Kita schafft Platz für Kinder mit Handicap

In Oberfrohna sollen ab Jahresende junge Mädchen und Jungen mit schweren Behinderungen betreut werden. Nicht nur deswegen laufen in dem Gebäude Umbauarbeiten.

Eine etwa 100 Jahre alte Villa links, ein Gebäude aus DDR-Zeiten rechts, eine moderne Glasfassade dazwischen: Die Kita Lindenstraße weist einen Mix an Baustilen aus verschiedenen Epochen auf.
Im neuen Verbindungsbau der Kita Lindenstraße in Limbach-Oberfrohna verlegen Handwerker Kabel. Bis zum Spätsommer soll in dem Gebäudeteil, der zugleich den Eingangsbereich bildet, der Innenausbau abgeschlossen sein. Der Zugang zum Garten (hinten) wird als Amphitheater gestaltet.
Thomas Buhl - Geschäftsführerder Behindertenhilfe

Für Sie berichtet: Johannes Pöhlandt

Wer derzeit auf der Lindenstraße in Limbach-Oberfrohna unterwegs ist, sieht die dort ansässige Kindertagesstätte oft vor lauter Baumaschinen nicht. Fahrzeuge und ein Container stehen vor der Integrativ-Kita, die von der Behindertenhilfe betrieben wird. Ursache sind gleich zwei Baumaßnahmen: Erstens wird eine etwa 100 Jahre alte Villa, die zur Kita gehört, als Betreuungsort für eine heilpädagogische Gruppe hergerichtet. Und zweitens wird die Villa über einen gläsernen Verbindungsbau an die übrigen Räume der Einrichtung angeschlossen.

"Die Idee einer heilpädagogischen Gruppe gibt es schon lange", sagt Behindertenhilfe-Geschäftsführer Thomas Buhl. Bislang fehle ein solches Angebot in Limbach-Oberfrohna. Kleine Kinder mit schweren geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen müssen nach Hohenstein-Ernstthal oder andere Städte in der Region gebracht werden. Lange Fahrzeiten für die Kinder und ihre Eltern sind die Folge, erklärt Buhl. Nun ist die Gelegenheit günstig, das Projekt in Oberfrohna umzusetzen, auch weil Fördermittel bewilligt worden sind.

Schon ab Jahresende sollen bis zu acht Kinder mit Förderbedarf an der Lindenstraße betreut werden. In der Villa werden neben Gruppen- und Schlaf- auch Therapieräume eingerichtet. Zu diesem Zweck werden Wände verschoben, das Haus erhält neue Fenster und neue Elektrik. "Die Technik befand sich zum Teil noch auf dem Stand des frühen 20.Jahrhunderts", macht Buhl deutlich. Die behinderten Kinder sollen aber keineswegs in der Villa unter sich bleiben. "Es gibt dort Rückzugsmöglichkeiten, aber sonst machen sie mit den anderen Kindern alles zusammen", erklärt der 53-jährige Geschäftsführer. Ziel sei ein hohes Maß an Integration.

Auch direkt neben der Villa haben zurzeit die Handwerker das Sagen. Sie bohren Löcher in die Wände und verlegen Kabel. Der Verbindungsbau ist zwar außen fertiggestellt, doch die Innenarbeiten laufen noch. Im Spätsommer soll alles abgeschlossen sein. Der Neubau wurde nötig, weil der Vorgängerbau marode und wenig funktional war. Künftig fungiert das dreistöckige Gebäudeteil auch als Eingangsbereich. Die breiten Treppenstufen zum Garten bilden zugleich ein kleines Amphitheater. "Hier können Geburtstagsfeiern oder Filmvorführungen stattfinden", erläutert Buhl. Zu konkreten Kosten für die Bauvorhaben macht er keine Angaben.

Die stellvertretende Kita-Leiterin Elke Schäfer begegnet den Bauarbeiten mit viel Pragmatismus. "Manchmal gibt es ein bisschen Lärm, aber sonst ist es nicht dramatisch", sagt die 53-Jährige. Der Betrieb in der Kita mit derzeit knapp 120 Kindern laufe normal, die 17 Erzieherinnen hätten sich an die Baustelle gewöhnt. Das könnte daran liegen, dass die Einrichtung bereits seit 2009 schrittweise und mit einigen Pausen modernisiert wird. "Im nächsten Jahr feiern wir zehnjähriges Baustellenjubiläum", scherzt Schäfer. Etage für Etage wurden die Gebäudeteile, die aus DDR-Zeiten stammen, umgebaut und gedämmt. So mussten die Erzieherinnen und Kinder bereits mehrmals die Räume wechseln. Schäfer freut sich darauf, dass der aktuelle Bauabschnitt bald abgeschlossen ist. "Mit dem neuen Foyer haben wir endlich einen richtigen Eingang." Die Mitarbeiterinnen könnten es kaum erwarten, bis ein größerer Besprechungsraum zur Verfügung steht, der in der oberen Etage des Verbindungsbaus eingerichtet wird. "Im derzeitigen Besprechungsraum geht die Tür nicht mehr zu, wenn alle drin sind", sagt die Kita-Leiterin.

Auch Kay-Uwe Langenhagen vom Elternrat betrachtet die Bauarbeiten mit Wohlwollen. "Es wird eine super Kita sein, wenn alles fertig ist", stellt er fest. Für die Sanierung in Etappen hat der Vater von zwei Kindern Verständnis: "Alles auf einmal zu machen, geht ja bei laufendem Betrieb nicht." Die Kinder können nach Langenhagens Beobachtung sogar der Bauphase etwas Positives abgewinnen. "Sie haben immer etwas zum Staunen, wenn ein Bagger oder ein Betonmischer vorfährt."

Wenn Verbindungsbau und Villa fertig sind, folgt als nächster Schritt die Trockenlegung der Gebäudeteile aus DDR-Zeiten. Der Stadtrat hat bereits einen entsprechenden Beschluss gefasst. Derzeit sind die Kellerräume feucht und können nur teilweise als Lager und Werkstatt genutzt werden. Nach Buhls Angaben ist der Schritt nötig, um Folgeschäden am Mauerwerk zu vermeiden. Die Mädchen und Jungen der Kita werden also auch nach Ende dieses Jahres noch Baumaschinen bewundern können.

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