückerstatten müssen und im Gegenzug die Fahrzeugpapiere erhalten. Wegen finanzieller Probleme - nach Ansicht der Staatsanwältin war das Autohaus spätestens seit November 2014 zahlungsunfähig - wurde aber immer wieder kein Geld an Banken zurückgezahlt. Trotzdem wurden noch bis Mai 2015 weiter Autos an- und - ohne Papiere - weiterverkauft. Im Mai 2015 flog der Betrug bei Kontrollen auf und die Banken ließen die Autos abholen. Kunden, die solche Wagen gekauft hatten, mussten zusätzliche vierstellige Ablösesummen für die Papiere zahlen. Weise räumte die Taten ein und versprach Wiedergutmachung.

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