Kaßberger machen ihrem Kiez ein besonderes Geschenk

"100 Meter Sommer" heißt ein Straßenfest, das am Samstag gefeiert wird. Der Titel wird der Ausdehnung aber längst nicht mehr gerecht.

Kaßberg.

Der Stadtteil mit den meisten Einwohnern in Chemnitz verwandelt sich am morgigen Samstag in eine Partymeile. "100 Meter Sommer" heißt das Fest, welches bereits zum dritten Mal veranstaltet wird.

Die Organisation des Straßenfestes ist ungewöhnlich. Denn es wird nicht von einem großen Unternehmen oder von einer Profiagentur veranstaltet. Den Tag machen sich ausschließlich die Anwohner und Händler bunt. Mehr als 30 Gewerbetreibende werden entlang der Franz-Mehring-Straße zwischen Ulmen- und Limbacher Straße ihre Cafés, Geschäfte, Lokale oder Salons öffnen. Die Ausdehnung des Festes reicht dadurch wesentlich weiter als nur 100 Meter. Der Name entstand vor einigen Jahren, als eine Winterauflage der Party noch in diesem Rahmen abgesteckt war. "Inzwischen haben aber viele Partner unser Fest erwachsen werden lassen", so Klaus Kowalke. Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Susanne Meysick führt er die vereinsbetriebene Buchhandlung "Lessing und Kompanie".


Dort entstand mit Nachbarn die Idee zu der Kiezsause. Inzwischen beteiligen sich alte Freunde wie die Betreiber der benachbarten Weinstube, des Cafés "Emmas Onkel" oder des Weltladens "Paisa Paisa", aber auch neue Partner wie der städtische Vermieter GGG an der Umsetzung. GGG-Mitarbeiter Gerrit Sachse schaute am gestrigen Donnerstag bei den Vorbereitungen vorbei und meinte: "An unserem Stand können Kinder geschminkt werden, zudem gibt es Popcorn und Fassbrause." Der Erlös fließt nicht etwa auf das Vermieterkonto, sondern kommt einer Einrichtung in der Nachbarschaft zugute. Das Geld erhält in diesem Jahr der Kindergarten an der Michaelstraße.

Bei ihrem letzten Treffen vor der Party packten die Organisatoren auch gemeinsam einen großen Präsentkorb. "Den bekommt diejenige Hausgemeinschaft, die sich besonders für das Gelingen unseres Sommerfestes einsetzt", so Susanne Meysick. Das Engagement der Anwohner bekommen die Besucher zu sehen. "Ganze Hausgemeinschaften beweisen jedes Jahr aufs Neue, dass sie mit geschmückten Vorgärten, Balkonen oder Höfen ihren Kaßberg noch lebenswerter machen", so Meysick. "Manche kochen, andere musizieren." Eine Jury wird am Samstag ab 16 Uhr von Haus zu Haus ziehen und die Vorbereitungen der Gemeinschaften bewerten. Es wird ein besonderes Preisgericht sein, welches da entscheidet. "Fünf Frauen geben ihren Tipp ab", erklärt Susanne Meysick. "Damit wollen wir dem vor 100 Jahren eingeführten Frauenwahlrecht eine Reminiszenz aussprechen." Die Frauen entschieden schon mal, auch einen Herren in ihrer Runde zu dulden. Radsprinter Joachim Eilers wird die Festbeiträge ebenfalls mitbewerten.

Die vielleicht weiteste Anreise zum Sommerfest dürfte Sonja Wagner haben. Die Tochter von Weinhändlerin Karoline Wagner bringt extra aus dem badischen Oberrottweil gute Tröpfchen vom Familienweinberg mit.

Das Kiezfest "100 Meter Sommer" beginnt um 13 Uhr. Um 21.30 Uhr ist Treff an der Ecke Ulmenstraße. Ein Lampionumzug startet da mit Ziel "Bunte Gärten". Dort gibt es eine finale Nachtmusik von Musikschülern.

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