Grüne: Flugplatz Jahnsdorf ist pure Geldverschwendung

Bei Anwohnern steht der Landeplatz weiter in der Kritik. In einer Bürgerversammlung wurde im Hinblick auf die Kosten eine Rechnung aufgemacht.

Jahnsdorf.

Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen wollen sowohl beim Erzgebirgskreis als auch in der Stadt Chemnitz den jeweiligen Verwaltungen Anfragen zum Betrieb des Flugplatzes Jahnsdorf stellen. Die Stadt Chemnitz und der Erzgebirgskreis sind Gesellschafter der Einrichtung.

So fordern die Grünen unter anderem Antworten auf folgende Problemstellungen: Ist es richtig, dass sich Flieger nicht an die Mittagsruhe halten und auch zu Ruhezeiten Lärm verursachen? Ist es richtig, dass die Flieger sich nicht an die vorgeschriebenen Platzrunden und Einflugschneisen halten? Ist es richtig, dass der Flugplatz zweckentfremdet genutzt wird - etwa für Fahrsicherheitstraining oder Go-Kart-Rennen? Genau diese und weitere Vorwürfe sind bei einer Bürgerversammlung von Anwohnern des Flugplatzes genannt worden.

Ein Bürger sagte, es sei mittlerweile eine Schikane der Flieger, absichtlich über Wohnbebauung zu fliegen. "Weil sie wissen, ihnen passiert nichts." Ein anderer bezog sich auf das Grundrecht, dass jeder Bürger vor dem Gesetz gleich sei. "Wenn ich am Sonntag Rasen mähe, bekomme ich eine Anzeige. Wenn stundenlang über meinem Kopf Flugzeuge fliegen, die keine Lärmdämmung haben und sich nicht an Zeiten halten, passiert aber nichts."

Thomas Lehmann, Fraktionschef der Grünen im Chemnitzer Stadtrat, rief die Anwohner auf, immer wieder Anzeige zu erstatten. "Wir werden parallel fordern, endlich die Zahlen offenzulegen, wie viele Geschäftsflüge unter den Flugbewegungen sind." Schließlich wurde vor allem für diesen Zweck - Ankurbelung der Wirtschaft durch bessere Erreichbarkeit - der Flughafen überhaupt gebaut. Solche Daten aber verweigern die Gesellschafter.

Dabei müssten diese vorliegen, ist Heiko Reinhold überzeugt. Der Stollberger Ex-Kreisrat der Grünen sagte, in alten Berichten seien Zahlen zu finden. 2003 etwa wurden etwa 300 gewerbliche, aber mehr als 2000 private Flüge registriert. In der Genehmigung des Verkehrslandeplatzes seien solche Angaben eigentlich zwingend gefordert.

Für die Grünen ist der Flughafen sowieso reine Geldverschwendung. "Die Zuschüsse der Gesellschafter betrugen 2017 insgesamt rund 265.000 Euro. Die Flugbewegungen gingen aber von 14.783 im Jahr 2014 auf 9688 im Jahr 2017 zurück." Da jedes Flugzeug im Normalfall zwei Flugbewegungen verursacht, wurde der Flugplatz im Jahr 2017 von nur noch 4844 Flugzeugen genutzt. Pro Tag wären das im Schnitt 13 Flugzeuge. "Wenn von etwa drei Passagieren pro Flug ausgegangen wird, betrug der Zuschuss pro Fluggast etwa zehn Euro. Zum Vergleich: Der Zuschuss pro Fahrgast bei den Chemnitzer Verkehrsbetrieben beträgt rund 50 Cent", so die Grünen.

Eine Argumentation, die vermutlich auch die Gesellschafter insgeheim so sehen. Indiz: Vor vielen Jahren haben Erzgebirgskreis und Stadt Chemnitz sich gegenseitig die Anteile am wohl unerwünschten Verkehrslandeplatz angeboten.

Von einer Schließung aber reden beide nicht. Immerhin seien Fördergelder in dem Landeplatz verbaut worden, die bei Schließung vor 2033 umgehend zurückgezahlt werden müssten. Ob das so stimmt und wie hoch sich diese Summen darstellen, wollen die Grünen auch erfragen.

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