Kaugummi, Öl, Straßendreck: Großreinemachen an der Zenti

Ungewohnt laut geht es in dieser Woche des Nachts rund um die Zentralhaltestelle zu. Eine Spezialfirma aus den Niederlanden unterzieht den Bereich einer besonders gründlichen Reinigung. Wer sich dort künftig daneben benimmt, soll verstärkt zur Kasse gebeten werden.

Sie gehören zu den ärgsten Ärgernissen der Stadtreinigungsbetriebe, denn weder Besen noch Hochdruckreiniger noch Kehrmaschine können ihnen etwas anhaben: Überreste ausgespuckter und weggeworfener Kaugummis, die sich als hässliche schwarze Flecken auf Gehsteigen und an Haltestellen überaus hartnäckig halten. Wo Tag für Tag viele Menschen unterwegs sind, finden sich in der Regel besonders viele dieser Hinterlassenschaften der modernen Zivilisation. Die Chemnitzer Zentralhaltestelle macht da keine Ausnahme.

In dieser Woche nun sind dort Mitarbeiter einer Spezialfirma aus den Niederlanden am Werk, um die Bahnsteige und Fußgängerbereiche so gründlich zu säubern wie seit etwa zehn Jahren nicht mehr. Das Unternehmen hat sich auf die Beseitigung von Kaugummiresten spezialisiert und ist mit einem patentierten Reinigungsverfahren in mehreren Ländern Europas im Geschäft - neben Belgien, den Niederlanden und Deutschland auch in Skandinavien. Als europaweit einziger Anbieter dieser Technik hat der Betrieb gut zu tun. Bevor die vier Mitarbeiter um Firmenchef Bram van Laar nach Chemnitz kamen, waren sie zwei Wochen lang in Den Haag im Einsatz, erzählt der 46-Jährige. Anschließend geht es nach Köln.


Angereist ist der Trupp mit zwei selbst entwickelten Spezialreinigungsmaschinen von der Größe der hierzulande bekannten Multicars. Laufen sie auf Hochtouren, machen sie ordentlich Krach und produzieren bis zu 140 Grad heißen Dampf. Der wird mit hohem Druck, aber ohne chemische Zusätze, auf die zu reinigenden Flächen gebracht. "Die Kaugummis lösen sich dabei auf", erläutert Firmenchef van Laar. Der übliche Schmutz, aber auch Flecken aus Öl- und Fettrückständen, Algen- und Moosansätze, werden auf diese Weise gleich mit entfernt.

Um ungehindert arbeiten zu können und den Alltag tagsüber nicht zu stören, wird die Tiefenreinigung zwischen 21 Uhr abends und dem frühen Morgen ausgeführt. Insgesamt 7500 Quadratmeter sollen bis Donnerstag gesäubert werden. Neben der Zentralhaltestelle betrifft das Bereiche am Chemnitz-Plaza, der Galeria Kaufhof und der Galerie Roter Turm. Sie sind zum Teil auch deshalb besonders stark verschmutzt, weil Überdachungen dort kein Regenwasser zu Boden lassen.

Die Kosten in Höhe von mehreren zehntausend Euro teilen sich die Stadt, der Nahverkehrsbetrieb CVAG sowie die Eigentümer und Betreiber der anliegenden Immobilien. Bei einem ersten Besuch in Chemnitz war Bram van Laar nach eigenen Angaben überrascht darüber, dass sich die Verschmutzungen in der Stadt doch eher in Grenzen halten. "Wir sind da wirklich Schlimmeres gewohnt", sagte er.


Stadtordnungsdienst soll schärfer kontrollieren

Um die Sauberkeit rund um die Zentralhaltestelle so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, wird der Stadtordnungsdienst in den kommenden Wochen dort häufiger kontrollieren. Das hat Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (Foto) angekündigt. Werden vorsätzliche Verunreinigungen festgestellt, sollen gegen die Verursacher Bußgelder verhängt werden.

Die Polizeiverordnung regelt, welcher Vergehen wie bestraft werden. Mindestens zehn Euro werden demnach fällig, wenn Zigarettenkippen, Kaugummi, Flaschen, Papier und Pappe weggeworfen werden. Nicht unter 20 Euro beträgt das Bußgeld, wenn in der Öffentlichkeit Flächen bemalt, beklebt oder sonst wie verunreinigt werden. Mindestens 60 Euro kosten das Verrichten der Notdurft, Verunreinigungen durch Hundekot und Verstöße gegen die Anleinpflicht.

Mit Motivkarten "Für eine saubere Stadt" will das Rathaus die Chemnitzer für das Thema sensibilisieren und auf mögliche Konsequenzen bei Verstößen hinweisen. Die Karten werden laut Bürgermeister Runkel in der Stadtverwaltung und weiteren öffentlichen Einrichtungen ausgelegt. (micm)

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 4 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    3
    Interessierte
    26.06.2019

    Das finde ich mal als eine gute Idee , alles was hier aufgezählt wird in der Polizeiverordnung , ist richtig ...
    Die Zigarettenkippen überall regen mich auch auf , wenn die Straßen eine Wölbung haben , liegen die überall an den Bordsteigen , das ist aber erst in den letzten Jahren so extrem schlimm - sind denn die Jugendlichen ´von heute` größere Raucher , oder wird nicht mehr genügend gereinigt ?



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