Kita-Schließung abgewendet - Stadt beteiligt sich an Neubau

Wegen Platzmangels gibt es einen Aufnahmestopp in einem Kindergarten in Burgstädt. Zeitweise drohte sogar die Schließung. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab, die aber auch skeptisch gesehen wird.

Kita-Leiterin Gabriele Reinhold und Gemeindepastor Tobias Zöllner auf dem Gelände des Kindergartens Lebensbaum. Im rechten Winkel in Form eines L soll an das vorhandene Gebäude (hinten) ein Anbau erfolgen. Der Betreiberverein erhält dafür jetzt die notwendige Hilfe von der Stadt Burgstädt.

Für Sie berichtet: Bettina Junge

Der gläserne Sitzungssaal im Rathaus Burgstädt mit 80 Plätzen stieß am Montagabend zur Sitzung des Stadtrates an seine Kapazitätsgrenzen. Immer wieder mussten Stühle herbeigeschafft werden. "So viele Teilnehmer hatten wir noch nie", sagte Bürgermeister Lars Naumann (Freie Wähler). Schnell hatte er den Grund ausgemacht: Auf der Tagesordnung stand der Weiterbestand der Kita Lebensbaum, einer Einrichtung der Evangelisch-Kirchlichen Gemeinschaft.

Vor 92 Jahren hatten Diakonissen den Kindergarten gegründet. Die Kapazität wurde auf aktuell 60 Plätze erweitert. Aber mehr Möglichkeiten bietet das Gebäude nicht. "Es geht schon immer beengt zu", sagte Kita-Leiterin Gabriele Reinhold. "Die Kleinen müssen mittags auf Matratzen auf dem Boden schlafen, weil der Platz fehlt", so eine Mutter. Aufgrund des fehlenden Platzes sei es nicht möglich, Schlafräume oder Waschräume mit Einzelwaschbecken einzurichten. Deshalb können auch erst Kinder ab einem Alter von zwei Jahren aufgenommen werden. Weil es nur ein schmales Treppenhaus gibt, dürfen Kinder mit Gehbehinderung nicht betreut werden.

Bürgermeister Naumann schilderte zur Sitzung die Bemühungen der Stadt: Seit Frühjahr 2015 gibt es Pläne für die Erweiterung der Einrichtung. Zuerst wurde ein Nachbargrundstück gekauft. Doch es gab für die Finanzierung eines Neubaus keine Fördermittel. Mehrfach wurden Anträge gestellt, so Naumann. Schließlich habe das Landesjugendamt bei einer Prüfung vor Ort veranlasst, dass keine Neuzugänge mehr aufgenommen werden dürfen. Perspektivisch dürften wegen der Beengtheit nicht mehr 60, sondern nur noch 35 Kinder betreut werden. Dann hätten wir die Einrichtung schließen müssen, sagte Gemeindepastor Tobias Zöllner. "Ein Weiterbetrieb mit 35 statt 60 Plätzen ist wirtschaftlich nicht vertretbar."

"Doch das können wir nicht verantworten", ergänzte Bürgermeister Naumann. Das Aus der Kita würde sich nachteilig für die Stadt auswirken. Burgstädt hat sieben Kindereinrichtungen, die von vier Trägern betreut werden. Außer dem Haus Lebensbaum befinden sich alle Gebäude im Eigentum der Stadt. Hinzu kommen zwei Tagesmütter. Mit der Schließung würden notwendige Betreuungsplätze fehlen.

Deshalb habe sich die Stadt entschlossen, den notwendigen Anbau mit Kosten von 2,6 Millionen Euro zu unterstützen. Es wurden drei Varianten geprüft: Weiterbetrieb bis zur Schließung und Ausweichen auf andere Kommunen, Schließung und Neubau einer Kita über die Stadt mit einer neuen Ausschreibung der Trägerschaft oder Neubau durch die Evangelisch-Kirchliche Gemeinschaft mit Hilfe der Stadt.

Der Bürgermeister schlug letztere Variante vor. Diese sieht vor, dass der Träger einen Kredit in Höhe von maximal 1,5 Millionen Euro aufnimmt. Die Stadt zahlt dem Betreiber neben den Betriebskosten einen monatlichen Mietzuschuss, um 90 Prozent der Kosten des Kredits zu decken. Den Restbetrag zahlt der Träger, indem er Stiftungs- und Spendengelder akquiriert. Naumann sprach von einer großen Herausforderung, denn der Eigenanteil für den Träger liege im kleinen sechsstelligen Bereich. Außerdem wolle die Stadt beim Beantragen von Fördermitteln helfen.

Bedenken meldete CDU-Stadtrat Jürgen Gehrke an, weil er nicht wisse, wie die Stadt das zusätzliche Geld aufbringen könne. Angesichts der Baupreisexplosion müsse das Risiko begrenzt werden, sagte er. Naumann bestätigte, dass das Risiko da sei. "Aber jede andere Variante wäre teurer geworden und langsamer zu erfüllen", sagte er. Jetzt müsse geprüft werden, welche Projekte dafür gestrichen werden. Bernd Lehmann von den Freien Wählern erinnerte an die Pflichtaufgabe der Stadt. Ein Anbau sei in jedem Fall preiswerter als ein Neubau, ergänzte er. Zugleich dankte er dem Kita-Personal mit seinem pädagogischen Konzept, das anerkennenswert sei. Dem pflichtete Volker Gerhardt von der Fraktion SPD/Handels- und Gewerbeverein bei. "Wir setzen größtes Vertrauen in die Arbeit", sagte er.

Einstimmig beschloss der Stadtrat die vorgeschlagene Vorgehensweise. Mit Beifall bedachten die Besucher den Beschluss. "Wir sind erleichtert", sagte Pastor Tobias Zöllner. Nun hoffe er, dass der Landkreis die notwendigen Fördergelder bereitstellt. Eine Entscheidung soll im Jugendhilfeausschuss am 5. November fallen. Der Verein verfügt zurzeit über Spenden in Höhe von 33.000 Euro. Um den Eigenanteil, der etwa zwischen 100.000 und 150.000 Euroliegt, zu stemmen, sei weiterhin Geld aus Stiftungen notwendig. Er glaube, mit Unterstützung der Stadt das Projekt umsetzen zu können. Wenn alles gut gehe, könne im Frühjahr 2019 mit der Ausschreibung der Arbeiten begonnen werden. Ziel sei es, ein zweistöckiges Gebäude mit einem Übergangsbau für Nebenräume sowie eine Krippe im Erdgeschoss und den Kindergarten im Obergeschoss zu etablieren. 15 neue Plätze sollen entstehen.

0Kommentare Kommentar schreiben