Hausbesitzer streiten mit Stadt um Birke

Jahrelang hatte das Grünflächenamt regelmäßig den Baum beschnitten. Doch plötzlich hält die Behörde das für ungerechtfertigt.

Altchemnitz.

Die Birke ist gut gewachsen. Die Walthers wollen auch gar nicht, dass sie gefällt wird. Nur die längsten Äste, die bei Wind bis an die Fenster und das Dach ihres Hauses an der Annaberger Straße wedeln, soll das Grünflächenamt wieder einmal kürzen lassen, so wie in all den Jahren seit dem Bau des Wohn- und Geschäftshauses 1992.

"Damals hatte uns die Stadtverwaltung zugesagt, dass sie den Baum, der der Stadt gehört, regelmäßig beschneiden wird", erinnert sich Rosita Walther. Mehr als 20 Jahre lang habe das auch problemlos geklappt. Doch seit drei Jahren weigere sich das Grünflächenamt, die Astschere anzusetzen. Die Folge: Blätter und abgebrochene Zweige landen auf dem Dach des Privathauses und verstopfen die Dachrinne.

Weil der 74-jährige Christian Walther nicht mehr selbst aufs Dach klettern kann, muss er - um das Haus zu schützen - die Dachrinne mehrmals im Jahr durch eine Firma reinigen lassen. Die Kosten dafür tragen die Hausbesitzer und deren Mieter, auf deren Betriebskostenabrechnung sie erscheinen. "Sie sind davon natürlich auch nicht begeistert", berichtet Rosita Walther. Doch alle bisherigen Anfragen der Hausbesitzer beim Grünflächenamt seien erfolglos geblieben.

Anders als oft in ähnlichen Fällen begründet die städtische Behörde ihre Untätigkeit diesmal nicht mit fehlendem Geld oder Personal. Das Kürzen der Äste sei nicht gerechtfertigt, teilt das Grünflächenamt auf Anfrage mit. "Der Baum steht ausreichend weit vom Wohngebäude entfernt", wird erklärt. "Ein Rückschnitt der Birke um einige Meter, wie vom Beschwerdeführer gewünscht, kommt einer Kappung gleich." Dem könne aus fachlicher Sicht nicht zugestimmt werden, da der "arttypische Habitus", also das "Bild einer Birke", zerstört werde.

Außerdem rege ein Einkürzen nur das Wachstum der Krone an, sodass diese in kurzer Zeit wieder so groß werde wie vorher. Das Amt verweist auf die ökologischen und klimatischen Funktionen von Bäumen in Städten sowie auf Duldungspflichten von Anwohnern. Diese würden durch Laub und Zweige nur belästigt, aber nicht gefährdet.

Solche Streitigkeiten bescheren häufig Juristen Arbeit. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch dürfen Nachbarn herüberhängende Zweige fremder Bäume in bestimmten Fällen bis zur Grundstücksgrenze abschneiden. Dafür müssen sie aber nachweisen, dass sie durch die Zweige beeinträchtigt werden und dem Baumbesitzer vorher eine angemessene Frist zum Abschneiden gesetzt haben.

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