Himmelblaue Liebes- und Schmähgesänge

Rund 1200 CFC-Anhänger haben am Sonntag mit einem Fanmarsch zum Stadion für den Erhalt ihres Vereins demonstriert - und lautstark ihren Unmut auf die Straße getragen.

Sonntag, 15 Uhr: Auf dem Platz vor dem Karl-Marx-Kopf leuchtet es himmelblau. Ein riesiges Transparent wird entrollt: "Eingetragener Verein seit 1990 - Chemnitzer Fußballclub e.V.". Pappschilder werden verteilt: "Pro e.V.!", "Verein(t) leben", oder "50+1 erhalten!" - und immer wieder "Siemon raus!". Mehrere Hundert CFC-Anhänger sind dem im Internet verbreiteten Aufruf zu einem Fanmarsch unter dem Motto "Tot sind wir noch lange nicht! Für den Club - Für den Nachwuchs - Für den e.V." gefolgt. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. "Wir sind vorbereitet", sagt Polizeisprecherin Jana Ulbricht. Denn erst kurz zuvor hatte sich doch noch jemand als Veranstalter zu erkennen gegeben und den Marsch bei der Stadt angezeigt. "Sonst hätte die Versammlung aufgelöst werden müssen", sagt Stadtsprecher Matthias Nowak. Den Namen des Anmelders nennt die Stadt nicht. Nur: "Es ist jemand aus der Fan-Szene."

Ein Ultra gibt der Menge vor dem Karl-Marx-Kopf mit einem Megafon Anweisungen. "Dieser Platz hier ist vorbelastet, wir wollen niemandem Futter geben, negativ über den Verein zu berichten", ruft er den Himmelblauen zu, darunter etliche Kinder. Die Menge singt sich warm für den DFB-Pokalschlager gegen den Hamburger SV. Aus Hunderten Kehlen schallt es: "Du bist unsere Liebe, du bist unser Verein!"


Der Tross setzt sich in Bewegung, schwillt weiter an, am Ende sind es laut Polizei rund 1200 Fans, die durch die Innenstadt zum Stadion ziehen. Die Sorge um die Zukunft ihres Klubs nach der Insolvenz in der Insolvenz ist groß. Immer wieder stimmt die Menge "Siemon raus!"-Rufe oder Schmähgesänge auf den Insolvenzverwalter Klaus Siemon an. "Wir haben alle Angst, dass Siemon alles abwickelt", sagt der Geithainer Andreas Schalinske, der dem CFC seit 20 Jahren die Treue hält. "Wenn der Verein kaputtgeht und die GmbH, in die der Profibetrieb ausgegliedert worden ist, das dann alleine weiter machen will, kommt aber von uns hier keiner mehr. Ohne uns Fans ist der Verein aber nichts." Schals wirbeln durch die Luft. "Egal in welcher Liga, wir stehen zu dir, für heute und für immer, Chemnitzer FC", ertönt es hundertfach.

Der Rauswurf von Kapitän Daniel Frahn, dem eine zu große Nähe zu Fans aus der rechtsextremen Szene vorgeworfen wird, die Kündigungen im Nachwuchsleistungszentrum, der Führungsstreit zwischen Insolvenzverwalter und Gremien des Vereins - das alles nervt Schalinske nur noch. Toleranz und Weltoffenheit, dazu stehe er, sagt der 40-Jährige. "Im Stadion ist jeder gleich, da ist jeder Fan." Alles drumherum sei hingegen derzeit ein großer Kindergarten. "Vereinsführung und Insolvenzverwalter sollten endlich aufhören, sich gegeneinander auszuspielen, und sich zusammensetzen, um zu retten, was noch zu retten ist."

Der Tross hat die Heinrich-Schütz-Straße erreicht. Die Polizei meldet bis auf zwei gezündete Nebelkerzen keine Vorkommnisse. Die Fans recken zum Schluss die Fäuste hoch: "Für Ehre, Treue, Leidenschaft - für Verein und Heimatstadt!"


