Hat das Kino noch eine Chance?

Für eine Stunde zieht Leben ins alte Licht- spieltheater in Burkhardtsdorf ein: Schüler haben sich dort umgeschaut. Es gibt viel zu entdecken, aber der Zustand des Hauses macht Ideen zunichte.

Burkhardtsdorf.

Vorsichtig bewegen sich die Acht- und Neuntklässler durch den Saal. Der Boden ist weich, fast glaubt man, er gebe etwas nach. Die Beleuchtung strahlt auf einen Sternenhimmel, der wohl einst Bühnenbild war, sowie auf Straßenlaternen, Schulbänke, Requisiten. Der Fußboden der einstigen Visionsbar ist ebenfalls komplett mit Lampen belegt. Die 14- und 15-jährigen sind an diesem Morgen im Rahmen des Projektes "Architektur macht Schule" ins einstige Lichtspieltheater "Scala" gekommen. Seite Mitte der 1990er-Jahre gibt es in dem gemeindeeigenen Gebäude keine Veranstaltungen mehr, seine Zukunft ist ungewiss.

Zunächst geht es für die Jugendlichen darum, sich alles anzuschauen, später wollen sie Leute aus dem Ort befragen, die das Haus noch als Kino erlebt haben. Auch eine Exkursion ist geplant, um zu erfahren, was anderenorts aus alten Kinos geworden ist, erklärt Lehrerin Andrea Mahler, die das Projekt gemeinsam mit ihrer Kollegin Viola Reichelt betreut.

Mandy Gauser macht die Schüler im Saal auf die Stuckdecke mit den abgerundeten Ecken aufmerksam, im Vorraum auf die geschwungenen Treppen. Die Architektin begleitet die Schüler fachlich, wird später auch mit ihnen die Grundrisse studieren. Mariella und Stella stehen neben ihr und haben schon Ideen. "Hier kommt ein Kronleuchter hin", sagt Mariella. "Und hier ein roter Teppich." Das "Scala" könnte wieder ein schönes Theater werden, sodass die Schulaufführungen nicht mehr in der Turnhalle stattfinden müssen, sind sich die beiden einig. Lucienne würde in dem Gebäude gern ein Café sehen. Elena Weber ist fasziniert. "Erwachsene haben zuerst immer Bedenken, Jugendliche sind da vorbehaltloser" sagt die Regionalmanagerin der Leader-Region Zwönitztal-Greifensteine. Sie war beim Rundgang dabei, weil das Projekt über das Leader-Programm finanziert wird.

In zwei Gruppen erkunden die Schüler alle Etagen. "Gruselig", sagt ein Mädchen über ein Zimmer voller Kartons mit Puppen. Hannes hält das Modell eines Herzens in der Hand und fragt, ob hier mal eine Arztpraxis war. Es scheint sich allerdings um Anschauungsobjekte aus dem Biologieunterricht zu handeln, denn hier landete auch vieles aus früheren Schulen, heißt es. Tommy indes inspiziert eine Etage höher mit zwei Jungs den Küchenofen, an dem es Anzeigen für Temperatur und Druck gibt. "Das ist eine alte Heizung", sagt er und zeigt auf die Vor- und Rücklaufrohre. Sein Vater sei Heizungsbauer, erklärt er.

Jonas erzählt, dass seine Eltern hier zum Fasching waren. Mandy Gauser bestätigt: Der Saal wurde vom Faschingsverein genutzt. Die Stuhlreihen kamen dafür raus, aber das kinotypische Gefälle blieb. "Ich erinnere mich, dass davon die Rede war, dass Burkhardtsdorf einen schiefen Saal hat", erzählt die Thalheimerin. Die 36-Jährige kennt das "Scala" selbst noch als Kino. ",Arielle' war der erste Film, den ich hier gesehen habe." Anfang der 1990er-Jahre müsse das gewesen sein.

Vanessa, die sich vor der Besichtigung noch vorstellen konnte, dass wieder ein Kino ins "Scala" kommt, hat das Gesehene zum Umdenken veranlasst: "Ich glaube, abreißen ist das Beste", sagt sie. Sicher wäre das viele Geld, das man in das Gebäude stecken müsste, für etwas anderes besser investiert. Und was meint die Fachfrau zu Sanierung und Nutzung? "Dafür ist es 15Jahre zu spät", sagt Mandy Gauser. Aber das Projekt ist ergebnisoffen, die Schüler sollen durchaus Nutzungsideen entwickeln - oder eben einen Abriss begründen und vorschlagen, was auf dem Areal entstehen könnte. Auch das, so Gauser, sei eine interessante Aufgabe. Denn für sie ist es ein architektonisch durchaus "reizvolles Gebiet, so in Sichtweite der Schule".

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