Katholiken bilden neue Großpfarrei

Aus fünf Kirchgemeinden wird bis 2020 eine. Auf Gläubige und Pfarrer kommen deutlich weitere Wege zu. Limbach-Oberfrohna spielt bei dem Prozess eine besondere Rolle.

Limbach-Oberfrohna.

Slawomir Niemczewski ist viel unterwegs. Mehrmals in der Woche pendelt der katholische Pfarrer zwischen Limbach-Oberfrohna und Mittweida, weil er die Pfarreien in beiden Städten betreut. Der Theologe bespricht sich mit den Pfarrgemeinderäten und nimmt Beichten ab. Besonders stressig wird es sonntags: In geraden Kalenderwochen wie dieser feiert der Pfarrer in der Kirche an der Waldenburger Straße in Oberfrohna bereits um 8.30 Uhr die Heilige Messe - weil um 10.30 Uhr in Mittweida ein weiterer Gottesdienst ansteht. An den Sonntagen in ungeraden Kalenderwochen ist es genau andersherum: erst Mittweida, dann Limbach-Oberfrohna. Die Gläubigen müssen sich deshalb auf wöchentlich wechselnde Anfangszeiten einstellen. Niemczewski hält das nicht für optimal. "Wenn der Beginn immer um 10 Uhr wäre, würden mehr Menschen kommen", vermutet der Geistliche. Doch die Strukturen ließen keine andere Wahl. Inzwischen habe er sich mit der Pendelei arrangiert, auch weil er sich auf die Gemeindeglieder an beiden Standorten verlassen könne.

Nach seinem Amtsantritt 2008 konnte sich der heute 57-Jährige zunächst auf die Arbeit in der Limbach-Oberfrohnaer Pfarrei konzentrieren. Doch seitdem 2015 der Mittweidaer Pfarrer in die Lausitz wechselte, muss Niemczewski versuchen, beiden Pfarreien gerecht zu werden. Dass das Erzbistum Dresden-Meißen einen Pfarrer mit zwei Pfarreien betraut, liegt nicht nur daran, dass die Anzahl der Katholiken in Sachsen schrumpft. In der Pfarrei Limbach-Oberfrohna, zur der auch Niederfrohna, Teile der Gemeinde Callenberg sowie Röhrsdorf gehören, gibt es heute knapp 700 Gläubige. Vor zehn Jahren waren es noch gut 800. Ein weiterer Grund ist der eklatante Mangel an Priestern. "Wenn jemand ausscheidet, kommt ganz selten jemand Neues", stellt Niemczewski fest.

Diese Probleme sind es auch, weshalb das Bistum bereits im Jahr 2013 eine Strukturreform angestoßen hat - mit dem Ziel, die Anzahl der Pfarreien deutlich zu verringern. Inzwischen steht fest, mit welchen Pfarreien die Limbach-Oberfrohnaer Gemeinde zum Stichtag 10. Mai 2020 fusionieren soll. Es sind gleich vier: neben Mittweida auch Wechselburg, Geithain/Bad Lausick und Borna. Es entsteht also eine neue Großpfarrei mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 50 Kilometern.

Bettina Dietzsch beschäftigt sich als Mitglied des Limbach-Oberfrohnaer Pfarrgemeinderats sowie der Steuerungsgruppe, die den Vereinigungsprozess der fünf Pfarreien koordiniert, intensiv mit dem Vorhaben. Sie betrachtet die geplante Fusion mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Jede Gemeinde hat Probleme wegen der geringen Anzahl an Gläubigen. Wir müssen zusammenwachsen, um gemeinsam stärker zu werden", sagt die Katholikin. Zugleich sehe sie aber auch die praktischen Schwierigkeiten. Für die Großpfarrei sind nur zwei Pfarrer vorgesehen, Unterstützung soll eventuell von Wechselburger Mönchen kommen. "Wir wollen so viele Gottesdienst-Termine wie möglich auch weiterhin anbieten", bekräftigt Dietzsch. Das werde aber wegen der großen Entfernungen nicht einfach. Sie weiß, wovon sie spricht: Dietzsch ist Lehrerin für katholische Religion und gibt wegen der geringen Anzahl katholischer Schüler schul- und jahrgangsübergreifenden Unterricht in Limbach-Oberfrohna, Burgstädt, Mittweida und Borna.

Auch Niemczewski betrachtet die neue Struktur als Herausforderung. Sowohl die Gläubigen als auch die Pfarrer müssten weite Strecken auf sich nehmen, sagt er. "Das wird problematisch." Ob auch er selbst betroffen ist, weiß der Pfarrer noch nicht. Er würde gern in der neuen Großpfarrei tätig sein, habe darüber aber noch keine Klarheit. Die Entscheidung liege letztlich beim Bistum, erklärt Niemczewski. Eine gute Nachricht für die Katholiken in Limbach-Oberfrohna kann aber schon verkündet werden: In ihrer Kirche samt Pfarramt wird der Hauptsitz der Großpfarrei eingerichtet. Eigentlich war dafür Wechselburg vorgesehen, was rein geografisch mehr Sinn ergibt. "Aber das dortige Kloster setzt andere Prioritäten", sagt Niemczewski. Er freue sich über die Entscheidung des Bistums. "Für die Gemeinde ist es gut, wenn sie ihre Ansprechpartner weiterhin vor Ort haben."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...