Idee: Straßenbahn rollt über den Sonnenberg

Chemnitz diskutiert: Im Nahverkehrsplan ist der Bau einer Trasse im Stadtteil festgehalten. Doch gibt es schon eine konkrete Planung?

Sonnenberg.

Es war gegen Ende der Gesprächsrunde "Chemnitz diskutiert" der "Freien Presse" zum Thema Mobilität, als die Teilnehmer ihre Wünsche für den Nahverkehr äußerten. Bert Hippmann, der häufig mit Bus und Bahn in der Stadt unterwegs ist, sagte, dass er sich eine Straßenbahn, die "die Zietenstraße auf dem Sonnenberg hoch- und runterfährt", vorstellen könne. Die Zietenstraße verläuft quer durch den Stadtteil und ist stark befahren. Sie ist der kürzeste Weg zwischen dem Nordosten und dem Südosten von Chemnitz. In einigen Jahren, wenn der Südring fertig gebaut ist, soll er einen Großteil des Verkehrs, der über den Sonnenberg rollt, aufnehmen.

Aber warum sollte keine Straßenbahn über die steile Zietenstraße fahren? In San Francisco und in Lissabon erklimmen Straßenbahnen ähnliche Abschnitte. An ihrem südlichen Ende trifft die Zietenstraße auf die Augustusburger Straße. Dort verläuft die Straßenbahnlinie 5 von Hutholz nach Gablenz, sodass eine Anbindung an das Tramnetz vorhanden wäre. Doch dann wird es eng - im wahrsten Sinne. Denn die Zietenstraße ist "baulich bedingt relativ schmal", so die Stadtverwaltung. Dort noch Gleise, Haltestellen und Oberleitungen zu bauen, "stellt sich als schwierig dar, selbst wenn dort kein Kfz-Verkehr mehr fahren würde", sagt eine Stadtsprecherin.


Eine autofreie Zietenstraße kann sich René Bzdok, Stadtteilmanager des Sonnenbergs, gut vorstellen. "Der Schiene gehört die Zukunft", sagt er. Ziel müsse es sein, dass der Individualverkehr auf der Zietenstraße reduziert wird. "Der Verkehr dort ist hoch und belastend. Es geht zu wie auf einer Bundesstraße", sagt Bzdok, der selbst mehrere Jahre an der Zietenstraße wohnte. Gerade im Sommer sei es schwierig. "Fenster öffnen ist kaum möglich." Er wisse, dass der Verkehr auf der Zietenstraße viele davon abschrecke, in eine Wohnung dort zu ziehen. Natürlich, so Bzdok, bräuchte es vor allem für die vielen Lkw, die diese Strecke nutzen, eine Ausweichroute. "Eigentlich war dafür der Südverbund vorgesehen", sagt er. Es kann aber noch viele Jahre dauern, bis der fertig gestellt ist. Pläne der für die Projektierung zuständigen Firma sehen vor, dass der Weiterbau des Abschnittes von der Augustusburger Straße zur Frankenberger Straße/B 169 frühestens 2021 beginnen soll.

Dennoch, eine Straßenbahn auf dem Sonnenberg halte er für eine gute Idee, sagt Bzdok. Es sei ja auch noch gar nicht so lange her, dass Straßenbahnen über die heutige Heinrich-Schütz-Straße auf dem Sonnenberg gefahren sind, sagt er.

Die Stadtverwaltung winkt dagegen ab. Wegen der starken, sechsprozentigen Neigung zwischen Augustusburger Straße und Fürstenstraße eigne sich die Zietenstraße nicht für einen Straßenbahnverkehr, so die Sprecherin. Zum Beispiel könnten auf dem Teilstück keine barrierefreien Haltestellen errichtet werden.

