Kinochef plant schon nächsten Umbau

Olaf Müller vom Apollo-Filmtheater ist als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet worden. Geehrt wurde auch Zoo-Professor Klaus Eulenberger. Oberbürgermeister Jesko Vogel sieht bei der Kultur in der Stadt noch viel Potenzial.

Limbach-Oberfrohna.

Zwischen 22 und 23 Uhr kehrt Ruhe ein im Apollo-Kino in Limbach-Oberfrohna. Spätvorstellungen gibt es nicht, Besucher und Mitarbeiter gehen nach Hause. Trotzdem kommt es manchmal vor, dass ein einzelner Herr erst am frühen Morgen das Gebäude an der Jägerstraße verlässt. Es handelt sich um den Chef höchstpersönlich, Olaf Müller. "Wenn mich ein Film interessiert, gucke ich ihn mir nachts allein im Kino an. Da kann ich lauter machen", erzählt der 43-Jährige und lacht. Wenn es zum Genre passt, etwa bei Actionfilmen, mag Müller einen satten Sound.

Dafür bietet sich seit dem vergangenen Jahr das Kino eins an, dem mit knapp 180 Plätzen größten der drei Säle. Müller hat eine Surround-Tontechnik einbauen lassen. Stimmen, Musik und andere Geräusche erreichen die Zuschauer jetzt nicht nur von vorn, hinten, links und rechts, sondern auch von oben. Zudem hat sich die Anzahl der Lautsprecherkanäle deutlich erhöht, sodass der Klang viel feiner ausdifferenziert werden kann. Die Resonanz der Besucher ist laut Müller äußerst positiv. Auch er selbst hat den Sound schätzen gelernt, zuletzt im Film "Bohemian Rhapsody", einer Biografie über den verstorbenen "Queen-Sänger" Freddie Mercury. "Den Film habe ich mir schon 16-mal angesehen", sagt der Kinochef.

Der Limbacher hat nicht nur in neue Technik investiert, sondern auch in neue Sitzreihen und neue Fußböden. Zwei der drei Kinosäle haben so ein anderes Aussehen erhalten. Gut 500.000 Euro hat die Modernisierung insgesamt gekostet. Es war das größte Umbauprojekt seit der Umstellung von analoger auf digitale Abspieltechnik, die Müller Anfang dieses Jahrzehnts mithilfe von Fördermitteln umsetzen konnte. Dass er auf diese Weise das traditionsreiche Filmtheater aus dem Jahr 1928 fit für die Zukunft macht, ist ein Grund dafür, dass er am gestrigen Freitagabend beim Neujahrsempfang in der Stadthalle als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet wurde.

Mit der Ehrung wird auch Müllers Beitrag zum kulturellen Angebot in der Stadt gewürdigt. "Ein Kino hält einen Ort am Leben", stellt er fest. Der Chef von einer Angestellten sowie fünf Minijobbern verweist darauf, dass die beiden Cafés rund um den Johannisplatz davon profitieren, dass Besucher vor und nach den Vorstellungen bei ihnen einkehren. Das Apollo-Kino ist ein Ort der Begegnung, weil Müller nicht nur Filme zeigt, sondern das Haus auch für Firmenveranstaltungen öffnet und Musiker und Kabarettisten einlädt. Seine Kontakte in die Szene ließ er auch gestern Abend spielen: Statt zu einer langen Dankesrede auszuholen, präsentierte er den Dresdner Komiker Matthias Machwerk als Überraschungsgast, der das Publikum mit einem halbstündigen Programm unterhielt.

Dass Olaf Müller zu dem wurde, was er heute ist, hat er maßgeblich dem früheren Kinochef Günther Richter zu verdanken, der gemeinsam mit seiner Frau Angelika beim Neujahrsempfang die Laudatio auf seinen Nachfolger hielt. Müller ist gelernter Maurer, wurde aber in den 1990er-Jahren arbeitslos. Da er sich schon immer für Kino und Filme interessierte, ließ ihm Richter eine inoffizielle Ausbildung angedeihen: Der damalige Chef des Apollo-Kinos führte Müller nicht nur in die Vorführungstechnik und den Einkauf von Filmen ein, sondern brachte ihm auch die Buchhaltung bei. Mit diesem Rüstzeug führte Müller anschließend Kinos in Aue und Merseburg bei Halle, bevor er 2007 Richter vorschlug, als Selbstständiger das Apollo-Kino zu übernehmen. Richter hatte schon auf eine entsprechende Offerte gehofft, die beiden Freunde wurden sich schnell einig.

Innerhalb von gut zehn Jahren hat Müller die jährliche Besucherzahl von 30.000 auf etwa 50.000 gesteigert. Der erfolgreichste Film in dieser Zeit war "Honig im Kopf" mit 7300 Zuschauern vor "Ice Age 4" mit 6000 Besuchern. Um den Gästen auch weiterhin ein angenehmes Ambiente bieten zu können, schmiedet Müller, der in einer festen Beziehung lebt, schon die nächsten Modernisierungspläne. Sie betreffen unter anderem die graue Fassade, die derzeit nicht den attraktivsten Eindruck macht. Müller: "Ich könnte mir eine bunte Leuchtreklame vorstellen."

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
1Kommentare
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  • 2
    0
    cuzco6170
    12.01.2019

    Ist wirklich toll geworden.Chapeau für diese Leistung.



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