Hobby-Lokführer stellen Weichen für Digitalisierung

Bei einer Modelleisenbahnschau sind neben den Anlagen große Flachbildschirme zu sehen. Doch die moderne Technik kann für die Bastler Fluch und Segen zugleich sein.

Hartmannsdorf.

Im Schützenhaus präsentieren die Mitglieder des Modelleisenbahnclubs Göhrener Brücke derzeit acht private Eisenbahn- und eine Gemeinschaftsanlage. Moderne ICE rollen darauf aber nicht: Die Szenen zeigen nur Landschaften und Bahnhöfe aus DDR-Zeiten. Dem Fortschritt verweigern wollen sich die 30 bis 70 Jahre alten Tüftler dennoch ganz und gar nicht. Denn was für Laien nicht unbedingt zu erwarten ist: Einige der Bahnen lassen sich computergesteuert bedienen. So lässt Vereinsvorsitzender Frank Herrmann mit einer speziellen Software Loks anfahren, gibt Signale und stellt Weichen. Auf diese Weise lassen sich per Mausklick ganze Fahrpläne in Echtzeit programmieren - Zusammenstöße zweier Bahnen seien dank der Technik ausgeschlossen, sagt er. Mit einer Kamera können die ein- und ausfahrenden Züge am Bildschirm beobachtet werden.

Damit die Fernsteuerung funktioniert, müssen jede Lok, jede Weiche und jedes Signal mit einem eigenen kleinen Computer ausgestattet sein, verrät Herrmann. Das sei eine kostspielige Angelegenheit. "Meine Bahn hat etwa den Preis eines schönen Kleinwagens", schätzt der Tüftler. "Und bei den Modellbahnen gibt es nichts, das es nicht gibt", so Herrmann. Man müsse es sich nur leisten können.

Der Kostenfaktor sei auch einer der Gründe, warum es seinem Verein schwerfalle, Nachwuchs zu gewinnen. Eine Lok könne an die 400Euro kosten. "Und die Jugend interessiert sich eben doch mehr für Smartphones", so der 70-Jährige. Das derzeit jüngste Vereinsmitglied ist 30 Jahre alt. Dabei seien die Anlagen auch pädagogisch wertvoll, versichert Herrmann. Besonders die Gemeinschaftsbahn, die aktuell ebenfalls im Schützenhaus steht, ist im Maßstab 1:87 (HO) einer Szenerie aus DDR-Zeiten nachempfunden. Der Bahnhof erinnert an den früheren Keilbahnhof Nossen, per Drehscheibe können Fahrzeuge manövriert werden, auch eine Garagengemeinschaft samt Trabi ist in der Landschaft zu finden. Die Gesamtlänge der Schienen alleine dieser Anlage schätzen die Mitglieder, die seit zehn Jahren gemeinschaftlich daran bauen, auf 25 Meter.

Konkurrenz scheint man unter den Modellbahnern nicht zu kennen. Thomas Engel, Vorsitzender des Burgstädter Vereins, und seine fünfjährige Enkelin zählten am Samstag zu den ersten Gästen der Ausstellung im Schützenhaus des Nachbarortes. "Wir müssen zusammenhalten", so der 64-Jährige. Über fehlenden Nachwuchs könne er sich jedoch nicht beschweren, sagt Engel. Vier Kinder zählten zu den Mitgliedern des Burgstädter Vereins.

2021 feiern die Hartmannsdorfer Modelleisenbahner das 40-jährige Bestehen des Vereins. Zu dem Anlass ist eine größere Ausstellung geplant.

Geöffnet ist die Ausstellung im Schützenhaus Hartmannsdorf, Oststraße 16, noch am 22. und 23. Februar von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 3 Euro, für Kinder 1 Euro und für Familien 7 Euro.


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