Kinder- und Jugendhaus künftig auch Seniorentreff

Vertreter der älteren Generation waren in dem Klub schon immer willkommen. Nun gibt es für sie eigene Veranstaltungen.

Ebersdorf.

Ein Jugendtreff, in dem Rentner ein- und ausgehen? An dieses Bild wird man sich an der Otto-Planer-Straße in Ebersdorf wohl gewöhnen müssen. Das zumindest lässt die Resonanz auf die erste Veranstaltung vermuten, zu der die Einrichtung am Freitagnachmittag mit Blick auf ein neues, regelmäßiges Angebot eingeladen hatte. Denn in dem Kinder- und Jugendhaus "VIP Junior" ist neuerdings auch ein Treff für ältere Semester zu Hause - "VIP Senior".

An drei Tagen pro Woche sollen dort künftig Rentner aus Ebersdorf auf ihre Kosten kommen. Die Räume, in denen die Veranstaltungen für sie schwerpunktmäßig angeboten werden, ähneln einem Café. Für den Anfang sind unter anderem Kreativ- und Basteltage, gemeinsames Musizieren, Leserunden und ein Nachmittag zur Geschichte des Stadtteils geplant, schildert Nanni Zeuner, die Leiterin des von einem vergleichsweise kleinen Verein getragenen Kinder- und Jugendhauses.

Aber wie kommt es, dass sich in einem Stadtteil, in dem überdurchschnittlich viele Kinder und Jugendliche leben, ein Jugendtreff verstärkt Senioren zuwendet? Die Idee sei keineswegs neu, sagt Nanni Zeuner. Schon seit 2001 habe es immer wieder gemeinsame Veranstaltungen mit älteren Ebersdorfern gegeben. "Verschiedene Generationen zusammenzubringen, um Verständnis füreinander zu entwickeln, das gehört bei uns dazu", so Zeuner. Nicht zuletzt allein lebende Senioren, oft mit schmaler Rente, seien dankbar für Angebote zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und sinnvolle Freizeitgestaltung. Mit Unterstützung des Sozialamtes der Stadt, das der Einrichtung eine zusätzliche Mitarbeiterin für den Seniorentreff finanziert, werde dem Anliegen nun im Rahmen eines Modellprojektes Rechnung getragen.

Aber kann das gut gehen, Jung und Alt unter einem Dach? Ja, sagt Ursula Raithel. Sie ist über 70 und zählt schon seit Längerem im Haus zu den ehrenamtlichen Mitstreiterinnen. "Viele ältere Leute freuen sich, wenn sie Kinder um sich herum haben", schildert sie ihre Erfahrungen. "Vor allem, wenn die eigen Enkel weit weg wohnen." Sie selbst sei über ihr Urenkel und die Betreuung eines Pflegekindes auf den Klub gestoßen und in den zurückliegenden Wochen fast jeden Tag dagewesen, um mitzuhelfen. "Mich haben schon viele ältere Ebersdorfer angesprochen: Wann geht es denn nun los?", sagt sie. Nun hoffe sie, dass sich neue Runden finden, vielleicht auch manche Freundschaft neu entsteht.

Zum ersten Nachmittag bei Kaffee und Kuchen am Freitag war in dem Kinder- und Jugendhaus schon ordentlich was los. Die ersten Gäste, die sich trotz Schnees und Glätte auf den Weg gemacht hatten, fanden sich bereist eine knappe halbe Stunde vor Beginn am Einlass ein. Gewundert hat sich darüber kaum jemand. "Es gibt ja sonst nicht mehr viel für uns hier im Stadtteil", so eine der Besucherinnen am Tor.

Geöffnet hat der Klub "VIP Senior" an der Otto-Planer-Straße 6 dienstags und donnerstags von 9 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr, mittwochs von 16 bis 20Uhr.

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4Kommentare
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  • 9
    1
    CPärchen
    12.01.2019

    Verstehe gar nicht, warum das schlecht gemacht wird. Da sind u.a. Ehrenamtliche tätig, was heißt, dass dort lebende Menschen das aktiv wollen und es erhöht die Attraktivität des Stadtteiles. Ein gewinnorientiertes Café kann schwer arme Rentner mit Jugendlichen zusammenbringen, die ebenfalls wenig Geld haben.

  • 1
    5
    franzudo2013
    12.01.2019

    Es gibt ja auch Volkshochschule für Senioren. Weder kommt der Strom aus der Steckdose, noch kommt das Geld vom Staat. Jeder Euro muss von jemandem erarbeitet werden, bevor verteilt werden kann.

  • 6
    12
    franzudo2013
    12.01.2019

    Öffentlich geförderte Konkurrenz zu allen privat geführten Cafés und Gaststätten.
    Passt hervorragend zur Meldung, dass immer mehr Selbständige in soziale Not geraten.
    Dann wird sich noch gewundert, warum es immer weniger Gaststätten gibt.

  • 5
    4
    Blackadder
    12.01.2019

    Bei dieser Überschrift hab ich gedacht: Chemnitz in einem Satz zusammengefasst.



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