GGG setzt 2020 vor allem auf die Platte

Bezahlbares Wohnen bildet den Schwerpunkt bei den Investitionen des kommunalen Großvermieters im kommenden Jahr. Von den Modernisierungen wird auch das Stadtbild profitieren.

Zum ersten Mal seit längerer Zeit wird sich das städtische Wohnungsunternehmen GGG im kommenden Jahr bei neuen Großinvestitionen ganz auf die Modernisierung von Plattenbauten konzentrieren. Das geht aus dem Investitionsprogramm für 2020 hervor, dessen Eckpunkte der Großvermieter am Donnerstag vorgestellt hat. "Der Schwerpunkt bei den neu beginnenden Sanierungsmaßnahmen wird auf bezahlbarem Wohnraum liegen", kündigt Geschäftsführerin Simone Kalew an. Dabei gehe es um Wohnungen mit Mieten ab 4,50 Euro pro Quadratmeter. "Damit ergänzen wir unsere breite Angebotspalette gezielt um moderne Wohnungen für Haushalte mit geringem Einkommen", so Kalew. Insgesamt seien Investitionen in Höhe von fast 41 Millionen Euro vorgesehen. Das sind rund 20Prozent weniger als in diesem und im vergangenen Jahr. Für die Jahre 2021 bis 2024 bereite das Unternehmen aber weitere Investitionen im Umfang von rund 160 Millionen Euro vor. "Mieterhöhungen im Gesamtbestand planen wir derzeit nicht", heißt es auf Anfrage.

Die Konzentration auf die Sanierung von Plattenbauten begründet die GGG nicht zuletzt mit einer hohen Nachfrage nach preiswertem Wohnen. Bei ähnlichen Modernisierungsprojekten, die derzeit realisiert werden oder in jüngerer Vergangenheit abgeschlossen wurden, sei ein großes Interesse verzeichnet worden, sagt GGG-Sprecher Erik Escher. "Das Negativ-Image der Platte gibt es schon lange nicht mehr", betont er. Besonders hoch im Kurs stünden zu Maisonettewohnungen umgebaute Wohnungen und solche mit individuellen, oft besonders großen Grundrissen. Das Spektrum der Interessenten reiche von Familien über Alleinerziehende, Rentner und Studierende bis zu Mietern, die bewusst preiswert wohnen wollen.

Hinzu kommt, dass sich nach Jahren des Stadtumbaus die großen Wohngebiete der Stadt samt Infrastruktur konsolidiert haben. Viele von ihnen gehören mittlerweile zu den am stärksten durchgrünten Quartieren von Chemnitz. Die Lage am Stadtrand, in den oberen Etagen der Wohnhäuser nicht selten verbunden mit einer beeindruckenden Aussicht, werde von Mietern ebenfalls oft als Pluspunkt ins Feld geführt. Die höchste Durchschnittsmiete aller vier Sanierungsobjekte wird künftig mit 5,65 Euro in einem Elfgeschosser an der Arno-Schreiter-Straße in Markersdorf fällig.

Frank Kotzerke vom Stadtforum Chemnitz, einer Initiative, die sich eher für den Erhalt historischer Bausubstanz im Stadtbild ins Zeug legt, kann den Plänen viel Positives abgewinnen. "Plattenbauten zu sanieren ist nicht zuletzt ressourcenschonender als die Versiegelung neuer Flächen", betonte er. Chemnitz könne sich zudem glücklich schätzen, über ein Wohnungsunternehmen zu verfügen, das in großem Umfang preiswerten Wohnraum anbieten könne. "In vielen anderen Städten sieht das ganz anders aus", so Kotzerke.

Und nicht zuletzt profitiert von den Vorhaben auch das Stadtbild. So an der Leipziger Straße in Schloßchemnitz, wo zwischen Winkler- und Ludwigstraße für 6,3 Millionen Euro ein zweites Karree der sogenannten Luisenhöfe in Angriff genommen werden soll. Ebenso am Rande des Stadtzentrums, wo zwischen Falkeplatz und Reichsstraße sämtliche GGG-Plattenbauten auf Vordermann gebracht werden. Wie es dort mit dem benachbarten, leer stehenden Hochhaus Zwickauer Straße38 weitergeht - seit Jahren einer der größten Schandflecke im Stadtgebiet - ist unterdessen offen. Es befindet sich in Privatbesitz. Trotz mehrfach geäußerter Sanierungsabsichten hat sich dort bislang augenscheinlich nichts getan.

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