Gewässer im Erzgebirge sauberer als der Bundesdurchschnitt

Jeder zehnte Bach oder Fluss in der Region ist in einem ökologisch guten Zustand. Verglichen mit dem Rest des Landes ist das ein Erfolg. Umweltschützer sehen aber noch Probleme.

Zschopau/Marienberg.

Trotz Alterzbergbau und Landwirtschaft: Verglichen mit den Gewässern im Rest des Freistaats und der Bundesrepublik können sich die Flüsse und Bäche im Erzgebirge sehen lassen. Während deutschlandweit nur sieben Prozent der Fließgewässer und in Sachsen sogar nur drei Prozent in ökologisch gutem Zustand sind, sind es im Erzgebirgskreis zehn Prozent, wie Zahlen der Bundesregierung und des sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zeigen.

In sehr gutem Zustand sind deutschlandweit nicht einmal ein Prozent der Gewässer, in Freistaat und Landkreis kein einziges. Doch während in ganz Deutschland ein Fünftel der Gewässer eine schlechte Bewertung erhielt - in Sachsen sogar mehr als ein Drittel -, weisen im Erzgebirgskreis gerade einmal sechs Prozent einen schlechten Zustand auf. Der überwiegende Teil der Gewässer im Kreis gilt als mäßig.

"Die Lage im Mittelgebirge begünstigt eine gute Bewertung, da hier die quellnahen Abschnitte liegen", erklärt die Sprecherin des Landesumweltamtes, Karin Bernhardt. Die Belastungen durch Siedlung, Landwirtschaft und Industrie seien geringer als im Flachland. Zu den Gewässern in gutem ökologischem Zustand zählen der obere Teil der Schwarzen Pockau, der Haselbach, Lautenbach und Röthenbach.

Dass die mit gut bewerteten Gewässer eher im südlichen, bergigen Teil des Erzgebirgskreises zu finden sind, ist laut Felix Ekardt, Vorsitzender des Umweltverbandes BUND Sachsen, kein Zufall: In den dortigen Hanglagen und hohen Gefällen verlaufen Straßen normalerweise nicht parallel zu Gewässern, auch gibt es keine beengenden Siedlungen oder intensiven Ackerbau. Gewässer in unbefriedigendem bis schlechtem Zustand seien eher im nordwestlichen Drittel der Region zu verorten: "Sie liegen in Ortschaften oder Stadtnähe, verlaufen entlang von Straßen und teils intensiv ackerbaulich genutzten Flächen." Der Großteil der Gewässer mit schlechter Bewertung befindet sich im Altkreis Stollberg.

Besonders schwer setzen den Gewässern Gülle und Hausabwässer zu, sagt Karin Bernhardt vom Landesumweltamt: "Bei deren Abbau wird Sauerstoff verbraucht, der dann Fischen und Insekten zum Atmen fehlt." Phosphoreinträge, die meist aus der Landwirtschaft stammen, begünstigten zudem das Wachstum toleranter Algenarten. Mit ihnen verschiebe sich die gesamte Nahrungskette: "Anspruchsvolle Arten werden verdrängt. Man findet nur noch Allerweltsarten."

Zudem mache den Flüssen und Bächen in der Region der Alterzbergbau zu schaffen: 29 der 78 Gewässerabschnitte im Landkreis enthalten demnach zu viel Arsen, Kupfer oder Zink. Dank Altlastensanierungen - etwa im Bereich der Wismut - würden die Einträge zwar gemindert. Die strengen Vorgaben der EU ließen sich mit verhältnismäßigem Mitteleinsatz jedoch nicht erreichen, prognostiziert Bernhardt.

Insgesamt habe sich der Umgang mit den Gewässern seit der Wende zum Positiven verändert, meint Kay Meister vom Naturschutzverein Natura Miriquidica. Dazu beigetragen habe der Bau von Kläranlagen sowie die Stilllegung maroder Betriebe, ergänzt Felix Eckardt vom BUND. Naturschützer Meister sieht dennoch Defizite. Denn nicht alles, was Gewässern schadet, sei so einfach messbar. Dazu zähle die Herbizidbelastung. "Einige landwirtschaftliche Flächen werden fast totgespritzt", sagt Meister. Bei Regen würden die Pflanzenschutzmittel in die Gewässer gelangen. Mögliche Folgen seien nur schwer zu bestimmen, etwa Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Fischen und damit auf deren Population.

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