Gewerbebrache soll zu Wohnquartier werden

Neubauten am Lessingplatz - was vor Jahren noch wie eine Utopie klang, wird nun von Planern vorbereitet. Mieter vor Ort fühlen sich kalt erwischt.

Lange Zeit hat sich auf dem Gelände an der Reinhardtstraße wenig getan. Nun werden Bebauungspläne für die Brache diskutiert.
Gewerbebrache soll zu Wohnquartier werden

Für Sie berichtet: Michael Müller

Diese Nachricht muss der kräftige Mann in seinem Trägerhemd erst einmal sacken lassen. "Wohnhäuser, hier? Im Ernst jetzt?", fragt der selbstständige Kurierfahrer ungläubig. Wie andere Gewerbetreibende auch hat er sich auf einer Brache zwischen Lessingplatz und Zietenstraße eingemietet, nutzt dort eine alte Halle. Wie es scheint, könnte es damit in einiger Zeit vorbei sein.

Denn die Eigentümer wollen das 3,8 Hektar große Areal "baulich entwickeln", wie es in einem Beratungspapier für die erste Sitzung des städtischen Planungsausschusses nach der Sommerpause heißt. Perspektivisch soll das Gelände "der Wohnnutzung dienen". Am kommenden Dienstag will der Ausschuss den Weg für die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans freimachen.

Wirklich neu sind diese Überlegungen allerdings nicht. Bereits seit mehr als 15 Jahren ist die Gegend im Flächennutzungsplan der Stadt nahezu vollständig als Wohnbaufläche ausgewiesen. Nur, dass lange Zeit wohl kaum jemand daran glaubte, dass eines Tages ernsthaft erwogen werden könnte, in dieser als eher schwierig geltenden, lange Zeit von Verfall geprägten Gegend neue Wohnhäuser zu errichten.

Doch die Zeiten haben sich geändert, auch in diesem Teil des Sonnenbergs. Selbst die einst legendären Ruinen der Gründerzeithäuser an der angrenzenden Sebastian-Bach-Straße sind mittlerweile fast vollständig saniert. Für die Reinhardtstraße auf der anderen Seite des Lessingplatzes werden teils außergewöhnliche Gestaltungs-Ideen diskutiert - bis hin zu einer "Fitness-Promenade" in Richtung Zeisigwald. Das Kalkül der Planer: Das Viertel soll für neue, für den Sonnenberg bislang eher untypische Zielgruppen interessant gemacht werden. Im besten Fall könnte davon der Stadtteil insgesamt profitieren.

Mit dem Bebauungsplan für die Gewerbebrache in nordöstlicher Nachbarschaft des Platzes soll nun nicht nur geklärt werden, wie viele Wohnhäuser welcher Art dort errichtet werden könnten. Auch die Frage, wie man das Areal künftig erreichen soll, spielt eine Rolle. Überlegungen sehen eine Verlängerung der Rathenaustraße vor, einer kaum bekannten Seitenstraße von Palm- und Heinrich-Schütz-Straße. Sie endet bislang als Sackgasse am Rande eines Schulgeländes.

Dieses Gelände wiederum spielt eine Rolle bei den aktuellen Überlegungen, wo in Chemnitz angesichts steigender Schülerzahlen auf Dauer Platz für weitere Klassen geschaffen werden kann. In einem Teil des Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Schulkomplexes ist die Lessinggrundschule ansässig; der zweite Teil nebenan dient unter anderem als Ausweichobjekt für Schulen, die wegen Bauarbeiten vorübergehend nicht genutzt werden können. Das Problem: Die Verhältnisse vor Ort gelten als sehr beengt. Im Rahmen der anstehenden Bauleitplanung soll daher auch geprüft werden, ob und in welchem Umfang und an welcher Stelle das Schulgrundstück vergrößert werden soll.

Der Mann vom Kurierdienst will die Dinge auf sich zukommen lassen. Eines aber, so sagt er, wisse er schon jetzt: Es dürfte schwer werden, zu vergleichbarem Mietpreis eine neue Halle für seine Autos zu finden.

Die Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses beginnt am Dienstag, 14. August, um 16.30 Uhr im Neuen Rathaus, Raum 118.

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