Vorschläge für Mitglieder des künftigen Aufsichtsrats 

Der Ehrenrat des Chemnitzer FC hat seinen Vorschlag für die Besetzung des neuen Aufsichtsrats bekannt gegeben, der bei der Mitgliederversammlung am 19. August gewählt werden soll. Dabei handelt es sich um Katrin Johst, Geschäftsführerin der Lausitzringcatering GmbH, Wirtschaftsjurist Norman Löster, Wolfgang Meyer von der Bäckerei Meyer in Chemnitz, Gusstechnik Zwickau-Geschäftsführer Knut Müller, Olaf Pönisch, Geschäftsführer des Chemnitzer Sanitärinstallationsunternehmens Gottwald & Pönisch, sowie um Jürgen Thomas, Geschäftsführer des Bauhandelsunternehmens Fliesen Thomas in Burgstädt. Alle Kandidaten sind den Angaben nach seit der Zeit vor der Insolvenz Mitglieder des CFC. (fp)

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 4 Bewertungen
3Kommentare
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  • 5
    4
    DTRFC2005
    11.08.2019

    Ich bin so gar kein Fußball Fan, aber egal, es sollte doch bitte um den Sport an sich gehen und ich bin mir sicher das ein großer Teil dieser Fußballfans das ebenfalls so sieht. Ich bin mir auch sicher das ein großer Teil ihren Sport nicht als Politikum Werten und Extreme wie Hooligans usw. in ihrer Mitte gar nicht dulden würden. Von daher finde ich die Aktion gut.

  • 9
    5
    d0m1ng023
    11.08.2019

    Der Fanmarsch hat deutlich gezeigt, dass die Fans weiterhin 100%ig hinter dem Verein stehen. Und das trotz der vergangenen Wochen und der sportlich nicht all zu guten Leistungen. Beeidruckend war auch die Ansage vor dem Marsch, den Verein und dessen Fans mit positiven Bildern repräsentieren zu wollen. Die negativen Berichte der letzten Monate, v.a. auch über die Chemnitzer Fanszene steckt vielen immer noch in den Köpfen. Und deshalb war dieser Marsch auch ein klares Zeichen, dass wir zwar weiterhin unsere Meinung sagen, aber wir zu unrecht in ein so schlechtes Licht gerückt wurden.

    Vorallem waren auch sehr viele Kinder und Renter dabei, die ihren Spass hatten. Allerdings fand ich die vielen Einsatzkräft etwas übertrieben. Niemand von den Fans hat im vornherein mit Gewalt, Ausschreitungen oder sonstigen negativen Aktionen gedroht. Ganz im Gegenteil, es wurde sogar in den sozialen Medien zu einem friedlichen Marsch aufgerufen. Und trotzdem wurde das ganze von den Behörden als Sicherheitsrisiko angesehen. Da sieht man mal, dass der Verein und dessen Fans ihren Stempel haben und nicht mehr losbekommen.

    Ich glaub die Kamerateams dort waren etwas enttäuscht dass es so ruhig geblieben ist. Mit soviel positiven Vibes haben die sicher nicht gerechnet. Trotzdem hat das ganze wieder einen faden Beigeschmack, weil nur über die Schilder und Transparente berichtet wird... Wir sind alles mündige Leute und haben das Recht unsere persönliche Meinung zu sagen, aber dass das dann trotzdem wieder in den Medien thematisiert wird ist viel einseitig... Das Station war voll, die Stimmung war geil und die Mannschaft hat eine klasse Leistung gezeigt, für die sie auf jeden Fall Respekt verdient. Aber das interessiert ja leider nicht so sehr, wie die bösen, beleidigenden und hinterhältigen Schilder...

  • 13
    17
    thombo01
    11.08.2019

    Wenn die Fans zusammenhalten sind sie eine macht und können viel bewegen. Ein gutes Zeichen. Weiter so.



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