In Hilbersdorf reifen mehr als 80 Apfelsorten

Naturschützer haben eine neue Streuobstwiese angelegt, auf der gut 150 Bäume wachsen. Jäger hatten einen Tipp, wie sie vor gefräßigen Tieren geschützt werden können.

Hilbersdorf.

Sie haben klingende Namen und sollen in einigen Jahren leckere Früchte tragen - Bäume mit seltenen Apfelsorten wie Edler von Leipzig, Königlicher Kurzstiel, Gelbe Sächsische Renette oder Burgstädter Renette. Um diese alten Sorten zu erhalten, hat der Regionalverband Erzgebirge des Naturschutzbundes (Nabu) in Hilbersdorf eine 1,8 Hektar große Streuobstwiese - das sind rund zweieinhalb Fußballfelder - angelegt. Dort, wo noch vergangenen Winter Brachland war, wachsen seit dem Frühjahr 150 Apfelbäume. Aus drei Baumschulen bezogen die Naturschützer insgesamt 82 verschiedene und für die Region typische Sorten, erzählt Lutz Röder, Leiter der Nabu-Geschäftsstelle in Chemnitz.

Die Idee für das Anlegen der Wiese hatte Reiner Amme vom BUND, sagt Lutz Röder. Er ist froh, diese Fläche nutzen zu können. Eigentlich sollten dort Kleingärten entstehen. Doch dafür bestand kein Bedarf mehr und so wurde der Bebauungsplan aufgehoben. "Es ist sehr selten, dass man auf solche Flächen Zugriff bekommt, noch dazu in der Stadt", freut sich der Geschäftsstellenleiter über die Möglichkeit, unweit der Bundesstraßen 169 und 173 eine Streuobstwiese anzubauen.

Rehen und Wildschweinen zu schützen, wurde um jeden Baum ein Zaun gebaut und zusätzlich ein im Wind flatterndes Absperrband angebracht. Diesen Tipp habe er von einem Jäger erhalten, sagt Lutz Röder. "Die Bewegung des Bandes stört die Tiere." Doch obwohl schon jetzt an den Ästen erste Apfel hängen, benötigen die Umweltschützer einen langen Atem.

Bis die Bäume zum ersten Mal richtig geerntet werden können, werden zehn Jahre vergehen, sagt Lutz Röder. Jahre, in denen die Gewächse gut gepflegt werden müssen. Dazu gehört in erster Linie der regelmäßige Schnitt der Äste zwischen Herbst und Frühjahr. "Das ist nötig, damit die Bäume gut wachsen", so Röder. Zudem müssen die Mitarbeiter des Nabu, der die Pflege der Streuobstwiese übernommen hat, schauen, ob die Bäume genügend Wasser bekommen. Zweimal jährlich muss zudem die Wiese gemäht werden. Bisher hat alles gut geklappt. "Die Bäume sind sehr gut angewachsen, keiner ist eingegangen", zieht Lutz Röder eine erste Bilanz.

Doch neben der Sortenvielfalt will der Nabu mit der Streuobstwiese auch für Artenvielfalt sorgen. Denn ein solches Biotop aus Apfelbäumen und Wiese ist auch ein Lebensraum für viele Tiere. So können in den Stämmen später Höhlenbrüter wie Grünspechte und Steinkauze ein Zuhause finden, sagt Lutz Röder. Insekten gefällt es besonders gut im Gras auf der Wiese, das Totholz der Bäume ist bei Spechten beliebt, so der Naturschützer. Und er hat auch schon eine Vision für die Wiese am Stadtrand: "Wenn die Bäume alle einmal eine richtige Krone haben, dann wird das hier eine Oase." Und die hat auch noch Erweiterungspotenzial. An die Grünfläche schließt sich ein weiterer Hektar Brachland an, der laut Röder ebenfalls noch nutzbar gemacht werden kann, um etwa für Ersatzpflanzungen, die bei großen Bauvorhaben und der Versiegelung von Flächen notwendig werden, zur Verfügung zu stehen.

Erfahrung mit Streuobstwiesen hat der Nabu bereits. Derzeit bewirtschaftet er in Chemnitz und dem Umland elf solcher Grünflächen auf einer Gesamtfläche von zehn Hektar. Auf Naturmärkten werden die Früchte der Wiesen in flüssiger Form angeboten, zum Beispiel beim Naturmarkt im Wasserschloß Klaffenbach am 2. Oktober. "Wir bieten frisch gepressten Apfelsaft an", sagt Lutz Röder. Obwohl er während der Saison ein bis zwei Äpfel täglich isst, sind ihm die Früchte zu Saft verarbeitet am liebsten. "Frisch gepresst, schmecken sie am besten."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...