Jüdische Gemeinde erwägt Einzäunung der Synagoge

Gemeinsam mit Stadt und Polizei wird über zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen beraten. Unterdessen ermittelt die Soko Rex wegen eines Vorfalls während einer Mahnwache.

Im Fall eines Hitlergrußes, der während einer Gedenkveranstaltung an der Synagoge in einer vorbeifahrenden Straßenbahn gezeigt wurde, hat die Sonderkommission Rechtsextremismus beim Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen. Der Vorfall hatte sich am vergangenen Freitag gegen 17.50 Uhr ereignet. Knapp 50 Menschen hatten sich vor Beginn des traditionellen Sabbat-Gottesdienstes zu einer Mahnwache vor der Synagoge versammelt, um der Opfer des Anschlags von Halle zwei Tage zuvor zu gedenken. Als eine Straßenbahn der Linie 4 in Richtung Innenstadt vorbeifuhr, zeigte einer der Fahrgäste in der Bahn demonstrativ den Hitlergruß.

Neben der Auswertung von Aufzeichnungen der Videokameras in der Bahn hofft die Polizei auf Zeugen. "Zur Aufklärung werden insbesondere Hinweise zu Personen erbeten, die sich in der Straßenbahn aufgehalten haben", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes.

Der Vorfall hatte Chemnitz am Wochenende einmal mehr überregional in die Schlagzeilen gebracht. Zwei Tage zuvor allerdings hatte sich in Berlin am Rande eines Trauermarsches zur Synagoge Ähnliches ereignet. Der Tatverdächtige dort konnte von der Polizei noch vor Ort gestellt werden. In Chemnitz sind zur Klärung der Identität zunächst Ermittlungen notwendig.

In dem der Synagoge angeschlossenen Gemeindezentrum ein ganz anderes Bild: An einer Pinnwand hängen mehrere Solidaritätsbekundungen, die die Chemnitzer Jüdische Gemeinde in den Tagen nach den Ereignissen von Halle erreicht haben. Darin versichern die Absender der Gemeinde ihre Unterstützung. "Wir wollten hier immer ein für alle Seiten offenes Haus sein", sagt Ruth Röcher, die Gemeindevorsitzende. Wie man diesem Anspruch künftig noch gerecht werden könne, darüber solle nun intern beraten werden. Denn klar ist: Nach dem Angriff auf die Synagoge in Halle wird auch die Chemnitzer Gemeinde ihr Sicherheitskonzept überdenken müssen. Aktuell gibt es etwa Überlegungen, das bislang frei zugängliche Gelände rund um Synagoge und Gemeindezentrum mit einem Zaun zu sichern.

"Ich habe angeboten, als Kommune sofort tätig zu werden, sollten bauliche Maßnahmen an der Synagoge erforderlich sein, um die Sicherheit des Gebäudes zu erhöhen", bestätigte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig am Dienstag auf Anfrage der "Freien Presse". Nach den Ereignissen in Halle habe es in der vergangenen Woche ein Gespräch mit der Gemeindevorsitzenden und der Polizei gegeben. Die Beamten hatten nach dem Attentat in der Saalestadt umgehend reagiert und die Synagoge gesichert. Auch Polizeipräsidentin Sonja Penzel habe sich mit der Gemeinde in Verbindung gesetzt, sagte ein Sprecher. (mit su)

Für Hinweise zum Vorfall vom 11. Oktober stehen das Telefon des Landeskriminalamtes unter 0800 8552055 und alle Polizeidienststellen zur Verfügung.

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