Kleingärtner müssen ihre Pflanzen vor Tieren schützen

Pächter von Parzellen in der Umgebung des Kaßbergs klagen über Schäden durch Rehe und Waschbären. Das Rathaus will jetzt Tipps geben.

Altendorf.

Es geht schon seit Jahren so, berichtet Brigitte Kindermann. Im Frühjahr und Sommer fressen Rehe alle frischen Triebe und Blüten ab, von Tulpen, Rosen, aber auch von Brombeeren und Kartoffeln. "Es lohnt sich gar nicht mehr, Blumen anzubauen", sagt die Pächterin eines Kleingartens in der Anlage "Kappler Hang", die in der Nähe der früheren Braustolz-Brauerei auf Altendorfer Flur westlich des Kaßbergs liegt. Im Winter knabbern die Tiere dann die Rinde von den Bäumen, schildert sie weiter. Ihr Mann Frank hat zum Schutz vor dem Wild Netze über Beete und Pflanzen gespannt. "Aber schön sieht das nicht aus", findet seine Frau.

Auch Frank Haubold, Vorstandsvorsitzender des Kleingartenvereins, kennt das Problem. "Viele Gartenfreunde konnten in diesem Jahr nicht eine einzige Bohne ernten", erzählt er. Verantwortlich dafür seien Rehe, die schon seit drei oder vier Jahren immer wieder in kleinen Rudeln von drei bis vier Tieren die Gärten heimsuchten. Aber auch Waschbären und Füchse seien schon in der Anlage gesehen worden und hätten Schäden angerichtet. Die Tiere kommen aus Richtung Kaßberg, ist er sich sicher. Sie hätten sich offenbar im Bereich des Nikolaifriedhofs an der Michaelstraße angesiedelt, dessen Besucher vor wenigen Jahren ebenfalls über Schäden durch Rehe geklagt hatten. Daraufhin waren die Mauern und Tore des Friedhofs durch zusätzliche Gitter erhöht worden. Die Kleingartenanlage "Grüner Hang" aber dürfe ihre Zugänge gar nicht mit Toren verschließen, weil sie als öffentliche Erholungsfläche gelte, erklärt der Vereinsvorsitzende. Hilferufe an die Stadtverwaltung seien bisher erfolglos geblieben. Im Stadtgebiet dürfe nicht gejagt werden, habe die Antwort gelautet.

Der städtische Kleingartenbeirat, dem Stadträte und sachkundige Einwohner angehören, will sich damit nicht mehr abfinden. In ihrer jüngsten Sitzung haben die Mitglieder über Möglichkeiten zur Vorbeugung gegen Wildschäden in Kleingärten diskutiert. "Es werden immer mehr Rehe und Waschbären, besonders in der Gegend des Kappler Hanges, aber auch in anderen Stadtteilen wie Röhrsdorf und Rottluff", sagt der Vorsitzende des Beirates, Stadtrat Hans-Joachim Siegel (Linke). Ursache seien aus Sicht der Kleingärtner nicht bewirtschaftete Grundstücke mit Wildwuchs, auf denen sich Wildtiere unbehelligt vermehren können. "Die Stadtverwaltung muss sich endlich überlegen, was sie dagegen unternimmt", sagt Siegel.

Möglichkeiten dafür wären aus Sicht des Kleingartenbeirates die Anschaffung von Fallen für Waschbären durch die Stadtverwaltung zum Verleihen an Kleingärtner und die Erhöhung der Anzahl vertraglich gebundener Jäger, die zum Töten von Wildtieren berechtigt sind. Außerdem sollten Kleingartenvereine wie der "Kappler Hang" beim Schließen von Umzäunungen finanziell unterstützt werden. "Für Anlagen, die offen bleiben sollen, gibt es Schwingtore", schlägt Siegel vor. Zudem müsse die Stadtverwaltung Lösungen zur Bewirtschaftung von Brachflächen finden. Dem Beiratsvorsitzenden zufolge habe das Rathaus diese Empfehlungen positiv aufgenommen. "Freie Presse" erhielt dafür bisher keine Bestätigung.

Auf Anfrage teilte die Stadtverwaltung lediglich mit, die Kommune sei für herrenlose Wildtiere im Stadtgebiet nicht verantwortlich, jeder Eigentümer oder Nutzer müsse sein Grundstück selbst davor schützen. Unterstützung dabei soll eine Broschüre geben, die gegenwärtig erarbeitet werde. Vorrang beim Schutz vor Wildtieren habe eine dichte Einzäunung des Grundstücks, wird empfohlen. Der Einsatz von Schusswaffen oder Gift scheide dagegen aus. Raubwild, darunter Füchse und Waschbären, dürften jedoch in Lebendfallen gefangen und anschließend Experten zur fachgerechten Tötung und Entsorgung übergeben werden, so die Stadtverwaltung. Verboten sei dagegen ein Wiederaussetzen oder Halten gefangener Waschbären.

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