Kinobetreiber der Filmbühne in Mittweida beantragt Insolvenz

Während ein Verwalter die Sanierung der Firma prüft, flimmern auf der Leinwand weiter Filme - Happy End nicht ausgeschlossen.

Mittweida.

Die Betreiber der Kinos in Mittweida und Annaberg-Buchholz,Ronny und Claudia Leibelt, haben wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ihrer Firma ein Insolvenzverfahren beantragt. Ronny Leibelt erklärt die finanzielle Schieflage mit der hohen Kreditbelastung durch Investitionen in die Mittweidaer "Filmbühne" auf der einen Seite und geringen Einnahmen im ersten Halbjahr dieses Jahres auf der anderen Seite. Ein Engpass, der sich durch weitere kurzfristige Kredite nicht ausgleichen ließ. Nun hofft er auf eine Sanierung seiner Firma per Insolvenzverfahren.

Doch noch ist es nicht soweit. Nach einer Entscheidung des Amtsgerichts Chemnitz ist ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet worden. Der vom Gericht bestimmte vorläufige Insolvenzverwalter, Frank-Rüdiger Scheffler von der Kanzlei Rechtsanwälte Tiefenbacher Chemnitz, fungiert gleichzeitig als Gutachter. Seine Mitarbeiterin Annett Barth erklärt das weitere Vorgehen: Die Konten der Kinobetreiber sind seit 22. Juni eingefroren. Geld fließt derzeit nur über ein von Scheffler eröffnetes Konto. "Das Gericht hat einen Zustimmungsvorbehalt angeordnet", sagt Barth. Das bedeutet: Die Firma muss sämtliche Zahlungen, etwa für Strom oder Wasser, vom Insolvenzverwalter genehmigen lassen. Die Kanzlei suche nach Möglichkeiten einer finanziellen Sanierung der Firma. Dazu werde ein Gutachten zu den Vermögensverhältnissen des Unternehmens erstellt. Dabei verschaffen sich die Kanzlei-Mitarbeiter einen Überblick über das Vermögen der Firma und die bestehenden Verbindlichkeiten wie zum Beispiel Kredite.

Besucher dürften nichts vom Verfahren merken, denn der Geschäftsbetrieb laufe weiter. Löhne und Gehälter der Mitarbeiter bezahlt die Bundesagentur für Arbeit mit dem Insolvenzgeld. Aktuell betroffen sind zwei festangestellte Beschäftigte sowie elf Aushilfskräfte.

Zuletzt ließen Leibelts einige Abendvorstellungen ausfallen, aber in den nächsten Tagen wollen die Betreiber zu den gewohnten Vorstellungszeiten nachmittags und abends in den beiden Kinos in Mittweida und Annaberg mit je drei Sälen und mehr als 300 Plätzen zurückkehren. Im zweiten Halbjahr werde das Kinogeschäft wieder besser laufen, glaubt Ronny Leibelt und ist optimistisch, dass der Betrieb weitergehen kann.

Beim Besucherrückgang in den vergangenen Monaten handele es sich um ein saisonales Tief, von dem auch andere Kinos betroffen seien. Das geringe Angebot an Familienfilmen - die sonst die Besuchermagnete seien - habe neben dem lang anhaltend sonnigen Wetter und der Fußball-WM zum Einbruch bei der Besucheranzahl geführt.

Ein solches Auf und Ab sei nicht neu. Doch im Fall der Leibelts drückt die Schuldenlast nach Investitionen: Bereits 2013 wurde digitale Filmvorführ-Technik in Mittweida sowie in Annaberg eingebaut. Das habe rund 600.000 Euro gekostet.

Zudem mussten die Inhaber seit 2012 in das Art-Déco-Gebäude an der Theaterstraße in Mittweida investieren. Rund 240.000 Euro flossen im ersten Abschnitt hauptsächlich in den Brandschutz. Nötig war dies, um Auflagen zu erfüllen, nachdem der große Saal vor sechs Jahren vorübergehend gesperrt wurde. Etwa 161.000 Euro Zuschuss aus der Städtebauförderung steuerten Freistaat und Stadt bei. Danach wurden Foyer und Treppenaufgang erneuert, was weitere 32.000 Euro kostete (davon 21.000 Euro Zuschuss).

Um die Zuschüsse sorgt sich Oberbürgermeister Ralf Schreiber nicht, die Investition in das Haus sei nötig gewesen. Er hoffe, dass der Kinobetrieb erhalten werden kann. "Denn das ist ein Bestandteil des kulturellen Angebots in der Stadt. Wir stehen in Kontakt mit allen Beteiligten des Verfahrens", so Schreiber.

Das eigentliche Insolvenzverfahren folgt frühestens am 1. September. Ob die Kinos dann noch geöffnet haben, hänge davon ab, ob kostendeckend gearbeitet werden könne, so die Mitarbeiterin des vorläufigen Insolvenzverwalters.


Kommentar: Totgesagte leben länger

Kleine, eigenständige Filmtheater tun sich schwer, in Konkurrenz zu Internet-Streaming-Diensten und großen Kinoketten zu überleben. Da scheint es überraschend, dass sich die Mittweidaer Filmbühne so lange am Markt der Freizeitangebote gehalten hat.

Das ist auch dem Enthusiasmus der Betreiber zu verdanken, die das oft schon totgesagte Geschäftsmodell Kino nicht aufgegeben haben und die Investitionen in Haus und Digitaltechnik nicht scheuten. Das erfordert Mut, der belohnt werden könnte, wenn die Mittweidaer wieder öfter den Weg ins Kino finden. Da gibt es Parallelen zu Restaurants und Geschäften im ländlichen Raum, die erst vermisst werden, wenn sie geschlossen sind.

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