Inder und Chinesen zieht es an die TU

Ein Fünftel der Frauen und Männer, für die gestern mit der Immatrikulationsfeier das Studium an der Chemnitzer Uni begann, stammt aus dem Ausland, viele davon aus Asien. Sie kommen nicht nur wegen des Studienangebots nach Sachsen.

Als Long Chen sein Bachelorstudium beendet hatte, fasste er einen Entschluss. "Ich wollte ins Ausland, um neue Kulturen kennenzulernen", sagt der 26-Jährige aus der nordostchinesischen Millionenstadt Harbin. Seine Wahl fiel auf Deutschland. "Das Land hat einen guten Ruf was technische Berufe und Studiengänge betrifft", erklärt er. Seit wenigen Tagen wohnt der junge Chinese nun in Chemnitz, in Kürze beginnt er ein Masterstudium an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Universität.

Damit ist er in guter Gesellschaft. Jeder Fünfte, der rund 2000 Frauen und Männer, die sich in diesem Semester neu an der TU eingeschrieben haben, stammt aus dem Ausland. Der Rektor Gerd Strohmeier bezeichnete die Uni bei der Immatrikulationsfeier mit rund 2500 Gästen gestern Abend als "die wahrscheinlich internationalste in Sachsen". Tatsächlich waren Ende 2015 - aktuellere Zahlen liegen nicht vor - 20 Prozent der 11.900 an der TU eingeschriebenen Männer und Frauen nicht aus Deutschland. Sie stammten aus insgesamt 92 Staaten, die meisten aus Indien (806) und China (714), gefolgt von Pakistan (117). Strohmeier führt das anhaltende Interesse von jungen Menschen aus aller Welt an der TU auf das "attraktive Studienangebot" zurück.


Ankit Sheladjya bestätigt das. Der 23-Jährige aus dem westindischen Surat hat Automobiltechnik im Bachelor studiert. Deutschland habe auf diesem Gebiet einen sehr guten Ruf, die Automarken des Landes seien weltbekannt. Sein Heimatland importiere viele Maschinen und Autos aus Deutschland. "Besser wäre aber, wir lernen, diese selbst herzustellen", sagt Sheladjya. Als er sich nach einem Platz für ein Masterstudium in Deutschland umgeschaut habe, habe das Kursprogramm der TU Chemnitz am besten zu seinen Wünschen gepasst, so der Inder. Für ihn und Long Chen aus China gab es noch einen weiteren Grund, nach Sachsen zu gehen. "Es ist hier nicht so teuer wie in anderen deutschen Großstädten", sagt Sheladjya. Long Chen ergänzt: "In München könnte ich die Miete nicht bezahlen."

Dass es vor allem junge Frauen und Männer aus den beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Welt nach Chemnitz zieht, hat noch weitere Ursachen. Die TU kooperiert mit dem Studienkolleg Glauchau, das Chinesen - fachlich und sprachlich - auf ein Studium in Deutschland vorbereitet. Von dort, berichtet ein TU-Sprecher, kämen viele Studenten direkt nach Chemnitz.

Darüber hinaus gebe es Partnerschaften mit 13 Universitäten in China und vier in Indien. Über diese würden Chinesen und Inder nach Chemnitz und Chemnitzer nach China und Indien vermittelt. So wie Yiying Wu. Sie studiert in Peking Germanistik. Über ein Austauschprogramm hatte sie die Chance, für ein Semester nach Deutschland zu gehen - und die Wahl zwischen Stuttgart und Chemnitz. Sie entschied sich für Sachsen. Seit einer Woche ist sie in der Stadt. Ihr erster Eindruck: "Es ist sehr ruhig hier."


Feier im CFC-Stadion

Die Immatrikulationsfeier gestern Nachmittag, zu der sowohl neu immatrikulierte als auch schon länger eingeschriebene und ehemalige Studenten sowie Mitarbeiter eingeladen waren, fand erstmals im Stadion an der Gellertstraße statt. Grund dafür war nach Angaben der TU, dass man im bisherigen Domizil, der Stadthalle, an Kapazitätsgrenzen gestoßen sei.

Rund 2000 Frauen und Männer haben sich für ein Studium an der TU Chemnitz entschieden, davon rund 400 aus dem Ausland. Sie konnten aus 100 Studiengängen wählen, darunter 40 Bachelor-, 58 Masterstudiengänge und zwei Angebote am Zentrum für Lehrerbildung. Die meisten von ihnen sind zulassungsfrei. Da weiterhin Einschreibungen möglich sind, könnte die Zahl der Neu-Immatrikulierten weiter steigen.

Insgesamt lernen in diesem Semester wie im vergangenen Jahr zwischen 11.000 und 12.000 Studenten an der TU. 2015 lag der Frauenanteil bei rund 43 Prozent. Fast jeder Fünfte der Studierenden (2187) lernt an der Philosophischen Fakultät, gefolgt von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften (2020) und der für Maschinenbau (1832).

Jeder Fünfte der an der TU eingeschriebenen Studenten stammte 2015 nicht aus Deutschland, sondern aus einem von 92 Staaten. Die meisten kamen aus Indien (806) und China (714) gefolgt von Pakistan (117).

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