Geschäfts-Aufgabe nach 50 Jahren

Ein Juwelier findet für seinen Laden in Hohenstein-Ernstthal keinen Nachfolger. Die vergebliche Suche ist aber kein Einzelfall.

Hohenstein-Ernstthal.

Wo ist die Zeit nur hin? Es war das Jahr 1966, als Klaus und Brigitte Ulke in der Weinkellerstraße in Hohenstein-Ernstthal einen Laden der staatlichen Handelsorganisation HO übernahmen, deren Angestellte sie auch waren. Es gibt noch alte Fotos aus der Zeit. Jetzt, 50 Jahre später, geben die beiden den Laden, inzwischen an der Dresdner Straße und privatisiert, auf. Es findet sich kein Nachfolger. Damit verliert die Innenstadt von Hohenstein-Ernstthal innerhalb kurzer Zeit ein zweites, alteingesessenes Geschäft. Zum Jahrmarkt Ende September hatte das Glas-und Keramik-Fachgeschäft von Maritta Günther in der Weinkellerstraße geschlossen. Auch für diese Händlerin gab es keinen Nachfolger. Klaus Ulke: "Ich bin jetzt 73 Jahre alt. Da ist es an der Zeit, aufzuhören. Aber trotz großer Bemühungen habe ich bisher keinen gefunden, der das Geschäft übernehmen will." Gegenwärtig läuft der Räumungsverkauf. "Spätestens aber am 31. Dezember dieses Jahres ist Schluss", so Klaus Ulke. Das Ehepaar hat seit 1966 miterlebt, wie sich die Stadt Hohenstein-Ernstthal und der Einzelhandel entwickelt haben. "In der DDR war die Hauptbeschäftigung eines Händlers, mit allen Tricks Waren zu besorgen", erinnert sich Klaus Ulke zurück. Erst dann habe man sich mit dem Kunden befassen können. Heute sei das genau umgekehrt. 1987 machten sich die Ulkes privat, übernahmen das Geschäft auf Kommissionsbasis und zogen mit dem Laden in die Schubertstraße. Nach der Wende machte das Geschäft - seit 1991 befindet es sich an der Dresdner Straße - zunächst gute Geschäfte. Es war Geld unter den Leuten, bei manchen saßen die Scheine locker. Das hat sich verändert. "Es ist schon lange nicht mehr so viel Geld unter den Leuten wie damals", so Ulke. Auch die Einkaufszentren größerer Städte wie Chemnitz oder Zwickau erschwerten die Geschäfte durch Konkurrenz. Trotzdem sagt Ulke: "Wenn wir uns auf Nischen besinnen, den Service voranstellen, dann hat auch die Innenstadt von Hohenstein-Ernstthal eine Chance."

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