Hausärzte-Notstand: Stadt startet Hilferuf

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Mit einer Werbekampagne will Limbach-Oberfrohna junge Mediziner anlocken. Doch Erfolg ist bislang ausgeblieben.

Limbach-Oberfrohna.

Wer derzeit die Internetseite der Stadt Limbach-Oberfrohna besucht, der entdeckt dort einen Hilferuf: "Wir brauchen dringend frisches Blut, Doc!" ist unter anderem zu lesen. Der Aufruf ist einer von mehreren, der neue Hausärzte anlocken soll.

Im Planungsbereich der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS) gibt es für Limbach-Oberfrohna mit etwa 31.000 Einwohnern derzeit fünf freie Hausarztstellen. "In den nächsten Jahren werden weitere Ärzte in den Ruhestand gehen. Wir wollen aber nicht erst so lange warten, sondern jetzt schon aktiv werden", sagt Stadtsprecherin Frances Mildner. Mit einer Werbekampagne auf der Internetseite sollen Ärzte auf die Stadt aufmerksam gemacht werden. Zudem lockt die Wirtschaftsförderung mit weiteren Anreizen: Interessenten wird Hilfe bei der Suche nach einer Praxis oder deren Umbau, bei der Suche nach einem privaten Baugrundstück und einem Kindergartenplatz angeboten. Darüber hinaus bietet die KVS Medizinern einen finanziellen Anreiz: Mindestens 60.000 und höchstens 100.000 Euro Förderung werden unter der Voraussetzung gezahlt, dass sich der Hausarzt für mindestens fünf Jahre im Ort niederlässt.

"Das ist ein Riesenbatzen Geld, aber trotzdem ist das für die jungen Ärzte bisher nicht genug Anreiz", sagt Diplommedizinerin Ulrike Hentsch, die auch auch Mitglied im Sächsischen Hausärzteverband ist. Sie ist Ende des vergangenen Jahres in den Ruhestand gegangen - nach 34 Dienstjahren im Limbacher Ärztehaus. Hentsch hat die Stadt erst auf die Idee mit der Werbekampagne für Hausärzte gebracht. Sie prognostiziert für Limbach-Oberfrohna eine "echte Notsituation", wenn in den nächsten Jahren in puncto Hausarztansiedlung nichts passiert.

Nach wie vor strebten Absolventen in Sachsen nach Dresden und Leipzig. Das sei schon zu ihrer Studienzeit so gewesen, so Hentsch. "Aber damals wurden wir von der Politik gelenkt. Wir mussten dorthin, wo wir gebraucht wurden", erzählt die 63-Jährige. Ein derartiges Lenken vermisse sie heute. Das Medizin-Studium sei nach wie vor das teuerste Studium. "Aber die heutigen Absolventen fühlen sich in keinster Weise verpflichtet, der Gesellschaft etwas zurückzugeben - zum Beispiel indem sie dahin gehen, wo sie dringend gebraucht werden", sagt die Ärztin im Ruhestand.

Über ihren Sohn, der Informatiker ist, habe Ulrike Hentsch im vergangenen Jahr ihre Stelle im Ärztehaus deutschlandweit auf sämtlichen Kanälen im Internet beworben, erzählt sie. Lediglich zwei interessierte Kolleginnen hätten sich daraufhin gemeldet. Beide lehnten schließlich ab, sodass Hentsch bis zum Schluss keinen Nachfolger für ihre Praxis fand. Bis heute gebe es etliche Patienten von ihr, die keinen neuen Hausarzt in der Stadt gefunden hätten, berichtet Hentsch.

Oberbürgermeister Jesko Vogel sei sich des Problems bewusst, wie er betont. "Offensichtlich reichen die Förder- und Unterstützungsangebote bisher nicht aus. Wir wollen alle unsere Möglichkeiten frühzeitig einsetzen, um dem Problem zu begegnen", sagt er. Bisher habe sich kein Mediziner auf die Kampagne gemeldet. Diese soll demnächst auf Ärzte-Zeitschriften und soziale Netzwerke ausgeweitet werden.

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