Tatverdächtige von Chemnitz fordern ihre Freilassung

Das Amtsgericht muss nächste Woche über Haftprüfungsanträge entscheiden. Nach dem dritten Verdächtigen wird immer noch gefahndet.

Chemnitz.

Knapp drei Wochen nach der tödlichen Messerattacke auf den 35-jährigen Chemnitzer Daniel H. verlangen zwei Tatverdächtige ihre Freilassung aus der Untersuchungshaft. Beide Männer haben über ihre Anwälte Anträge auf Haftprüfung gestellt. Das sagte am Freitag die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz, Ingrid Burghart. Die Haftprüfungstermine für den 22-jährigen Yousif A. und den 23-jährigen Alaa S. am Amtsgericht Chemnitz sind für kommende Woche anberaumt. Die beiden sollen aus dem Irak und Syrien stammen, allerdings gibt es Zweifel an ihrer Identität. Nach einem dritten Tatverdächtigen, dem 22-jährigen Farhad Ramazan Ahmad aus dem Irak, wird international gefahndet. Der Vorwurf lautet auf gemeinschaftlichen Totschlag.

Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks (NDR) gibt es übereinstimmende Aussagen eines unbeteiligten Augenzeugen und des inhaftierten Yousif A., die Zweifel am dringenden Tatverdacht gegen Yousif A. wecken. Demnach sagte Yousif A. im Gefängnis in Bautzen gegenüber einem Vertreter der irakischen Botschaft aus, dass er und seine Begleiter Ahmad und Alaa S. an dem Abend der Tat eine Shisha-Bar in Chemnitz besucht und gegen 2.30 Uhr morgens zu einem Döner-Imbiss gegangen seien. Unterwegs hätten sie eine Gruppe von Männern und Frauen getroffen, darunter das spätere Opfer. Ahmad sei zu der Gruppe um Daniel H. gegangen, um nach Feuer für eine Zigarette zu fragen. Dabei seien die Männer in Streit geraten. Er, Yousif A., habe den Streit geschlichtet. Dann seien beide Gruppen weitergelaufen. Aus dem Döner-Imbiss seien jedoch Bekannte gekommen und hätten gefragt, was der Grund des Streits gewesen sei. Daraufhin seien Ahmad und mehrere andere Männer erneut zu der Gruppe von Daniel H. gegangen. Dann sei es zu der Messerstecherei gekommen. Er selbst, Yousif A., sei nicht beteiligt gewesen, sondern habe mehrere Meter abseits gestanden.

Ein Zeuge, der seine Aussage bei der Polizei zu Protokoll gab, bestätigte laut NDR diesen Ablauf. Es sei zum Streit zwischen Farhad Ramazan Ahmad und Daniel H. gekommen. Alaa S. und zwei weitere Bekannte aus dem Döner-Imbiss seien gemeinsam mit Farhad Ramazan Ahmad auf Daniel H. und dessen Bekannte losgegangen. Auch Yousif A.'s Anwalt, der Berliner Strafverteidiger Ulrich Dost Roxin, bestätigte diese Darstellung. Er fordert die Freilassung seines Mandaten. "Keine der im Haftbefehl benannten Beweismittel weist nur im Geringsten auf eine Tatbeteiligung meines Mandanten hin", sagte Dost Roxin. So seien an der sichergestellten Tatwaffe - einem größeren Klappmesser - keine Fingerabdrücke seines Mandanten gefunden worden. Die Zeugin, aufgrund deren Aussage der Haftbefehl gegen Yousif A. ausgestellt wurde, habe seinen Mandanten bei Vorlage von Fotos nicht erkannt und habe weder dessen Kleidung noch den Tatablauf beschreiben können. Das Gleiche gelte für den zweiten Zeugen. "Derzeit prüft die Verteidigung die Verletzung diverser Rechtsstaatsprinzipien zu Lasten meines Mandanten durch die sächsische Justiz", so Dost Roxin.

Oberstaatsanwältin Burghart betonte am Freitag, dass man keine Einzelheiten zum laufenden Ermittlungsverfahren veröffentliche. Zugleich erklärte sie, dass mittlerweile die beiden Verletzten zum Tathergang Angaben gemacht hätten. Zu Inhalten äußerte sie sich aber nicht.

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6Kommentare
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  • 1
    3
    Interessierte
    06.10.2018

    Danke für die 17 Daumen … :-)

  • 13
    7
    Distelblüte
    14.09.2018

    Spekulationen sind wenig zielführend. Letzten Endes zählen vor Gericht allein Beweise. Bis zur Feststellung der Schuld ist jeder Tatverdächtige für unschuldig anzusehen. Er ist auch nicht gezwungen, sich selbst zu belasten. Wenn es ernsthafte Zweifel gibt, dass er der wahre Täter ist, wäre es mehr als fahrlässig, dem nicht nachzugehen. Das dauert möglicherweise länger als gewünscht und erfordert Geduld und akribisches Arbeiten der Forensiker.
    Würden die Gerichte nach dem Gefühl des Mobs auf der Straße urteilen, hätten wir eine Justiz, die sich niemand ernsthaft wünschen kann.

  • 34
    13
    franzudo2013
    14.09.2018

    Das kann ja was werden. Am Ende entlasten sich die 10 Teilnehmer gegenseitig. Keiner weiß Namen und selbst wenn, ist es die Identität 2 bis 14. Am Ende ist Daniel Hillig wohl selbst ins Messer gerannt.

  • 17
    22
    Interessierte
    14.09.2018

    Ich würde das auch bestreiten , zumal das mein Freund auch noch bestätigen kann...
    Frage : Waren denn das ´überhaupt` Ausländer , oder nicht vielleicht doch Chemnitzer ???

  • 19
    30
    Blackadder
    14.09.2018

    Natürlich ist ein Mord oder ein Todschlag immer eine Gewalttat, was denn sonst?
    Aber manchen kann man es eben nie recht machen.

  • 34
    18
    Schnorx
    14.09.2018

    Ist "Gewalttat" das richtige Wort für Tötungsverbrechen oder Mord? Nicht das hier etwas verharmlost wird.



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