Heyms Bücher kommen nach Chemnitz

Die Witwe des Schriftstellers schenkt der Stadt seine Bibliothek. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, welche Beziehung er zu seinem Geburtsort hatte.

Als Ulrike Uhlig, Vorsitzende der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft, vor acht Jahren zum ersten Mal das Haus von Inge und Stefan Heym in Berlin-Grünau betrat, war sie beeindruckt vom Geist des Schriftstellers, den das Haus auch noch nach dessen Tod 2001 atmet. "Vom Keller bis zum Dach ist dort alles voller Bücher", beschreibt Uhlig.

Nun schenkt Inge Heym einen Teil dieser Bücher - rund 2000 Bände, die ihr und ihrem Mann gehören - der Stadt Chemnitz. Auch Mobiliar und persönliche Gegenstände sollen Teil der Schenkung sein. Ein Fakt, von dem Uhlig bei ihrem ersten Besuch nicht zu träumen gewagt hätte, wie sie sagt. Der Nachlass des jüdischen Schriftstellers, der 1913 in Chemnitz geboren wurde, befindet sich auf dessen Wunsch hin im britischen Cambridge. Briefe, Notizen und Manuskripte sind dort untergebracht. Das Verhältnis von Heym zu seiner Geburtsstadt war schwierig.

Man habe Vertrauen zu Inge Heym aufgebaut und sie davon überzeugen können, dass viele Menschen in Chemnitz ihrem Mann verbunden sind. Außerdem sei Heym wichtig gewesen, dass mit den Büchern weiterhin gearbeitet werden kann und kein Museum eingerichtet wird, erklärt Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Es sei sehr selten, dass jemand der Stadt Chemnitz tatsächlich etwas schenkt, ohne eine finanzielle Gegenleistung zu erwarten.

Präsentiert werden soll die Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek in einem neu zu schaffenden Stefan-Heym-Forum im ehemaligen Tietz-Café in der dritten Etage des Kulturkaufhauses. Die Bücherregale aus Heyms Arbeitszimmer werden dort aufgestellt, in einem gläsernen Raum. Dieser soll aber für wissenschaftliches Arbeiten genutzt werden können, weshalb auch ein Tisch und ein Stuhl darin geplant sind. Auch die persönlichen Gegenstände sollen dort gezeigt werden. Welche genau das sind, steht noch nicht fest. In Chemnitz rechnet man aber mit Heyms Schreibtisch, einem jüdischen Leuchter und Bildern, vielleicht sogar seiner Schreibmaschine. Uhlig hofft, den Raum auch Schulklassen zugänglich machen zu können.

Um den gläsernen Raum herum sollen Flächen für Seminare und Schulungen entstehen, erklärt Kulturbetriebsleiter Ferenc Csák. Daneben sind vier Themen-Zonen geplant, in denen der Besucher mehr über den Schriftsteller, sein Leben, Werk und die Forschung dazu erfährt. Eine Zone soll den Trägern des Stefan-Heym-Preises gewidmet sein. Außerdem sind Hörstationen geplant, an denen Aufzeichnungen von Interviews mit Inge Heym zu hören sein sollen. Diese würden momentan geführt, so Ludwig.

Die Bücher, die nicht in dem nachgebauten Arbeitszimmer gezeigt werden können, sollen unter strengen Sicherheitsauflagen ins Magazin der Stadtbibliothek kommen. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 250.000 Euro. Abschließend entscheidet der Stadtrat am 11. Dezember darüber.

Dass die Bücher überhaupt nach Chemnitz kommen, hänge mit der Ernennung Heyms zum Ehrenbürger im Jahr 2001 zusammen, erklärt die Oberbürgermeisterin. Erst dadurch sei die Verbindung zu seiner Geburtsstadt wieder enger geworden. Heym hatte 1931 in der "Volksstimme" ein satirisches und militärkritisches Gedicht veröffentlicht, wegen dem er Chemnitz verlassen musste. Zunächst ging er nach Berlin und wurde 1933 zum jüngsten literarischen Flüchtling Deutschlands. Vor diesem Hintergrund habe ihm die Ehrenbürgerschaft sehr viel bedeutet, sagt Ludwig.

Inge Heym sagt, "die Bibliothek ermöglicht, Spuren zu finden und als Zeitdokument Auskunft zu geben über den Schriftsteller Stefan Heym, seine Überzeugungen, seine Haltungen in widerspruchsvollen Zeiten". Zum Bestand gehören seltene Ausgaben und Bücher, die mit Widmungen anderer Schriftsteller versehen sind. Außerdem sind es Bücher, in denen Heym zu seinen Romanen wie "Der König-David-Bericht" oder "Lassalle" recherchierte. In ihnen finden sich auch Anmerkungen des Schriftstellers.

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