Johannisplatz: Exakte Koordinaten fürs Handy

Wie genau arbeitet die Ortung meines Navi oder Smartphones? Das können Chemnitzer künftig selbst testen.

Ob beim Navi im Auto, beim interaktiven Stadtplan auf dem Smartphone oder bei der Jagd nach virtuellen Pokémon-Figuren: Ohne das Ortungssystem GPS wären mittlerweile viele Menschen ziemlich aufgeschmissen. Entsprechend ausgestattete Geräte kommunizieren mit Satelliten im Weltall. Anhand der Signale lässt sich die dann eigene Position bestimmen.

Wer ganz genau wissen will, wie exakt beispielsweise das eigene Handy sich auf der Weltkarte verortet, der hat dazu künftig am Johannisplatz Gelegenheit. Dort, auf einem Sitzblock nahe dem Saxoniabrunnen, gibt es seit gestern einen amtlichen, öffentlich zugänglichen Referenzpunkt. Auf einer zugehörigen Metallplatte sind jene Standort-Koordinaten verzeichnet, die ein GPS-fähiges Gerät dort anzeigen müsste: 50,833457Grad nördliche Breite, 12,923194 Grad östliche Länge, 298,6 Meter über den Meeresspiegel.

Bei hochgenauen Geräten, wie sie beispielsweise bei der Grundstücksvermessung eingesetzt werden, dürfte ein Vergleich der Daten Abweichungen von nur wenigen Zentimetern ergeben, sagt Ria Liebscher vom landeseigenen Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung (Geo SN). Legt man ein Handy, das über eine entsprechende Anzeige-App für GPS-Daten verfügt, auf die Tafel, betrage die Differenz oft mehrere Meter. "Diese Genauigkeit genügt im Alltag meist."

Der gestern offiziell enthüllte Referenzpunkt ist einer von bislang nur neun solcher Punkte in ganz Sachsen. "Und aktuell unser südlichster", wie Liebscher betont. Geplant sei, künftig in jedem Landkreis einen solchen Punkt einzurichten. Möglichst an einer markanten, rund um die Uhr und an sieben Tagen pro Woche zugänglichen Stelle. "Der im Erzgebirge ist auf dem Fichtelberg geplant", so die Referatsleiterin.

Dass das Angebot keineswegs nur etwas für Technikliebhaber ist, hat der Staatsbetrieb nach der Enthüllung des ersten Referenzpunktes in Dresden erlebt. "Eine Woche später standen dort auf einmal 500Leute", erzählt Ria Liebscher. Sogenannte Geocacher - Freunde digitaler, mithilfe von GPS-Geräten zu meisternder Schnipseljagden - hatten kurzerhand ein "Event" veranstaltet.

Die Initiatoren von Geo SN und dem Mercator-Verein, der die Leistungen von Vermessern und Geo- Informatikern stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken will, hoffen nicht zuletzt darauf, dass das neue Angebot auch von Lehrern für den Unterricht genutzt wird. Immerhin hat heutzutage nahezu jeder Schüler ein Handy. Und wer mag, findet mit dem im Internet dann auch weiterführende Informationen. Die Adressen sind auf der Tafel als Codes zum Scannen hinterlegt.

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