In Apotheken werden Desinfektionsmittel knapp

Die Nachfrage nach schützenden Mitteln übersteigt inzwischen die Kapazitäten der Hersteller. Ein Chemnitzer Apotheker warnt vor Hamsterkäufen.

Nach vermehrtem Auftreten von Fällen des Coronavirus in Europa decken sich viele Chemnitzer mit Desinfektionsmitteln ein. Die Bestände in einigen Apotheken sind erschöpft, der Grund: Die Großhändler können nicht liefern. Die Nachfrage in seiner Apotheke sei gewachsen, seit in Italien vor zwei Wochen die Anzahl der Coronavirus-Fälle anstieg, so der Inhaber der Falken-Apotheke in Ebersdorf, Gregor Wendler. Er verkaufe in der Regel circa 15 Flaschen Desinfektionsmittel in drei Monaten, jetzt gehe diese Anzahl pro Tag weg. Durch Glück erhielt Gregor Wendler eine kleine Lieferung Desinfektionsmittel. Er geht aber davon aus, dass diese relativ schnell ausverkauft sein wird. "Die Unternehmen produzieren zwar, die Menge entspricht aber nicht der Nachfrage", bestätigte ein Sprecher des Pharmagroßhändlers Phoenix.

"Desinfektionsmittel werden von uns Apothekern eher selten bestellt, deshalb haben die Händler keinen großen Grundvorrat", sagt Wendler. Aus mehreren Chemnitzer Apotheken war zu hören, dass eine Bestellung von Desinfektionsmitteln kaum mehr möglich sei. "Seit Anfang vergangener Woche sind Handdesinfektionsmittel bei uns ausverkauft", teilte Daniela Schreiter, Pharmazeutisch-Technische Assistentin in der Zentral-Apotheke, mit. Einige Apotheken in der Innenstadt weisen mit Schildern in der Vitrine darauf hin, dass Mundschutze und Desinfektionsmittel nicht mehr erhältlich sind.

Für Wendler ist dieser Zustand jedoch nur vorübergehend. "Ich schätze, dass sich die Lage in ein paar Wochen wieder entspannt", so der Apothekeninhaber. Als Grund nennt er, dass die Herstellung von Desinfektionsmitteln relativ einfach sei und nicht viel Zeit benötige.

Es gebe jedoch Unterschiede: "Mittel mit der Aufschrift ,begrenzt viruzid' töten nach aktuellem Stand Coronaviren ab", erklärt der Apotheker. Auf Nachfrage bestätigte er, dass es dabei egal sei, ob Artikel mit dieser Aufschrift aus der Drogerie oder der Apotheke stammen. Desinfektionsmittel gegen Bakterien seien gegen Coronaviren hingegen zwecklos. "Zuhause reicht es vollkommen, sich die Hände zu waschen", fügt er hinzu. Nur unterwegs sei es sinnvoll, eine kleine Flasche Desinfektionsmittel dabeizuhaben. Wendler sieht Hamsterkäufe kritisch: "Was Privatleute als Vorräte anlegen, fehlt in Krankenhäusern und Pflegeheimen." Auch sie beziehen ihre Mittel über Großlieferanten.


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17Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    gelöschter Nutzer
    07.03.2020

    Wenn sie witzige wären, würde das schon helfen. :-)

  • 3
    5
    Distelblüte
    06.03.2020

    @HHCL: Sorry. Ich werde demnächst einen Witz als solchen deutlicher machen.

  • 5
    0
    Nixnuzz
    06.03.2020

    Schätze jeder geneigte Leser wird in gutbestückten Getränkeabteilungen auch min. 1 Produkt mit 80 Umdrehungen finden. Zu schwach verdünnt hat es auch umwerfende Wirkung...Selbsttest...

  • 3
    0
    gelöschter Nutzer
    06.03.2020

    @Distelblüte: Wenn Sie das wissen, warum geben Sie hier dann solche "Tipps"?

  • 6
    0
    OlafF
    05.03.2020

    Also wenn morgen alle vom "Bergmannsfusel" verkatert mit Taucherbrille und Schnorchel in den ÖPNV-Mitteln sitzen wirds ernst ?

  • 2
    6
    Distelblüte
    05.03.2020

    @HHCL: Ich weiß... Ich trinke den Whiskey auch lieber.

  • 2
    0
    gelöschter Nutzer
    05.03.2020

    Auf jeden Fall deutlich mehr als 40%. In Desinfektionsmitteln ist der Alkoholgehalt meist über 80%. (Aufgrund der Mischungsverhältnisse mit anderen Wirkstoffen unterschiedlich. Ob das Coronavirus überhaupt auf "normalen" Alkohol reagiert, kann ich nicht sagen.)

