Immer mehr Schulen fordern einen Sozialarbeiter

Der Jugendhilfeausschuss des Kreistages hat eine neue Konzeption verabschiedet. Sie besagt, dass manche Bildungs- einrichtung ihre Fachkraft verlieren könnte.

Zwickau/Limbach-O..

99 Schulen im Landkreis Zwickau haben für Schuljahresbeginn 2020 Bedarf an einem Schulsozialarbeiter angemeldet - laut Marion Käßner, Jugendamtsleiterin des Landkreises, 26 mehr als noch 2017. Schon jetzt sind etliche Schulen wegen des beschränkt zur Verfügung stehenden Geldes vom Freistaat leer ausgegangen. Im nächsten Jahr werden es noch mehr sein.

Da nicht genügend Geld vorhanden ist, hat der Landkreis im Rahmen einer überarbeiteten Gesamtkonzeption, die der Jugendhilfeausschuss des Kreistages verabschiedet hat, eine neue Prioritätenliste erstellt. Gewichtet wurde unter anderem nach der Schulart, der Anzahl von Sitzenbleibern, Migranten, Schülern mit Förderbedarf sowie Klassenstärken. Glücklich schätzen können sich weiterhin alle staatlichen Oberschulen. Die Finanzierung ist für sie ohnehin per Gesetz gesichert. Für die anderen Schulen kommt es darauf an, wo genau auf der Prioritätenliste sie eingestuft wurden. "Es wird neue Standorte geben, bei anderen wird die Finanzierung wegfallen", so Käßner.


Limbach-Oberfrohna gilt bei der Schulsozialarbeit als Vorreiter. Die Aufgabe wurde zunächst in mehreren Einrichtungen von Mitarbeitern der Stadtverwaltung übernommen. Doch das hat sich geändert. Wie der Sozialarbeiter Heiko Schönherr erklärt, wird die Schulsozialarbeit an Oberschulen seit 2014 und seit 2015 an den Grundschulen, beginnend mit der Goethe-Grundschule, angeboten. Wie er weiter sagt, wurde das zunächst über den städtischen Haushalt bezahlt, später gab es eine Zusammenarbeit mit der Stadtmission Chemnitz. Jetzt wird die Schulsozialarbeit vom Freistaat Sachsen über den Landkreis finanziert, der Träger der freien Jugendhilfe damit beauftragt hat. Die Grundschulen in Limbach-Oberfrohna werden durch die Gemeinnützige Bildungsgesellschaft Oberlungwitz und die Oberschulen weiterhin durch die Stadtmission betreut. Auf Nachfrage von Jugendhilfeausschussmitglied Ute Brückner (Die Linke) wurde klar, dass sich ein erfolgreicher Schulsozialarbeiter auch selbst abschaffen kann. Behebt er viele Probleme, sinkt der Bedarf und die Schule könnte in der Liste nach hinten rutschen. Landrat Christoph Scheurer (CDU) erklärte zwar, dass auch das soziale Umfeld eine Rolle spiele. Er fände es aber toll, wenn ein hervorragend arbeitender Sozialpädagoge es schafft, den Bedarf herabzusetzen.

Wer in den Genuss einer Förderung ab 2020 kommt, wagte Sozialdezernent Frank Schubert noch nicht zu sagen. Erst im Herbst stehe fest, wie viel Geld zur Verfügung steht. Zwar wisse man aus dem Doppelhaushalt des Freistaates, wie viel Geld vorerst zur Verfügung steht, Änderungen seien aber nicht ausgeschlossen. Im laufenden Jahr wurden so neben den ohnehin bezuschussten Oberschulen 49 allgemeinbildende Schulen finanziert. Bliebe die Anzahl auch in Zukunft gleich, würde die Schule in Pleißa gerade noch in die Finanzierung hineinrutschen. Alle fünf Jahre soll der Bedarf nun neu eingeschätzt werden. Ein Zeitraum, der Ausschussmitglied Barbara Müller (Die Linke) nicht schmeckt. Sie will abwarten, ob die Praxis diese Dauer zulässt. In Richtung der Landtagsabgeordneten Kerstin Nicolaus (CDU) fragte Müller: "Wäre es nicht sinnvoll, Schulsozialarbeit auf alle Schulen auszuweiten?" Nicolaus bestritt das nicht. Mit den Oberschulen habe man erst einmal einen Anfang machen wollen.

Landrat Scheurer dämpfte Erwartungen auf eine Ausweitung des Programms: "Ich gehe nicht davon aus, dass die Novelle in den nächsten Jahren noch einmal angefasst wird", sagte er. Sehr lange sei daran gearbeitet worden, und Geld stehe nur begrenzt zur Verfügung. Angesichts der Kritik von Elisabeth Rips-Plath (CDU), dass freie Oberschulen nicht ebenso automatisch wie staatliche einen Sozialarbeiter bekommen, hob Scheurer die Hände: Das Geld, das der Freistaat zur Verfügung stellt, könne er nicht einfach so umverteilen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...