Klima-Aktivisten demonstrieren am Heizkraftwerk

Ein neugegründetes Bündnis hat am Montag eine Kundgebung an der Anlage abgehalten. Deren Betreiber kündigt indes Umbauten an.

Der Plan ging nicht auf. Eigentlich hatten Klima-Aktivisten am Montagnachmittag in roter Bekleidung eine Menschenkette um das Heizkraftwerk an der Blankenburgstraße bilden wollen, um damit symbolisch eine rote Linie zu ziehen. Dafür hätte es mehrere tausend Teilnehmer gebraucht. Stattdessen versammelten sich 70 Frauen, Männer und Kinder, die schließlich mit einem langen roten Stoffband eine Runde um die Anlage liefen.

Hinter der Aktion steht eine Gruppe, die sich Klimagerechtigkeitsbündnis nennt. Sie hat sich laut einer Sprecherin vor einem halben Jahr gegründet und zählt rund 25 Mitglieder. Die Gruppe verstehe sich als parteiunabhängig. Man wolle darauf aufmerksam machen, dass die westliche Welt einen Großteil der Ressourcen nutze, die eigentlich allen Menschen auf dem Globus zustehen würden, erklärte die Sprecherin. Sie und ihre Mitstreiter haben einen Offenen Brief verfasst, den sie an Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig übergeben wollen. Zentrale Forderung des Papieres wie auch der Demo am Montag: raus aus der Kohle. So soll in Chemnitz bei der Energie- und Wärmeerzeugung deutlich vor 2029 auf Kohle verzichtet und stattdessen der Fokus auf regenerative Energien wie Windkraftanlagen und Solartechnik gelegt werden, heißt es. Die symbolische rote Linie sei als Schlussstrich unter die Kohlenutzung zu verstehen, so die Sprecherin des Bündnisses. Diese setzt sich in dem Offenen Brief zudem unter anderem für kostenlosen Nahverkehr und mehr Baumpflanzungen im Stadtgebiet ein.

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Der Betreiber des Kraftwerkes, das Unternehmen Eins, verweist auf Anfrage darauf, dass es zehn Photovoltaik- und fünf Windkraftanlagen betreibe. Wie hoch der Anteil der erneuerbaren Energien an der Strom- und der Wärmegewinnung ist, lasse sich auf die Schnelle nicht genau ermitteln, so ein Sprecher. Der Wert schwanke zudem. Nach älteren Angaben des Steinbeis-Transferzentrums stammten 2015 etwa neun Prozent des in Chemnitz erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen. Im Bundesdurchschnitt liegt dieser Wert aktuell bei etwa 40 Prozent. Eins hatte angekündigt, bis 2029 komplett aus der Nutzung von Braunkohle zur Strom- und Wärmeerzeugung auszusteigen. In wenigen Wochen soll der Bau eines Heizkraftwerkes beginnen, das mit Gas betrieben wird und Strom und Wärme liefern soll, sagt der Sprecher. Es soll einen von zwei Kohleblöcken des Heizkraftwerkes ersetzen. Um das Werk zu errichten, wurde eine Photovoltaikanlage abgebaut. Sie werde derzeit an anderer Stelle in gleicher Größe wiederaufgebaut und gehe Ende April wieder in Betrieb, so der Sprecher. Man plane zudem, im Gewerbegebiet Siegmar ein Holzkraftwerk zu errichten.

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