Kaßbergauffahrt bleibt länger gesperrt

Eigentlich sollten die seit Frühjahr 2018 andauernden Arbeiten in der kommenden Woche beendet werden - Nun gibt es einen neuen Termin

Beobachter des Baugeschehens hatten schon einige Zeit kein gutes Gefühl: Ob die Arbeiten an der seit Frühjahr vergangenen Jahres gesperrten Kaßbergauffahrt wirklich bis Mitte Oktober beendet werden? Nunmehr ist klar: Sie dauern länger. Wo die Säge klemmt und wie es nun weitergeht - "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen.

Was eigentlich wird an der Auffahrt gemacht?

Im Kern geht es um die Sanierung der 150 Jahre alten Brücke über die Chemnitz. Sie war 2014 bei einer der obligatorischen Brückenhauptprüfungen mit einer Bauzustandsnote von 3,4 bewertet worden. Das heißt: dringender Handlungsbedarf und aufwendige Sanierungsarbeiten.

Warum dauern die Arbeiten länger als geplant?

Nach Angaben der Stadtverwaltung werden die Arbeiten an der Karl-Schmidt-Rottluff-Brücke als solcher im Oktober beendet sein - obwohl diese wesentlich aufwendiger gewesen seien als erwartet. So habe unter anderem eine Stützwand der Treppenanlage komplett abgerissen und neu gebaut werden müssen, weil sie in einem deutlich schlechteren Zustand gewesen sei, als zunächst zu sehen war. Zudem hätten die alten Konstruktionen der Randbögen der Brücke andere Maße aufgewiesen als von außen sichtbar. Das eigentliche Problem, das zur Verlängerung der Bauzeit führe, seien die noch zu erledigenden Straßenbauarbeiten an den Zufahrten ober- und unterhalb der Brücke - einschließlich einer zusätzlichen Verstärkung der Tragschicht.

Welche Folgen hat das?

Die Sperrung der Kaßbergauffahrt - der wichtigsten Verbindung zwischen dem Stadtzentrum und dem bevölkerungsreichsten und am dichtesten besiedelten Chemnitzer Stadtteil - bleibt über den 18. Oktober hinaus aufrechterhalten. Der Verkehr wird weiterhin über die Zwickauer und die Reichsstraße umgeleitet. Auch die Busse der Linien 62 (Flemmingstraße - Betriebshof Adelsberg) und 72 (Rottluff - Heimgarten) sowie die Nachtbuslinie N 17 (Talanger-Zentralhaltestelle) fahren vorerst weiterhin auf den seit Beginn der Arbeiten Ende April vergangenen Jahres veränderten Linienwegen.

Wann sieht der neue Zeitplan den Abschluss der Arbeiten vor?

Nach Angaben der Stadtverwaltung soll die Verkehrsfreigabe bis spätestens zum jährlichen Fahrplanwechsel bei Bus und Bahn erfolgen. Dieser steht in diesem Jahr am 15. Dezember an. "Es wäre auch aus unserer Sicht sehr wünschenswert, dass dieser Termin möglichst eingehalten wird und es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt", sagte ein Sprecher des Nahverkehrsbetriebes Chemnitzer Verkehrs-AG. Andernfalls würden die im Dezember in Kraft tretenden Fahrpläne gleich wieder über den Haufen geworfen. Aktuell sind die Busse der betroffenen Linien zwischen Innenstadt und Kaßberg einige Minuten länger unterwegs als auf ihrer eigentlichen Route, die jeweils über die Kaßbergauffahrt führt.

Wie reagieren Betroffene auf die Nachricht der verspäteten Fertigstellung?

Vielfach verärgert. "Man kann sich eigentlich darauf verlassen, dass Baustellentermine nie eingehalten werden", sagte ein 39-jähriger Kaßbergbewohner der "Freien Presse". Er habe zudem auf der Baustelle oft niemanden arbeiten sehen, äußerte er. "Ob mit dem Auto, mit dem Rad oder zu Fuß - es ist einfach furchtbar umständlich, in die Stadt zu gelangen", schildert eine junge Frau, die ebenfalls in dem Stadtteil zu Hause ist. Zwar gebe es neben der Auffahrt eine Behelfstreppe, die die Hohe Straße mit der Fabrikstraße verbindet. "Die aber ist steil und für Eltern mit Kinderwagen nicht zu bewältigen." Mit erheblichen Einbußen zu kämpfen hatten zwei Jahre hintereinander die Betreiber des Eisgartens am Fuße der Kaßbergauffahrt. "Die Sperrung hat sich sehr deutlich bemerkbar gemacht und viel Laufkundschaft gekostet", heißt es. Weniger dramatisch indes scheinen die Folgen für Schüler und Lehrer des nahegelegenen Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasiums zu sein. Seit Sperrung der Auffahrt ist es für sie weitaus weniger gefährlich, die Weststraße zu überqueren. "Zum Glück wird hier künftig eine Fußgängerinsel für mehr Sicherheit sorgen", sagte die amtierende stellvertretende Schulleiterin. micm

Bewertung des Artikels: Ø 2 Sterne bei 1 Bewertung
7Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    2
    Interessierte
    11.10.2019

    So habe unter anderem eine Stützwand der Treppenanlage komplett abgerissen und neu gebaut werden müssen ...
    ( da kommt dieser Treppenaufgang wohl wieder hin ?

  • 0
    1
    osgar
    10.10.2019

    @Hinterfragt, das ist dann aber auch kein gutes Beispiel.

    https://www.sueddeutsche.de/bayern/unfall-hoher-sachschaden-nach-unfall-bei-zugspitzbahn-1.4128433

  • 1
    0
    Hinterfragt
    10.10.2019

    @1371270; Nun das gab es z.B. 2017.
    Die Fertigstellung der neuen Zugspitzbahn wurde als Punktlandung im Termin geschafft.
    Aber, das war eben eine reinweg ohne "öffentliche Hand" geplante und durchgeführte Baumaßnahme.

  • 9
    7
    Lesemuffel
    10.10.2019

    Richtig, mathiasmi..... Viele wissen gar nicht mehr, dass einst in unserem Land zügig und ordentlich gebaut wurde. Das zeichnete D. aus. Leider haben sich viele an diese Missstände gewöhnt, es stört sie nicht mehr finden normal. Autobahn nach Leipzig 2006 fertig, Bahn zweispurig und elektrisch Wann? Flughafen BER Eröffnung? Da der Mensch vor allem hierzulande ein Gewohnheitstier ist, wird sich sobald nichts daran ändern. Man bzw. einige wenige fragen sich allerdings, wie in so einem Milieu die riesigen Vorhaben zur Problematik "Klimakatastrophe" gelöst werden sollen. Dabei meine ich nicht die künftigen Abgaben, Verbote und Stilllegungen - das schafft man selbstverständlich. Wer allerdings nichts mehr kritisch hinterfragt, verändert auch nichts mehr.

  • 12
    6
    mathausmike
    10.10.2019

    Jammer,jammer,schluchtz!
    Gut ,dass die Kaßbergauffahrt neu gemacht wird.

  • 10
    8
    1371270
    10.10.2019

    Ich freue mich schon auf die Meldung, dass eine größere Baumaßnahme pünktlich zu Ende gebracht wurde. Aber ob ich das noch erlebe??

  • 11
    10
    Hinterfragt
    10.10.2019

    "...länger ..."
    Warum man das überhaupt erwähnt, das ist doch inzwischen bei Baumaßnahmen der Standard in der Bundesrepublik...



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