Zwar ist im Nahverkehrsplan 2030 ein Untersuchungsgebiet für die Straßenbahn auf dem Sonnenberg in den Bereichen Lessingplatz/ Fürstenstraße festgeschrieben, mit dem Ziel, den dicht besiedelten Stadtteil mit der Tram besser zu erschließen. Aber es sei "noch nicht konkret geprüft worden", ob eine Straßenbahn über den Sonnenberg fahren könnte, so die Sprecherin. Auch das städtische Nahverkehrsunternehmen CVAG betont, dass mit dem Vermerk im Nahverkehrsplan kein genauer Umsetzungstermin verbunden sei. Andererseits könne in Gebieten mit viel Wohnbebauung, mit Schulen, Gewerbestandorten und Einkaufszentren die Entwicklung einer Straßenbahntrasse "sinnvoll sein", sagt CVAG-Sprecher Stefan Tschök. Allerdings sei es in dicht bebauten Gebieten naturgemäß kompliziert, Planung und Bau einer Straßenbahnlinie mit ihren Nebenanlagen umzusetzen. Es sei davon auszugehen, dass für solch ein Vorhaben, das viel Raum benötige und bei dem es viele Betroffene gebe, ein Planfeststellungsverfahren notwendig wird, so Tschök. Solche Verfahren gelten als sehr langwierig.

Ohne den Autoverkehr auf der Zietenstraße zu reduzieren, sei eine Straßenbahntrasse dort kaum möglich, sagt Nino Micklich vom Projekt Marx-Mobil. Dessen Teilnehmer kümmern sich um nachhaltige Mobilität auf dem Sonnenberg. Vielleicht könne man die Zietenstraße als Einbahnstraße ausweisen, sagt Micklich, der ebenfalls Teilnehmer der Gesprächsrunde "Chemnitz diskutiert" gewesen ist. Auch er beklagt den starken Verkehr auf der Zietenstraße. Das Höchsttempo 30 werde so gut wie nicht eingehalten, so Micklich. Besonders für den steilen Teil der Zietenstraße könne er sich auch eine andere Lösung vorstellen, um Passagiere, Kinder- und Handwagen sowie Fahrräder zu befördern. "Man könnte einen Seilzug oder eine Plattform wie eine Draisine nutzen", sagt er. Für die gesamte Stadt sieht er es als dringend nötig an, das Straßenbahnnetz zu vergrößern. "Wir brauchen Alternativen zum Auto." Doch Micklich beklagt, "dass sich niemand traut, das anzusprechen und anzupacken".

Bewertung des Artikels: Ø 4.2 Sterne bei 5 Bewertungen
3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 14
    2
    Kreisimaus
    09.08.2019

    Wie wäre denn für die neue Tram die Fürstenstraße bis ins Yorkgebiet geeignet
    .... Die Straße ist nicht so steil und viel breiter. An der Strecke liegen 3 weiterführende SSchulen, Einzelhandel und große Wohngebiete... Eine Tram Trasse muss nicht im extra Bett verlegt werden. Sowas ist der Tramstadt Dresden Gang und gebe. Wichtig ist, das an den Haltestellen der Individualverkehr gestoppt wird wenn eine Bahn hält. Nur so lässt sich die Attraktivität des ÖPNV steigern. Solche breiten Trassen wie auf der Annaberger Straße sind aus der Zeit und auch nicht schön. An Bahntrassen kann man auch über generell Tempo 30 nachdenken. Ich bin selber stolzer Autofahrer. Ich sehe aber auch den Zwang umzudenken. Gerade im Citybereich.

  • 11
    5
    Urlaub2020
    09.08.2019

    Die CVAG schafft es nicht mal auf den üblichen Routen alles Abzudecken. Also erst einmal die Baustellen beheben ehe man weiter Träumt.

  • 13
    2
    sunhiller
    09.08.2019

    "Natürlich, so Bzdok, bräuchte es vor allem für die vielen Lkw, die diese Strecke nutzen, eine Ausweichroute."

    Als Stadtteilmanager sollte Herr Bzdok wissen, dass dort LKW Fahrverbot herrscht. In beide Richtungen!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...