In Kutte und mit Sense: Der Tod zu Gast im Museum

Eigentlich tritt die Kunstfigur "Der Tod" nur auf der Bühne auf. Am Samstag machte er eine Ausnahme und schaute sich eine thematisch passende Ausstellung in Chemnitz an.

Mit einer langen schwarzen Kutte, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und in der Hand eine Sense, steht der Tod höchstpersönlich in der 4. Etage des Museums für Archäologie am Stefan-Heym-Platz und wartet auf seinen Rundgang mit Museumsdirektorin Sabine Wolfram. Abgesehen von seinem düsteren Erscheinungsbild und der allgegenwärtigen Abneigung gegenüber diesem Thema, ist der Komiker mit seiner zarten Stimme und dem schüchternen Auftreten beinahe sympathisch: "Die Menschen haben vor allem Angst, was sie nicht kennen", sagt der Mann, dessen bürgerlichen Namen die Öffentlichkeit nicht kennt. Vor sieben Jahren begann er mit seinen Auftritten. Es gebe viele Berührungsängste bei diesem Thema, erklärt er seine Motivation. Aber wenn man sehe, "dass ich ein ganz lustiger Typ bin, fällt es den Leuten vielleicht leichter, mich als Teil des Lebens zu akzeptieren."

Sich der Thematik des Sterbens, des Abschiednehmens zu öffnen und verschiedene Todesrituale unterschiedlicher Zeitepochen darzustellen, war auch einer der Gründe für die Ausstellung "Tod und Ritual": Man zeige die Funde des Gräberfeldes von Niederkaina in Sachsen, so Direktorin Sabine Wolfram und ergänzt: "Wir leben zwar in einer immer älter werdenden Gesellschaft, dennoch wird das Thema verdrängt, anstatt offen damit umzugehen".

Um dem Besucher zu helfen, sich über seine eigenen Vorstellungen und Gedanken über den Tod klar zu werden, stehen auf dem Museumsboden Fragen wie zum Beispiel im Bereich Abschied nehmen: "Im engen Familienkreis oder unter großer Anteilnahme?" Der Kuttenmann sagte, er finde es gut, dass dazu angeregt wird, bereits zu Lebzeiten darüber nachzudenken, wie man einmal verabschiedet werden will: "Die Hälfte der Menschen stirbt, ohne Regelungen für die eigene Beerdigung oder Beisetzung getroffen zu haben. Das müssen dann die Angehörigen entscheiden".

Um Lockerheit in diese für die meisten beängstigenden Gedanken zu bringen, kann man im letzten Raum der Ausstellung mit Buntstiften seine Vorstellungen wie seine Musikwünsche zur eigenen Beerdigung an die Wand schreiben. Besucher Kirsten Flink am Samstag: "Amüsant, dass der Tod heute selbst hier herumläuft."

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