Karriere trotz Verzichts auf Studium

Eine Berufsberatung für Spätzünder hat die IHK am Montag angeboten. Solche Veranstaltungen helfen nicht nur den jungen Leuten.

Zwickau.

Es ist ein Tag der guten Nachrichten, dieser Montag. Im Gebäude der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Zwickau gehen an diesem Tag junge Leute ein und aus, die noch keine Ausbildungsstelle haben, obwohl das Jahr schon weit vorangeschritten ist. Es ist der Tag der Ausbildungschance. Hinter drei Türen sitzen drei Menschen, die an diesem Tag viel zu reden haben. Es sind die Menschen mit den guten Nachrichten.

Simone Bronsert ist eine von ihnen. Die Referentin für Berufsbildung bei der IHK sitzt am Morgen einem 19-Jährigen aus Wilkau-Haßlau gegenüber. Noah Ullmann hat gerade die schriftlichen Prüfungen für sein Fachabitur beendet - eine Ausbildungsstelle hat er noch nicht in Aussicht. Die Fachfrau von der IHK kann das ändern, sagt sie. "Ich habe eine Menge guter Angebote." Mehr als 2400 offene Ausbildungsstellen in 127 Berufen im Kammerbezirk Chemnitz sind in ihrem Rechner hinterlegt. Da ist für Noah sicher das Passende dabei. Der junge Mann möchte nicht studieren, sondern gleich Geld verdienen. Am liebsten in einem kaufmännischen Beruf, am allerliebsten in der Automobilbranche. Die Beraterin ist zuversichtlich.


Längst suchen Unternehmen dringender Nachwuchs, als Jugendliche eine Ausbildung suchen. Das habe auch mit dem gestiegenen Stellenwert eines Studiums zu tun. "In vielen Elternhäusern gibt es falsche Vorstellungen darüber, was eine duale Ausbildung bedeutet." Deswegen zeige Simone Bronsert immer mit auf, dass man auch mit einer Berufsausbildung auf der Karriereleiter nach oben steigen kann. So sei der Fachwirt dem Bachelor gleichgestellt und der Betriebswirt einem Masterabschluss.

Warum im Juni noch nicht jeder Schulabgänger einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hat - dafür gibt es sehr unterschiedliche Gründe. Gar nicht so selten liegt es auch daran, dass die jungen Leute den Ernst der Lage etwas zu spät erkennen, sagt Sven Vogel. Er ist Berufsberater bei der Agentur für Arbeit und an diesem Tag bei der IHK zu Gast. Er sieht auch ein weiteres Problem auf dem Ausbildungsmarkt: Die Wünsche der Arbeitgeber und die Voraussetzungen bei den Jugendlichen passen nicht immer zusammen. "Deswegen versuchen wir zu erreichen, dass sich beide Seiten annähern", sagt Vogel. Als Beispiel nennt er die vor allem bei jungen Männern beliebte Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. "Die dauert nicht von ungefähr dreieinhalb Jahre." Sie sei anspruchsvoll, deswegen achten die Ausbilder auf gute Noten. Doch auch Mädchen und Jungen mit Dreien auf dem Zeugnis haben inzwischen Chancen bei der Bewerbung.

Übrigens ist dieser bundesweite Tag nicht die letzte Chance gewesen. Am 3. Juli gibt es einen weiteren Termin. Von 14 bis 17 Uhr findet eine Last-Minute-Ausbildungsbörse im Jobcenter Zwickau statt.

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