  • 3
    0
    Nixnuzz
    05.03.2020

    @HHCL: Und ab welchem Reinheits-Gehalt geben die Viren/Bazillen auf? Wann knackt die Hülle?

  • 4
    0
    gelöschter Nutzer
    05.03.2020

    Ist leider auch wieder falsch, da Whisky, üblicherweise mit einem Alkoholgehalt zwischen 40% und 60% (die Supermarktvarianten allesamt um die 40%) viel zu wenig Alkohol enthält um wirksam zu desinfizieren. Bei Wodka besteht das gleiche Problem.

  • 2
    5
    Distelblüte
    05.03.2020

    @Nixnuzz: Stimmt - man könnte das Wasser des Lebens (sprich Whiskey) oder das Wässerchen (Wodka) auch äußerlich einsetzen.

  • 5
    0
    Nixnuzz
    05.03.2020

    @Distelblüte: Hr. Spahn war so nett, mitzuteilen, das das Co-Virus sensibel auf Alkohol reagiert und den Apotheken geraten, entsprechende Desinfektionsmittel mit Industriealkohol herzustellen. Er hat zwar keine untere Wirkkonzentration erwähnt aber was bietet die heimische Reagenzien-Sammlung auch aus dem Nahrungsmittlelbereich an?....Ein guter Weinprüfer gießt sich auch nicht alles hinter das Zungenbein...

  • 4
    0
    gelöschter Nutzer
    04.03.2020

    @Distelblüte: Ich gebe Ihnen ja recht, dass es unsinnig und im Grunde auch rücksichtslos ist, wenn Privatpersonen Desinfektionsmittel horten. Nur: So ist das immer in solchen Zeiten und das man so etwas einplant gehört zu einer guten Krisenvorbereitung, insbesondere dann, wenn man das Elend wochenlang kommen sieht. Da hatte man aber nichts besseres zu tun als dem Chinesen kritisch auf die Finger zu gucken, statt die eigenen Hausaufgaben zu erledigen.

    Die pauschale Aussage, dass handelsübliche Desinfektionsmittel ausschließlich gegen Bakterien wirken, ist so nicht richtig. Es gibt zahlreiche handelsübliche Mittel, die auch gegen Viren wirken (oder zumindest gegen bestimmte).

  • 1
    6
    Distelblüte
    04.03.2020

    Die handelsüblichen Desinfektionsmittel wirken übrigens antibakteriell, also gegen Bakterien, und nicht antiviral. Man muss sich also keinen lebenslangen Vorrat davon anlegen.

  • 5
    3
    ralf66
    04.03.2020

    Interessant ist das Desinfektionsmittel im Internet bei einigen Händlern zu Wucherpreisen verkauft werden, dass ist die größte Frechheit Lieferschwierigkeiten auszunutzen.

    @AliceAndreas, dass eine ich denke nur vorübergehende Knappheit der Desinfektionsmittel eintreten kann ist eigentlich logisch.
    Die Produktion dieser Artikel ist ja auf eine gewisse bis jetzt kleiner gewesene Abnahme ausgerichtet gewesen, steigt diese Abnahme plötzlich stark an, muss man sich darauf erst einmal, wenn es die produktionstechnischen und personellen Kapazitäten überhaupt zulassen neu einrichten um mehr Produkte herstellen zu können, die dann wieder dem Handel zu Verfügung stehen. Außerdem Großlager, Lager und Geschäfte/Apotheken bunkern ja niemals überdurchschnittlich hohe Mengen an Waren, die nur rumstehen würden und nicht verkauft werden könnten.

  • 5
    3
    Distelblüte
    04.03.2020

    "Was Privatleute als Vorräte anlegen, fehlt in Krankenhäusern und Pflegeheimen."
    Das ist der entscheidende Satz.
    Im Bestreben, dass sich jeder selbst der Nächste ist, wird rücksichtslos vorgegangen.
    Der Lack der Zivilisation ist echt dünn.

  • 4
    4
    AliceAndreas
    04.03.2020

    Da hört man vom Gesundheitsminister wochenlang ... uns kann nichts passieren, Deutschland ist vorbereitet!

    Jetzt gibt es keine Masken mehr und kein Desinfektionsmittel - ich würde mal sagen, wenn uns wirklich mal etwas richtiges erwischen sollte, haben wir verloren!!!

  • 9
    4
    gelöschter Nutzer
    03.03.2020

    Irgendwie scheint "wird knapp" und "ist nicht verfügbar" in den Medien ein Synonym zu sein. Das "wird knapp" nicht die Realität beschreibt, kann jeder in Apotheken und Drogeriemärkten durch einen einfachen Blick in die leeren Regale nachprüfen. Ich frage mich daher, warum man überall auf die Sprachregelung "wird knapp" stößt.