Insel auf der Landkarte des Glücks

Das Fuego à la Isla wird erwachsen und zu einem festen Termin im Festivalkalender - nicht nur wegen des besonderen Flairs am Schloßteich.

Der Schloßteich ist auch ohne Festival schon ein Schatz in Chemnitz. Natürliche Oase am Rande des Stadtzentrums, Naherholungsgebiet für Jung und Alt, für Familien, Laufstrecke, Freizeitparadies. Mit dem Festival Fuego à la Isla auf der Schloßteichinsel aber ist das kleine Meer von Chemnitz um eine beneidenswerte Attraktion reicher geworden.

Zum 13. Mal fand es zu Pfingsten statt. Kurz nach der Eröffnung strömten Hunderte auf die stimmungs- und fantasievoll dekorierte Insel, erkundeten das Angebot auf und zwischen den fünf Bühnen. Das Areal wurde zu einem Spielplatz der Kleinkunst mit dem großen Herzen. Das kleinste Kino der Welt lockte ebenso wie einige Artisten, die jonglierten, balancierten, Räder schlugen. Vegane und vegetarische Leckereien, Kuchen, ein Stand, an dem man kostenlos Lebensmittel teilen konnte - sich gegenseitig Gutes tun, ist ein Motto des Festivals. Für Kinder, aber auch Erwachsene gab es zahllose Möglichkeiten zu spielen, zu malen, zu gestalten, aber es fanden sich auch eine Bank oder ein ruhiger Platz auf der Wiese, von dem aus man das bunte Treiben beobachten konnte.


Das Festival schaffte vor allem Möglichkeiten der Begegnung - und sie wurden reichlich genutzt. Hier trafen sich viele Menschen, die selbst Chemnitz auf die eine oder andere Art kulturell und politisch mit prägen - mit Veranstaltungen, mit Diskussionsrunden, Initiativen wie den Chemnitzer Gesprächen; das Kosmonaut-Festival hatte einen Stand, Aktivistinnen von Viva Con Agua, einer Initiative, die sich für den weltweit freien Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt.

Musik gab es natürlich auch - nicht zu wenig und in vielen Spielarten. An manchen Orten auf der Insel hörte man die Klänge von drei Bühnen gleichzeitig - Elektronisches, Rap, Rock. Eine Kakofonie von Tönen, die sich erst klärte, wenn man sich den einzelnen Bühnen näherte. Zu Flonske zum Beispiel, einer Mischung aus Folkrock und Hip Hop, Alltagspoesie und Melancholie. Oder Passepartout, einer jungen deutsch-französischen Band aus Hannover, die Soul, Funk, Ska, Hip Hop, Rhythm and Blues so unterhaltsam und mitreißend mixt, dass das Publikum auf der Insel fast eine ganze Stunde lang mittanzte. Bei Rainer von Vielen wurde auch mitgesungen. Die Band aus dem Allgäu um Rainer Hartmann hat das Chemnitzer Festival mit wachsen sehen. Zum dritten Mal waren sie zu Gast und forderten immer noch "Empört Euch, denn diese Welt, sie gehört Euch", und sie sangen auch "Tanz deine Revolution".

Das wurde auf dem Fuego à la Isla ausgiebig getan, und besonders schön sah es aus, als nachts die ganze Insel in buntes Licht getaucht war, es aus den Bäumen rot, gelb, blau funkelte und man fast nur in frohe Gesichter sah. So ähnlich wird sich das auch Architekt Rudolf Weiser vorgestellt haben, als er 1954 den heute vor der Sanierung stehenden Musikpavillon auf der Schloßteichinsel entwarf, der dann zum Ort für Konzerte und Unterhaltungskunst wurde, bis er verfiel. Das Festival macht den Ort nun wieder zu einer bemerkenswert leuchtenden Insel auf der Landkarte des Glücks.

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