Gut aufgelegt

Wie Kraftklub-Frontmann Felix Kummer in diesem Jahr mit einem Plattenladen für Furore sorgte und Schüler Theodor Haubensak sich in die Herzen der Musikfans rappte.

Tausende Menschen standen an einem Wochenende im Oktober Schlange. Sie alle warteten auf das erste Solo-Album des Kraftklub-Sängers Felix Kummer. Der machte aus der Veröffentlichung ein riesiges Chemnitzer Happening. Denn extra zum Erscheinungstermin hatte er ein Geschäft in der Karl-Liebknecht-Straße angemietet. Es war nur drei Tage geöffnet. Es gab dort ausschließlich Kummers Platte mit dem Titel "Kiox". Und genau so hatte der junge Künstler seinen Interimsladen auch genannt. Damit wandelte er auf den Spuren seines Vaters Jan Kummer.

"Stehen die alle für das Album an?", fragte ein Mann mittleren Alters etwas ungläubig einen Jungen, der damals mit einer weißen "Kiox"-Tüte den Brühl entlangging. Die Antwort lautete: Ja. Es war offenbar mehr als die Aussicht auf ein handsigniertes Album, was die Menschen seit Freitag in den extra eingerichteten Plattenladen in Schillerplatznähe zog. "Gute Musik von hier und mit Geist, das muss man unterstützen", fand zum Beispiel Uwe Prochnow, der mit seiner Tochter extra aus Hoyerswerda gekommen war. Er war nicht der einzige mit weiter Anreise. Mehrere hunderte Kilometer hatten die Fans teilweise an Weg auf sich genommen. Elena Suareza Cronauer etwa, war mit ihren beiden Freundinnen aus Mainz angereist. Das Konzert, welches Kummer flankierend zum Albumverkauf am 11. Oktober vor dem "Kiox"-Laden gab, sei der Hammer gewesen, jubilierte sie. "Danach sind wir noch in die Balboa-Bar auf dem Brühl gegangen." Am Samstag hätten sie einen Besuch im Archäologiemuseum angeschlossen. "Das Bild, das in den Medien von einer Stadt gezeichnet wird ist das eine, aber die Realität kann dann ganz anders sein", betonte sie und spielte auf die Chemnitzer Außenwirkung an und darauf, wie sie den Charme der Stadt für sich entdeckte. Während die Mainzerin schon mehrfach in Chemnitz war, hatte das Kiox-Event zwei Brüder aus Dortmund erstmals in die Stadt gelockt. "Die Aktion ist einzigartig", zeigte sich Fritz Sohrwalde auch nach sechs Stunden Autofahrt euphorisch. Ihm hätten es vor allem die kritischen Texte auf "Kiox" angetan, sagte er. "Da steht was dahinter", so der 20-Jährige. Und das Autogramm von Kummer auf seiner Platte sei das "Sahnehäubchen". Die Dortmunder Brüder hatten sich, wie manch andere Kiox-Besucher, im Hotel "Sächsischer Hof" eingemietet, gleich ums Eck. "Fünf Zimmer wurden im Zusammenhang mit dem Album-Verkauf gebucht", sagte Sybille Schleider, die Rezeptionistin. "Wir hätten mehr erwartet, aber die Aktion ist super. Wir brauchen mehr von solchen Events, damit der Brühl lebendiger wird." Dagegen dürften sich nun auch die Mitarbeiter des Supermarktes am Brühl an das besondere Wochenende zurück erinnern. Denn der Markt wurde zeitweise regelrecht überrannt, so schilderte es damals die stellvertretende Marktleiterin Ines Schönfelder. "Alle Kassen waren geöffnet, die Schlangen gingen dennoch bis hinter zu den Getränken." Ihre Kollegin Steffi Riemel fügte hinzu: "Wir haben alles gegeben, weil es schön ist, wenn der Brühl belebt wird." Schallplatten, CDs, ja sogar fast vergessene Tonbandkassetten - allesamt mit Kummers Songs bestückt, gingen im "Kiox" über den Tresen. Die auf 1000 Stück limitierten Kassetten waren als Erstes vergriffen. Doch weder dies noch Wartezeiten von zeitweilig bis zu knapp drei Stunden konnten die Stimmung der Besucher trüben. Felix Kummer bedankte sich, indem er den Stift zückte. Er schrieb Autogramme ohne Unterlass - breites Grinsen im Gesicht inklusive. "Mittlerweile kann ich sogar mit links ganz passabel unterschreiben", verkündete der 1989 geborene Künstler bei Instagram nach gut acht Stunden Signieren. Mit seiner Verkaufsaktion hatte Kummer in diesem Jahr auch dafür gesorgt, dass der Begriff "Kiox" plötzlich wieder in aller Munde war. Wer in den 1990er Jahren über den Kiez Sonnenberg streifte, konnte mit dem Namen natürlich was anfangen. Jan Kummer, Vater des Musikers Felix, führte dort einst einen Szeneladen, in dem es Musik und Mode gab. Dort ging ein und aus, wer was auf sich hielt. Und so quatschte der ebenfalls aus Chemnitz stammende Rapper Trettmann ebenfalls im Oktober dieses Jahres in der TV-Sendung "Neo Magazin Royale" über die alten "Kiox-Zeiten. Er habe dort gearbeitet. "Felix kam immer mit seinem jüngeren Bruder Till in den Laden", sagte Trettmann im Fernsehen. Manchmal habe er auch auf die beiden aufpassen müssen. "Naja, dann habe ich den Fernseher angemacht", verriet der Künstler.

