Kein Stadtfest: Reaktionen auf die Absage

Bedauern und Hoffnung auf ein neues Format für die Feier im Herzen der Stadt bestimmen die Äußerungen nach der Entscheidung. Der Vertreter einer Branche hofft dagegen auf eine Neuauflage im kommenden Jahr.

Fehlende Wirtschaftlichkeit, Sicherheitsrisiken und die Befürchtung weiterer Imageverluste für die Stadt haben den langjährigen Veranstalter des Stadtfestes, die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (CWE), dazu bewogen, die dreitägige Feier in diesem Jahr abzusagen.

Bei den Fraktionen im Stadtrat stößt die Entscheidung auf ein unterschiedliches Echo. Die Absage wird bedauert, gleichzeitig wird auf die Chancen verwiesen, die ein neues Format und andere Feste wie etwa das Hutfestival bieten. "Es wäre dieses Jahr das 25. Stadtfest gewesen - ein schönes Jubiläum. Aus diesem Grund bedauern wir die Absage", teilte Solveig Kempe, Stadträtin der Fraktionsgemeinschaft CDU/FDP mit. Sie hofft auf neue Feste, die möglichst über mehrere Wochen stattfinden, um die City nachhaltig zu beleben. Dieter Füsslein vom Fraktionsvorstand verweist auf den Parksommer, der bewiesen habe, dass man die Chemnitzer mit einem abwechslungsreichen Programm in die Innenstadt locken könne.


Die Absage sei für ihn nachvollziehbar, er hätte jedoch anders entschieden, erklärte Dietmar Berger. Der Linke-Stadtrat ist stellvertretender Vorsitzender des CWE-Aufsichtsrates. "Ich habe Bauchschmerzen mit der Entscheidung, weil es ein Fest für die Chemnitzer ist, das nun ausfällt", sagte Berger. Andererseits könne er Befürchtungen nachvollziehen, dass ein Stadtfest 2019 von der rechten Szene möglicherweise als Trauerveranstaltung nach dem Tod von Daniel H. im Vorjahr instrumentalisiert worden wäre.

"Keine Bauchschmerzen" hat dagegen SPD-Fraktionsvorsitzender Detlef Müller mit der Absage. Der Tod von Daniel H. sei für immer mit dem Stadtfest verknüpft, deshalb sei es Zeit für neue Angebote. "Vielleicht ein kleineres Fest, das nicht über drei Tage geht", sagte Müller. Ähnlich sieht es Thomas Lehmann, Fraktionsvorsitzender der Bündnisgrünen. Das Veranstaltungsformat des Stadtfestes sei überholt, betonte er. Bei Veranstaltungen wie dem Parksommer, dem Hutfestival und der Fête de la Musique sollten die Organisatoren Anleihen nehmen, schlägt Lehmann vor. Zudem solle das neue Konzept mit den Chemnitzern gemeinsam entwickelt werden.

Die Absage des Stadtfestes werde sich für den Handel in der Innenstadt nicht negativ auswirken, erklärte Jörg Knöfel, Centermanager der Galerie Roter Turm. Das Stadtfest sei für den Handel in der City "umsatztechnisch nicht relevant" gewesen. Die Entscheidung der CWE sei jedoch nachvollziehbar, sagte Knöfel, der auch im Einzelhandelsausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) mitarbeitet. Er sehe darin eine Chance für etwas Neues, um analog zum Hutfestival neue Akzente zu setzen.

Er habe mit der Absage des Stadtfestes gerechnet, sagte Schausteller Klaus Illgen. Die Organisation der Rummelmeile mit rund 50 Fahrgeschäften sei ein Meilenstein seiner Lebensgrundlage gewesen. Wie die Organisatoren hätte auch er mehr Sicherheitspersonal als in den Vorjahren auf dem Stadtfest 2019 für nötig gehalten. Dass für die Finanzierung keine Sponsoren gefunden wurden, wundere ihn nicht. Viele Firmen hielten sich zurück, ihren Namen für etwas herzugeben, das medial so schlecht dargestellt werde wie das Stadtfest, so Illgen. Er schaue aber positiv in die Zukunft und hoffe, dass es 2020 wieder ein Stadtfest gibt. Genügend Anfragen von Fahrgeschäften aus dem gesamten Bundesgebiet gebe es, sagte Illgen. Er müsse sogar Absagen erteilen. "Das Chemnitzer Stadtfest hat einen sehr hohen Stellenwert in der Branche."

Im Internet wird die Absage unterschiedlich kommentiert. Auf der Seite der "Freien Presse" schreibt ein Nutzer: "Ich finde es echt traurig, dass solche Schritte heutzutage notwendig sind." Ein anderer urteilt: "Das ist nicht wirklich ein Verlust, zumindest nicht für mich samt Familie. Das Stadtfest hatte schon seit vielen Jahren den Anstrich des kommerziellen Handels. Da doch lieber Festivitäten, die kulturell bereichern. Hutfestival oder Fête de la Musique zum Beispiel sind da sehr viel ansprechender."

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    2
    ths1
    21.03.2019

    Geld ist eben ein scheues Reh.

  • 29
    13
    Mike1969
    21.03.2019

    Ich bin geschockt! Wegen was wird das Stadtfest abgesagt? Wegen den Erfahrungen der letzten Jahre? Irre. Da kommen die "Hilfesuchenden" und wir verlieren unser Stadtfest? Was soll das jetzt? Da habe ich aber nun wirklich kein Verständnis dafür! Sorry.



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