Klettern, springen, turnen: Spielmeile im Küchwald eröffnet

Auf sechs neuen Geräten können sich Kinder ab sofort austoben. Von der Stange kommen die Spielelemente aber nicht.

Schloßchemnitz.

Was soll das sein?, ruft die achtjährige Emely den anderen Kindern zu, während sie auf einem von insgesamt drei hölzernen Bogen balanciert. Ein Regenbogen, schlägt ein Junge vor. Ein Mädchen erkennt hingegen Raupen. Auf die richtige Lösung kommt man hingegen nur mit viel Fantasie: Ein Ameisenhügel, in drei Teile geschnitten. Und tatsächlich: Beim Gewusel der rund 20 Zweitklässler fühlte man sich doch an eine Ameisenkolonie erinnert.

Die Jungen und Mädchen von der nahe gelegenen Schlossgrundschule durften die neu eröffnete Spielmeile im Küchwaldpark am gestrigen Freitag ausgiebig testen. Die erste der sechs Stationen besteht aus zwei in den Boden eingelassenen Trampolinen. Diese sind zwar keine Neuheit im Küchwaldpark, sie wurden aber im Zuge der Arbeiten an der Spielmeile repariert. "Es ist eigentlich traurig, dass das so lang gedauert hat", sagte Erzieherin Anja Becher. Umso schöner sei es, dass die Trampoline nun wieder nutzbar sind. Von der Begeisterung der Kinder ließ sich sogar Baubürgermeister Michael Stötzer anstecken: Der Grünen-Politiker hüpfte ebenfalls aufs Trampolin. "Springende Häschen" soll das Spielgerät ab sofort heißen.

Weiter ging es zu einer Holzkonstruktion, die den Namen "Pilz-Lichtung" trägt. Eine Rutsche ist daran montiert, die den Kindern aber viel zu kurz ist. Sie sprangen ein wenig auf dem Gebilde herum und zogen dann schnell weiter zur nächsten Station - die bei den Jungen und Mädchen richtig gut ankam. Es handelt sich um eine Art hölzerne Röhre, die auf Stelzen gebaut ist. Im ersten Moment erinnert sie an ein trojanisches Pferd, tatsächlich soll das Gerät aber einem Eichhörnchennest nachempfunden sein. Die beim Ameisenbau so skeptische Emely hatte ihr Lieblingsgerät gefunden. Hier kann sie klettern, krabbeln, springen und toben.

Als nächstes ging es zum Spinnennetz. Das besteht auf der Spielmeile im Küchwald aber nicht aus dünnen Fäden, sondern - wie die anderen Geräte auch - aus stabilen Holzbalken. Eigentlich habe sie ja Angst vor Spinnen, sagte die achtjährige Sophie. Auf dem Spielplatz sei das aber okay - da mache es ihr Spaß, mal selbst Spinne zu spielen. Auf dem Netz könne man gut turnen, das gefalle ihr. Einige der Kinder waren in dem Moment aber bereits in den Wald gerannt. Sie spielten mit tief hängenden Ästen und tollten zwischen den Bäumen umher. Danach stand die letzte Station an: ein Fuchsbau, der nicht wie im natürlichen Original unter-, sondern überirdisch angelegt ist. Damit auch Eltern künftig erkennen, welches Tier ihr Nachwuchs beim Spielen gerade nachahmt, sollen in den nächsten zwei Wochen noch Schilder aufgestellt werden, die über den Naturbezug der Geräte aufklären. Den Kindern ist das vermutlich egal. Was aber auch den Jungen und Mädchen helfen wird, sind Wegweiser, wie sie zur nächsten Station finden. Auch die fehlen bislang, sollen aber demnächst folgen.

Insgesamt 200.000 Euro sind in die Spielmeile investiert worden, sagte Baubürgermeister Stötzer bei der Eröffnung am Freitag. Davon kommen 150.000 Euro aus dem Förderprogramm "Brücken in die Zukunft" von Bund und Freistaat. Die Stadt hat die restlichen 50.000 Euro übernommen. Von dem Geld wurden auch zwei Metallpfeiler repariert, aus denen Wasser spritzt, wenn man auf ihnen herumspringt. Davon, dass sie nun wieder funktionieren, überzeugten sich die Kinder gestern ebenfalls.

Insgesamt zwei Monate wurde an der gesamten Spielmeile gearbeitet. Es wurden keine Geräte aus dem Katalog aufgebaut, sondern ausschließlich Unikate, die es so nirgendwo sonst gibt. Auch mehrere Kinder von der Schlossgrundschule haben ihre Ideen in die Gestaltung mit einfließen lassen. Laut Michael Stötzer waren Klassensprecher sämtlicher Jahrgänge mit einbezogen. Erzieherin Anja Becher findet, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann. Sie kündigte an, dass sie mit ihrer Hortgruppe in Zukunft regelmäßig auf der Spielmeile vorbeischauen werde.

Darauf hofft auch der achtjährige Julian. Er freue sich, dass das Trampolin zurück ist. Je mehr er davon erzählte, desto mehr geriet der Zweitklässler ins Schwärmen. Schließlich entschied er, dass seine Geduld nicht bis zum nächsten Schulausflug in den Küchwald reicht. "Ich werde meinen Freund fragen, ob wir heute Abend hier zusammen spielen wollen", sagte er und flitzte in Richtung des nächsten Gerätes.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    cn3boj00
    01.09.2018

    Ich habe mich sehr gewundert, als ich die - zum Teil noch eingezäunten - Gebilde im Küchwald entdeckt habe. Kinderspielgeräte oder Kunstwerke? Eigentlich habe ich eher an letzteres gedacht, dass es sich im eine Installation von hölzernen Plastiken handelt. Nun weiß ich, dass es eigentlich Spielgeräte sein sollen. Schön, letztlich ist das auch nebensächlich, auch wenn ich mich frage was Kinder mit 3 senkrecht in die Erde gesteckten 3m hohen Balken machen sollen.
    Und ich habe Zweifel, ob diese 200000 Euro wirklich gut angelegt sind. Es gibt ja viele Spielplätze, bei denen offenbar die Kunstgestaltung im Vordergrund steht, mit Unikaten von Holzbaufirmen oder -künstlern. Wenn sie neu sind sind sie toll. Nach 2 Jahren verwittert das Holz, nach 5 Jahren wird es morsch. Und dann wird es wieder eingezäunt, wegen Sicherheitsbedenken. Und nach 8 Jahren heißt es dann: eine Instandsetzung nicht möglich oder nicht wirtschaftlich. Ich bin gespannt.



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