Kandidat in Chemnitz - Familie in Berlin

Wahl 2017: Die "Freie Presse" stellt Bewerber vor, die bei der Bundestagswahl für ein Direktmandat kandidieren. Heute: Michael Leutert von den Linken, der mit Gerechtigkeit punkten will.

Der Mann hat ein Ziel. Michael Leutert will bei der Bundestagswahl am 24. September das Direktmandat für Die Linke in Chemnitz holen. "Wenn man antritt, will man doch auch gewinnen", erklärt er selbstbewusst. Ein gutes Ergebnis seien nach seinen Worten 25 Prozent plus X. "Damit hat man in Chemnitz eine Chance auf das Direktmandat", sagt er mit Blick auf die Parteienvielfalt. Leutert hatte auch 2013 und 2009 für den Bundestag kandidiert; doch den Wahlkreis gewannen damals andere.

Dabei ist der in Mittweida aufgewachsene Sachse aller Voraussicht nach noch nicht einmal auf das Direktmandat angewiesen. Auf der Landesliste seiner Partei taucht sein Name auf Platz 4 auf, was den Wiedereinzug ins Parlament so gut wie sicher macht. Seit 2005 sitzt Leutert im Bundestag, gehört dort unter anderem dem Haushaltsausschuss an. Speziell kümmert er sich um Verteidigungs-, Außen- und Sicherheitsfragen, aber auch um Kinder, Jugend und Familie. Kindern will er sich in den nächsten vier Jahren verstärkt widmen, sagt er. Dabei gehe es ihm nicht nur um die in Deutschland, sondern um alle, die weltweit Hilfe benötigten. Aber wie will er als Bundestagsabgeordneter dafür sorgen, dass in Chemnitz schneller die hier dringend benötigten Kitas gebaut werden? Leutert verweist auf Fördermittel, die der Bund für Kita-Neubauten zur Verfügung stellt. Aus dem Topf könne auch Geld für Personal fließen. Es sei klar, dass mehr Leute benötigt würden, wenn mehr Kitas gebaut werden, sagt Leutert, dessen Kinder in Berlin Schule und Kitas besuchen. "Man kann Geld aber auch mit dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche verteilen." Damit meint er, beim Bau von Kitas Fristen setzen zu können.


Kinder hat er bei einem seiner Lieblingsthemen auch im Auge - dem Grundeinkommen. Schon in den 1990er-Jahren habe er sich gemeinsam mit Katja Kipping, der jetzigen Parteivorsitzenden, dafür eingesetzt. "Und ich bin noch immer überzeugt vom Grundeinkommen. Und davon, dass es nicht schädlich ist", betont er. Aber er habe irgendwann einsehen müssen, dass es dafür in der Gesellschaft keine Mehrheit gibt: "Leistung ist hier mit Entlohnung gekoppelt." Allerdings nicht bei zwei Bevölkerungsgruppen, so der studierte Soziologe und meint Kinder und Rentner.

Für Letztere will er nicht nur eine Grundrente. Bei Senioren sieht Leutert die Gefahr, dass ein Partner die gemeinsame Wohnung nicht mehr halten kann, wenn der andere verstorben ist. "Die Leute müssen dann ihr über Jahrzehnte gewohntes Umfeld verlassen und in eine kleinere Wohnung ziehen." Damit das nicht geschieht, soll ein Mietzuschuss gezahlt werden. Damit werde der Lebensleistung der Älteren Respekt gezollt und Gerechtigkeit geschaffen, sagt Leutert. Familien will er mit einer Kinder-Grundsicherung fördern. Leutert selbst ist ein Familienmensch, widmet sich in seiner knappen Freizeit seiner Frau, die in Berlin als Dolmetscherin arbeitet, und den drei Kindern, sagt er. Kürzlich gab es Familienzuwachs: "Wir haben einen sieben Monate alten Welpen aus Griechenland zu uns geholt."

Gerechtigkeit ist für Leutert zentrales Thema im Wahlkampf, der unter dem Motto "Gerechtigkeit schafft Sicherheit" steht. Man müsse global denken, wolle man Sicherheit vor Ort, denn alles sei miteinander verbunden, sagt Leutert und nennt dazu ein Beispiel: Vor der Küste Somalias sei die Bundeswehr noch immer gegen Schiffspiraterie im Einsatz. An der Küste hätten aber lange somalische Fischer gefischt. "Die haben irgendwann nichts mehr gefangen, die internationalen Fischflotten hatten die Küsten abgegrast", so Leutert. Nachdem ihnen die Existenzgrundlage abhanden gekommen war, schlossen sich einige den Piraten an, so Leutert. Auch deshalb sei gerechtes Wirtschaften nur global zu lösen.

Ähnliches gelte bei den Russland-Sanktionen. Er ist für die Aufhebung, schiebt jedoch ein Aber hinterher. Wirtschaftliche Sanktionen als Druckmittel nach der Annexion der Krim hätten kein Ergebnis gebracht und würden eher deutschen Firmen schaden als Russland, so Leutert.

Jedoch habe das Vorgehen Russlands auch nicht ohne Konsequenzen bleiben können: "Da wurden gewaltsam Grenzen geändert. Dass so etwas keine Folgen hat, geht nicht." Jetzt müsse mit Russland verhandelt werden - "ohne Gesichtsverlust für beide Seiten".


Nein zur Obergrenze, Ja für das Grundeinkommen

Fragen, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden sollten:

Ehe für alle: Wie haben Sie gestimmt?

Mit Ja.

Sind Sie für die Einführung einer Obergrenze bei der Zuwanderung von Flüchtlingen?

Nein.

Sollte es ein bundesweites Zentralabitur geben?

Ja.

Sollte es ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle geben?

Ja.

Sollten die Sanktionen gegenüber Russland aufgehoben werden?

Ja.


Politisches Engagement seit der Jugend

Geburtstag und -ort: 8. August 1974 in Schlema/Erzgebirge

Wohnort (Stadtteil): Kaßberg

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Beruf/Studium: Diplom-Soziologe

Aktuelle Tätigkeit: Mitglied des Bundestages für die Partei Die Linke

Hobby: "Seit meiner Jugend habe ich mich politisch engagiert, dann wurde das Hobby zum Beruf"

Parteizugehörigkeit vor 1989: keine

Parteizugehörigkeit nach 1989: 1991 Eintritt in die PDS (jetzt Die Linke)

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