Kita vorübergehend geschlossen - Eltern kritisieren Betreiber

Das Advent-Kinderhaus in Bräunsdorf ist nach einer Krankheitswelle wieder geöffnet. Eine Mutter hat trotzdem mehrere Defizite ausgemacht und fordert Konsequenzen.

Bräunsdorf.

Die Nachricht der Stadtverwaltung Limbach-Oberfrohna ließ aufhorchen: In der Kita Advent-Kinderhaus in Bräunsdorf habe "das reguläre Betreuungsangebot" aufgrund von "erheblichen Krankheitsausfällen" nicht mehr aufrecht erhalten werden können, teilte das Rathaus in der vergangenen Woche mit. Das war noch euphemistisch formuliert: An einem Tag blieb die Einrichtung ganz geschlossen, wie der Träger, der christlich orientierte Verein Advent-Kindergarten, auf Anfrage einräumte. Das gesamte Personal habe sich krankgemeldet.

In der Kita, in der gut 100 Kinder in Krippe, Kindergarten und Hort betreut werden, sind nach Angaben des Landesjugendamtes als Aufsichtsbehörde mindestens neun Erzieherinnen und Erzieher beschäftigt. Wie kann es sein, dass alle zur selben Zeit krank sind? Diese Frage stellen sich vor allem die Eltern. Eine Mutter, die nach eigenen Angaben auch im Namen anderer Eltern spricht, sieht die Verantwortung bei der Geschäftsleitung. "Dort läuft grundlegend etwas schief", sagt sie.


Aus ihrer Sicht gebe es im Advent-Kinderhaus, das sich direkt neben der Evangelischen Grundschule befindet, gleich mehrere Ungereimtheiten, führt die Limbach-Oberfrohnaerin aus. So habe der Träger vor einigen Monaten fünf Familien per Aushang gebeten, ihr Kind künftig nicht mehr in Bräunsdorf, sondern in Oberfrohna betreuen zu lassen. Dort betreibt der Verein Advent-Kindergarten eine weitere Kita. Als Grund sei der Betreuungsschlüssel genannt worden, berichtet die Mutter, die selbst betroffen war. Das habe Fragen aufgeworfen: "Wurde also vorher der Betreuungsschlüssel nicht immer eingehalten?" Als mehrere Familien protestierten, habe der Betreiber das Anliegen verworfen. Als ein weiteres Ärgernis nennt die Mutter, dass in der Kita kaum etwas schriftlich fixiert werde. "Ich hätte das Anliegen, dass mein Sohn die Kita wechseln soll, gern schriftlich gehabt, habe aber nie etwas bekommen", sagt die Mutter.

Noch aus einem weiteren Grund hätten viele Eltern das Vertrauen in die Geschäftsleitung verloren, sagt die Mutter. In den vergangenen Monaten sei zwei Mitarbeitern des Advent-Kinderhauses gekündigt worden. In einem Fall sei eine mangelnde Qualifikation als Ursache genannt worden. "Dabei hat die Betroffene schon lange in der Kita gearbeitet", wundert sich die Mutter. Sie betont, dass sich ihre Kritik keineswegs an die Erzieherinnen und Erzieher richtet. "Mit ihrer Arbeit und dem gesamten Konzept sind andere Eltern und ich sehr zufrieden." Aber damit sich etwas ändere, sei aus ihrer Sicht eine personelle Veränderung in der Geschäftsleitung oder ein Trägerwechsel der richtige Weg. Die Probleme in Bräunsdorf waren auch Thema am Rande der Stadtratssitzung in dieser Woche. Über einen Trägerwechsel müssten die Lokalpolitiker entscheiden.

Die Mitarbeiter der Kita wollen sich zu den Vorfällen der vergangenen Monate nicht äußern. "Unser Fokus liegt jetzt darauf, wieder Stabilität in die Kita zu bringen und Vertrauen zurückzugewinnen", heißt es lediglich aus der Einrichtung. Die Betreuung der Kinder sei inzwischen wieder angelaufen, auch wenn nach wie vor mehrere Erzieherinnen fehlten.

Katrin Heiber, die zuständige Fachbereichsleiterin im Rathaus, hat in den vergangenen Tagen mehrere Gespräche wegen der Bräunsdorfer Kita geführt. "Der Träger muss seine Aufgabe erfüllen", betont sie. Die konkreten Vorwürfe der Eltern seien aber aus ihrer Sicht ungerechtfertigt. Unregelmäßigkeiten beim Betreuungsschlüssel oder bei der Qualifikation der Mitarbeiter seien ihr nicht bekannt. Auch das Landesjugendamt teilt auf Anfrage mit, der Träger sei in dieser Hinsicht nicht negativ aufgefallen. Trotzdem kann Heiber nach eigenen Angaben verstehen, dass Eltern verunsichert sind. "Falls Eltern ihr Kind deshalb lieber in der Kita eines anderen Trägers anmelden wollen, kann die Stadt bei der Suche behilflich sein", sagt die Rathaus-Mitarbeiterin.

Kita-Geschäftsleiter Manfred Denkert bestätigt auf Anfrage, dass mehrere Familien aus der Kernstadt gebeten wurden, ihr Kind künftig in Oberfrohna betreuen zu lassen. "Wir wollten Kinder aus Bräunsdorf aufnehmen, für die wir aber keinen Platz mehr hatten", erklärt er. Da die angesprochenen Familien aber ablehnten, habe sich nichts geändert. Mit Blick auf die Kündigung einer Mitarbeiterin räumt Denkert indes ein, dass eine nötige Qualifikation fehlte. Deshalb sei beim Landesjugendamt eine Einzelfall-Entscheidung beantragt worden, die noch nicht erfolgt sei.

Der Geschäftsleiter stellt zudem eine Änderung der Strukturen in Aussicht. "Wir haben aktuell Kontakt mit einem anderen Kita-Träger." Die Gespräche über eine eventuelle Kooperation befänden sich aber noch ganz am Anfang.

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