Inder geschlagen und getreten

Erst verletzte ein junger Mann einen Asylbewerber, dann präsentierte er der Polizei eine Lügengeschichte. Jetzt ist der Limbach-Oberfrohnaer verurteilt worden.

Limbach-O./Hohenstein-E..

"Jo, wir gehen jetzt Ausländer klatschen!" Diesen Satz soll nach Erkenntnissen der Justiz im Sommer vergangenen Jahres ein inzwischen 20-jähriger Limbach-Oberfrohnaer geäußert haben. Wenig später setzte er sein Vorhaben in die Tat um und griff einen Inder an. Wegen gefährlicher Körperverletzung ist der junge Mann vom Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Hohenstein-Ernstthal zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat in ihrer Anklage den Vorfall rekonstruiert. Wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilt, war der 20-Jährige am 21. August 2017 abends mit zwei Begleitern auf der Straße des Friedens in Limbach-Oberfrohna unterwegs. Als ihnen ein indischer Asylbewerber begegnete, sprach diesen der Verurteilte an. Unvermittelt zog sich der Limbach-Oberfrohnaer schwarze Handschuhe an und schlug mit den Fäusten in die Richtung des Inders. Dieser konnte jedoch ausweichen und weglaufen.

Die drei Einheimischen nahmen die Verfolgung auf. Der 20-Jährige holte den Flüchtenden als Erster ein und versetzte ihm einen Stoß in den Rücken. Der Asylbewerber kam dadurch zu Fall und zog sich Schürfwunden zu. Als der Inder wehrlos am Boden lag, schlug ihn der Limbach-Oberfrohnaer mehrmals mit der Faust und trat ihn mit dem Fuß. Das Opfer erlitt mehrere Prellungen und Blutergüsse am Oberkörper. Die beiden Begleiter des 20-Jährigen beteiligten sich nicht an der Körperverletzung, beleidigten den Inder aber mit ausländerfeindlichen Parolen.

Der Asylbewerber flüchtete anschließend in Richtung Albertstraße, wo er zufällig auf einen Streifenwagen der Polizei traf. Als die Beamten das einheimische Trio stellten und befragten, behauptete der 20-Jährige, seine Freundin sei durch den Inder zuvor sexuell belästigt worden. Dabei handelte es sich laut Staatsanwaltschaft um eine Lüge.

Zunächst war auch gegen die beiden Begleiter des jungen Mannes ermittelt worden. Die Verfahren wurden jedoch eingestellt, da eine Strafe wegen des Vorfalls im Vergleich kaum ins Gewicht gefallen wäre. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind beide Betroffene wegen anderer Vergehen ebenfalls zu Freiheitsstrafen verurteilt worden - der eine wegen gefährlicher Körperverletzung und Raub, der andere wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Das fremdenfeindliche Delikt vor knapp einem Jahr wird auch im sächsischen Verfassungsschutzbericht 2017 erwähnt. Den Berichten der vergangenen Jahre ist jedoch zu entnehmen, dass Rechtsextremisten in Limbach-Oberfrohna tendenziell auf dem Rückzug sind. Mehrere Gruppierungen haben demnach ihre Aktivitäten eingestellt.

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