Heinrich-Heine-Schule: Eltern protestieren gegen Vierzügigkeit

Um den Platzmangel an der Einrichtung zu beheben, will die Stadt die benachbarte Kita künftig mit nutzen. Den Eltern aber reicht das nicht.

Bernsdorf.

246 Kinder besuchen die Heinrich-Heine-Grundschule an der Augsburger Straße derzeit, die sich auf maximal drei Parallelklassen pro Jahrgang verteilen. Doch das dürfte sich bald ändern. Denn infolge der stetig steigenden Schülerzahlen will die Stadt ab dem Schuljahr 2019/2020 die Vierzügigkeit einführen - das allerdings zum Leidwesen der Eltern.

"Statt einer Lehr- haben wir dann eine Aufbewahrungsanstalt", sagt Jana Schlaack, deren Sohn nächstes Jahr eingeschult wird. Weder das Schulgebäude selbst noch der Schulhof habe die Kapazitäten dafür, so die Mutter. Gemeinsam mit anderen Eltern hatte sie deshalb für gestern eine "Stellprobe" organisiert. Punkt 9 Uhr bevölkerten insgesamt 450Kinder den Schulhof, die auf diese Weise den aus ihrer Sicht drohenden Platzmangel aufzeigen wollten. Etwa so viele Kinder würden bei kompletter Vierzügigkeit die Schule besuchen. Schüler des benachbarten Goethe-Gymnasiums beteiligten sich an der Aktion.

Um die Situation zu entschärfen, will die Stadt den Hort nun auslagern - in die Räume der unmittelbar angrenzenden Kita "Sonneninsel". Auch die beiden derzeit durch einen Zaun getrennten Grundstücke sollen zusammengelegt werden. Dies würde Baubürgermeister Michael Stötzer (Grüne) zufolge die den Schülern zur Verfügung stehende Aufenthaltsfläche von aktuell rund 1000 Quadratmetern in etwa verdoppeln. Die Kita-Kinder sollen, so die Pläne, mit ins Internat der ebenfalls nicht weit entfernten Sprachheilschule an der Bernsdorfer Straße ziehen. Der entsprechende Beschlussvorschlag steht in der kommenden Woche auf der Tagesordnung des Jugendhilfeausschusses. Die Bauarbeiten würden sich laut Stötzer über drei Jahre von 2018 bis 2020 erstrecken. Geplant seien Maßnahmen an Außengelände, Kita, Internat sowie im Gebäude der Grundschule selbst, in der deshalb schon ab dem nächsten Schuljahr kein Unterricht möglich sei. Als Ausweichgebäude schlägt die Stadt die Grundschule Borna an der Wittgensdorfer Straße vor. Es sei stadtweit das einzige leerstehende Schulgebäude mit ausreichend Platz. "Ansonsten müssen wir die Schüler auf mehrere Schulen aufteilen", so Stötzer.

Für die Eltern kommt beides nicht infrage. Thomas Hanisch, Sprecher der Elternvertreter und Vater einer Tochter, die in die dritte Klasse geht, schlägt stattdessen die ehemalige Theodor-Neubauer-Schule an der Vettersstraße vor, die zuvor allerdings umfassend saniert werden müsste. Die Verlagerung des Hortes könne zudem das durch die Vierzügigkeit entstehende Platzproblem am Standort Augsburger Straße nicht lösen. "Schon die Sportanlagen sind den künftigen Schülerzahlen nicht gewachsen", sagt Hanisch, der für die Aufnahme der Comeniusschule in Altchemnitz in den Schulbezirk plädiert, in dem sich außer der Heinrich-Heine-Schule bislang nur die Annenschule befindet. "Die Comeniusschule ist per Straßenbahn sehr gut angebunden. Speziell Kinder aus dem Reitbahnviertel könnten dann dorthin gehen" so Hanisch. Über die neue Schulnetzplanung soll der Stadtrat im Herbst entscheiden.

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