Chemnitz, das Sprungbrett für Musiker: Das trifft nicht nur auf die längst berühmt gewordenen Künstler Kummer und Trettmann zu. Auch ein anderer Einwohner der Stadt zeigte in diesem Jahr seine Ambitionen, von hier aus die Musikwelt aufzumischen. Der Schüler Theodor Haubensak sorgte bereits im Februar 2019 mit Sprechgesang in der Fernsehshow "The Voice Kids" für Furore. Dort erteilte er sogar einigen der bekanntesten Musikern Deutschlands eine Absage. Als Rapper riss er Publikum und Experten zu Jubelstürmen hin. Das Lied "Scotty, beam mich hoch" aus der Feder des Rostocker Rapkünstlers Marteria war der Türöffner. Mit dem Song ging Theodor, den seine Freunde und Familienmitglieder alle Theo nennen, in der siebenten Staffel der Musiksendung an den Start. In dem Format treten Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 14 Jahren an, um ihr Talent unter Beweis zu stellen. Bekannte deutsche Musiker stimmen über die Qualität der Auftritte ab, wählen die Nachwuchskollegen dann vielleicht eine Runde weiter. Im weiteren Verlauf der Show stehen sie den Jugendlichen als hilfreiche Paten zur Seite. Nachdem der damals 13-jährige Theodor Haubensak zum Mikro gegriffen hatte, dauerte es keine zehn Sekunden. Da hatte Sängerin Lena Meyer-Landrut schon auf einen roten Knopf gedrückt und damit für Theodors Verbleib in der Sendung gestimmt. Kurz darauf folgten Silbermond-Frontfrau Stefanie Kloß, die Boss-Hoss-Bandmitglieder Alec Völkel und Sascha Vollmer sowie Popsänger Mark Forster. Alle wollten den Chemnitzer auch in den folgenden Shows auf der Bühne sehen. "Du hast mit der Nummer hier komplett das Studio abgerissen", sagte Alec Völkel und lobte so Theodor Haubensaks Auftrittsqualitäten. Er habe alles richtig gemacht, schwärmte derweil Lena Meyer-Landrut. "Du bist schon jetzt der Publikumsliebling und hast ein Alleinstellungsmerkmal", lobte dann auch noch Stefanie Kloß. Doch Theodor Haubensak ließ sowohl Kloß als auch Meyer-Landrut und die Musiker der Country-Rockband Boss-Hoss abtreten. Er wollte lieber mit Mark Forster zusammenarbeiten. Gegenüber "Freie Presse" erklärte er damals , warum: "Weil Mark mir besonders sympathisch erscheint und ich glaube, dass er die besten Kontakte in die Szene der Rapmusik besitzt", so der Schüler der damals in die Schönauer Grundschule ging. Einen eigenen Künstlernamen hatte er da schon: Big-Buddha. In der Fernsehsendung schied er vor der Finalrunde leider aus. Aber in ein Tief verfiel er deshalb nicht. Seit September geht Theodor Haubensak in die Europäische Oberschule in Hartmannsdorf. Sein Schulpraktikum absolviert er im Kindergarten. "Da würde ich später gern arbeiten", sagte er jetzt.

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