Junge Leute in der Politik - Streit um den richtigen Weg

In Limbach-Oberfrohna ist die Voraussetzung für einen Jugendbeirat geschaffen worden. Doch ob das Gremium gebildet wird, ist offen. Die Erfolgsaussichten werden unterschiedlich beurteilt.

Limbach-Oberfrohna.

Soll ein Jugendbeirat in Limbach-Oberfrohna gebildet werden - und wenn ja, auf welche Weise? Die Antworten auf diese Frage gehen bei den Beteiligten auseinander. Fest steht: Die Etablierung eines solchen Gremiums ist jetzt möglich. Der Stadtrat hat einer Änderung der Hauptsatzung zugestimmt. Demnach kann ein Jugendbeirat gebildet werden, dem zwei Stadträte und zehn Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren angehören. Die Mitglieder sollen den Oberbürgermeister und den Stadtrat unterstützen, wenn es um die Belange junger Leute geht.

Bei der Vorstellung der neuen Satzung gab sich OB Jesko Vogel (Freie Wähler) aber zurückhaltend. "Ob es zu einem Jugendbeirat kommt, muss man sehen", sagte er. Eine entsprechende Initiative müsse von Jugendlichen in der Stadt ausgehen. Auf Nachfrage der "Freien Presse" ergänzte Vogel: "Es bringt nichts, wenn wir Sitzungen vorbereiten, aber dann niemand kommt." Er sehe auch die Schwierigkeit, dass ein Jugendbeirat von den jungen Leuten in der Stadt gewählt werden müsse, damit er eine demokratische Legitimation besitze. Zudem seien die Schülersprecher schon in den Arbeitskreis Jugend eingebunden. Das Gremium, dem neben Jugendlichen auch Mitarbeiter der Stadt, des Jugendhauses Rußdorf und Streetworker angehören, trägt Themen an die Stadtverwaltung heran und organisiert Veranstaltungen.

Iris Raether-Lordieck (SPD) äußerte sich mit Blick auf den Jugendbeirat optimistischer als Vogel. Es sei richtig und wichtig, Jugendlichen ein Angebot zur Mitsprache zu unterbreiten. "Wie wollen wir die Jugend im ländlichen Raum halten, wenn wir sie nicht beteiligen?", fragte die Stadträtin, die den Jugendbeirat als ihre Herzensangelegenheit bezeichnete. Die Stadtverwaltung sei gefordert, auf die Jugendlichen zuzugehen.

Auch Marion Jerouschek ist der Meinung, dass das Projekt funktionieren kann. "Es gibt durchaus Jugendliche, die politisch interessiert sind", sagt die Sozialarbeiterin im Jugendhaus Rußdorf. Zu den Sitzungen des Arbeitskreises Jugend kommen nach ihren Angaben mitunter zwölf bis 15 junge Leute. Nun sei es an der Stadtverwaltung, geeignete Strukturen zu schaffen. Jerouschek schlägt die Einstellung eines Jugendkoordinators vor, der sich um den Jugendbeirat und ähnliche Projekte kümmert. Dafür müsse zusätzliches Geld in die Hand genommen werden. Die Stadt mache es sich zu einfach, wenn sie auf engagierte Jugendliche warte. Stattdessen müsse an den Schulen gezielt für den Jugendbeirat geworben werden, fordert Jerouschek.

Nach Angaben von Marvin Müller haben sich einige Mitglieder des Arbeitskreises Jugend vorgenommen, an den Schulen in Erfahrung zu bringen, ob Interesse an einem Jugendbeirat entsteht. Der 17-jährige Schülersprecher am Beruflichen Schulzentrum ist selbst im Arbeitskreis tätig. Falls die Resonanz positiv ausfalle, seien er und seine Mitstreiter bereit, die Gründung eines Jugendbeirates vorzubereiten. Müller ist allerdings skeptisch: "Bislang war das Interesse der Jugendlichen an politischen Themen eher gering." Auch er selbst werde nicht im Jugendbeirat mitarbeiten. "Bei mir ist die Zeit das Problem." Der Jugendliche hat sich neben seiner Ausbildung einen Namen als Heimatforscher gemacht und ist oft mit historischen Recherchen beschäftigt.


So gehen andere Städte mit Jugendbeteiligung um

Burgstädt: Die Stadt Burgstädt prüft derzeit, ob ein Jugendstadtrat eingerichtet wird. Dieser könnte 2019 gewählt werden. Bislang dürfen Jugendliche im Rahmen eines Schulprojekts einmal im Jahr in die Rollen von Lokalpolitikern schlüpfen. Sie werden Parteien zugeteilt und diskutieren über Investitionen. Bei der jüngsten Veranstaltung im März forderten die jungen Leute unter anderem den Bau eines Kunstrasenplatzes, mehr öffentliche Toiletten und die Einrichtung einer weiteren Buslinie.

Chemnitz: Mehrere Versuche, Jugendliche in die Stadtpolitik einzubinden, sind in der Vergangenheit gescheitert. Ein Kinder- und Jugendbeirat wurde vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen, traf sich aber bald nicht mehr. Eine Arbeitsgruppe des Stadtrates erarbeitet derzeit ein neues Konzept zur Einbeziehung von jungen Leuten, das spätestens im April 2019 präsentiert werden soll.

Glauchau: In Glauchau gibt es einen Jugendbeirat, der Themen, die Jugendlichen wichtig sind, an den Stadtrat heranträgt. Nach einem Aufruf zur Mitarbeit im Jahr 2011 war die Resonanz zunächst gering, doch inzwischen hat sich der Jugendbeirat zu einer festen Größe entwickelt. Er organisiert Projekte wie Foto- und Graffiti-Workshops und veranstaltet Konzerte. Über ihre Tätigkeiten informieren die Mitglieder des Jugendbeirates auf einer Facebook-Seite. (jop)

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