Hand ab: Erneut Vandalismus an den Schillingschen Figuren

Eine der erst vor wenigen Monaten restaurierten Skulpturen ist massiv beschädigt worden. Ihre Reparatur ist mit erheblichem Aufwand verbunden.

Schloßchemnitz.

Auf den ersten Blick sehen sie in Schuss aus wie seit Langem nicht mehr, die vier Schillingschen Figuren in den Schloßteichanlagen. Erst Ende vergangenen Jahres wurden die vier großen Sandstein-Skulpturen - eines der bedeutendsten Kunstensembles im öffentlichen Raum in Chemnitz - fachmännisch restauriert und mit einem Schutzanstrich versehen. Seither hat der Betrachter eine ungefähre Vorstellung davon, wie die "Vier Tageszeiten" ausgesehen haben müssen, als sie in den Jahren 1868 bis 1871 die Werkstatt des Mittweidaer Bildhauermeisters Johannes Schilling verließen, um an ihrem ursprünglichen Standort, der großen Treppe zur Brühlschen Terrasse in Dresden, aufgestellt zu werden.

Doch die Freude über den neuen Glanz der rund 150 Jahre alten Figuren hat ein jähes Ende gefunden: Unbekannte Täter haben dem Ensemble die schwersten Vandalismus-Schäden seit Jahren zugefügt. Betroffen ist in erster Linie die Skulptur "Der Abend". Eines der Mädchen am Fuße der kräftigen Hauptfigur wurde die linke Hand abgeschlagen. Sie hielt das obere Ende des Halses einer Laute, die sie mit der anderen Hand spielt. Auch augenscheinlich frische Graffiti finden sich: An zwei der vier Sockel, auf denen die Figuren stehen, wurden verschiedene Buchstabenkombinationen gesprüht.

Festgestellt wurden die Beschädigungen von einem Spaziergänger am Sonntagmorgen gegen 8.30 Uhr. Die Polizei geht davon aus, dass der oder die Täter höchstwahrscheinlich zwischen dem Samstagnachmittag (12. Mai) und den frühen Morgenstunden des Sonntags (13.Mai) in der Anlage unweit der Schloßteichstraße zugange waren. Ermittler versuchten, vor Ort mögliche Spuren und Hinweise auf die Täter zu sichern. Die abgeschlagene Hand blieb dabei zunächst verschwunden. Diese gab später, gegen 11.20Uhr, ein älterer Herr im Besucherbereich der Polizeidirektion an der nahegelegenen Hartmannstraße ab - "kommentarlos", wie es heißt. Danach sei der Mann wieder verschwunden.

Der neuerliche Vorfall dürfte den Druck auf die Stadt erneut erhöhen, mehr für die Sicherheit der Schillingschen Figuren zu tun. Entsprechende Forderungen hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, unter anderem weil das Ensemble oft mit Schmierereien verunstaltet worden war. Der vergleichsweise abgelegene Standort begünstige Vandalismus, äußerten Kritiker.

Als bevorzugte Alternative gilt vielen Chemnitzern der Theaterplatz. Dort standen die Schillingschen Figuren bis Ende der 1920er-Jahre schon einmal, nachdem sie in Dresden durch Bronzeabgüsse ersetzt worden waren. Die Witterung am Ufer der Elbe hatte den Sandstein-Originalen zu sehr zugesetzt. Doch mit dem Neubau des Hotels Chemnitzer Hof kam das Aus auch für diesen Standort; die "Vier Tageszeiten" zogen um in die Neuen Schloßteichanlagen.

Auch im Rathaus hat man den Theaterplatz als neuen Standort für die vier Figuren in Erwägung gezogen. Dafür allerdings seien dort erhebliche Umbauten nötig, heißt es. Vorerst steht ohnehin die Reparatur an. "Die Graffiti werden beseitigt und die Hand wird wieder ersetzt", sagte eine Sprecherin. Wann damit begonnen werden kann, stehe noch nicht fest. "Ergänzungen von fehlenden Teilen sind in jedem Fall nicht einfach, weil dazu immer auch ein Gerüst erforderlich ist", sagte sie. Die hinzugefügten Teile müssten zudem farblich angepasst werden, damit sie nicht als solche erkannt werden.

Die Polizei hofft unterdessen, mithilfe von Zeugen Näheres zu der Tat vom Wochenende an sich und zu den Tätern in Erfahrung bringen zu können. Auch der Mann, der die Hand der beschädigten Figur bei der Polizei abgegeben hat, ist für die Ermittler von Interesse. Sie hoffen, dass er sich nochmals meldet.

Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 0371 387495808 entgegen.

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1Kommentare
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  • 3
    1
    cn3boj00
    15.05.2018

    Es ist frustrierend, wenn man die Verrohung der Gesellschaft anhand von zunehmendem Vandalismus erlebt. Da stellt sich echt die Frage, was in den Köpfen derer vorgeht, die so was tun. Sind diese Köpfe durch Alkohol verkümmert? Dann wird es Zeit, dass die Gesellschaft etwas gegen Alkoholmissbrauch unternimmt.
    Vor allem aber ist es leider dringend notwendig, Kunstwerke dort aufzustellen, wo die Gefahr von Vandalismus deutlich sinkt.



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