Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, Müdigkeit: Dieses Gerät warnt vor dicker Luft

Die Chemnitzer Erfindung geht jetzt in Serie und wird in einer großen Stückzahl produziert. Das Geld dafür sammelten die Erfinder über Crowdfunding ein - und nicht nur das.

Chemnitz.

Die Chemnitzer Entwickler des Luftanalysators Air-Q haben in den vergangenen acht Wochen mehr als 100.000 Euro Umsatz gemacht, obwohl es von ihrem Gerät erst einen Prototypen gibt. Über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter und ihren eigenen Onlineshop gingen mehr als 300 Vorbestellungen für verschiedene Varianten des Geräts ein, und zwar nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich, Frankreich, Belgien, Dänemark, Großbritannien, Rumänien und Japan. "Damit kann der Air-Q für den privaten und gewerblichen Einsatz in Büros in Serie gehen", sagt Mario Körösi, Geschäftsführer des Start-ups Corant, einer Ausgründung aus der TU Chemnitz.

Von außen mutet der Luftanalysator wie ein Discman an. Sein Inneres steckt voller hochwertiger Sensoren, die die Umgebungsluft und das Raumklima überwachen. Sauerstoff, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, flüchtige organische Verbindungen wie zum Beispiel Methan, Propan oder Aldehyde, Feinstaub, Stickoxide, Schwefeloxide, Ozon, Pollen- und Sporenbelastungen - die Konzentration all dieser Stoffe in der Luft misst das Gerät nicht nur. Es bewertet auch, wie sie sich auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Menschen auswirken. "Unser Gerät ist wie ein Beipackzettel für die Luft", sagt Körösi. Für den Überblick auf dem Handy oder Computer hat Mitgründer Alexander Stinka eine App entwickelt, die alle Daten zu einem Gesundheits- und Leistungsindex zusammenfasst - individuelle Tipps zur Verbesserung der Luftqualität inklusive. Zugleich werden Schalldruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck mit erfasst. Bei zu viel Rauch oder zu viel Kohlenmonoxid schlägt das Gerät Alarm. Es warnt aber auch rechtzeitig vor ganz "normaler" dicker Luft, die zu Kopfschmerzen, Konzentrationsproblemen oder Müdigkeit führen kann. "Studien belegen, dass ein zu hoher Gehalt bestimmter Stoffe in der Luft bei komplexen Aufgaben zu Leistungseinbußen von 30 bis 50 Prozent führt", sagt der 38-Jährige. "In einem kleinen Raum mit drei Mitarbeitern kann das schon nach einer Stunde passieren.


Ausgeliefert werden soll der Air-Q, der in seiner günstigsten Version für 339 Euro online angeboten wird, voraussichtlich im Dezember. Finanziert wird der Produktionsstart der Geräte aus den Einnahmen aus dem Crowdfunding und dem Onlineshop, da die Vorbesteller in Vorkasse gehen mussten. Angepeilt hatten Körösi und sein Team auf Kickstarter 50.000 Euro, am Ende setzten sie in den gut acht Wochen, die diese Kampagne auf der Plattform lief, Geräte für 71.000 Euro ab. Hinzu kamen die Umsätze mit dem Onlineshop. "Durch diese erfolgreiche Vorabverkauf ist es uns gelungen, einen Kredit über 500.000 Euro zu erhalten", sagt Körösi. "Das zeigt: Crowdfunding funktioniert, wenn man einen über den eigentlichen Betrag hinausgehenden Mehrwert generieren kann - etwa durch zusätzliche Kontakte, Marketingeffekt oder Verkäufe im eigenen Onlineshop."

Mit dem zusätzlichen Geld sollen nun zunächst einmal 2000 bis 2500 Air-Q produziert werden. Seit einer Weile arbeitet das Team um Körösi und Firmenmitbegründer Daniel Lehmann aber auch an einem Industriegerät, das bis zu zehn zusätzliche Sensoren aufnehmen kann, um die spezifischen Anforderungen einzelner Branchen abzudecken. Diese Entwicklung soll in den kommenden Monaten abgeschlossen werden.

"Alle Bauteile für den Air-Q kommen aus Sachsen", sagt Körösi. Auch mit der Montage und der Verpackung seien sächsische Firmen beauftragt worden. "Wir hatten Anfragen aus Osteuropa und Asien, die Geräte dort produzieren zu lassen, aber die tatsächlichen Kostenvorteile sind bei diesen Mengen zu gering, um ins Ausland zu gehen", so Körösi. "Außerdem fehlt das Vertrauen."

Ihr Wachstum finanzieren will die 2017 gegründete und preisgekrönte Firma Corant auch, indem weiteres Geld eingeworben wird. Durch die Crowdfunding-Kampagne seien Firmen auf die Entwicklung aufmerksam geworden, sagt Körösi. "Wir sind mit drei Firmen im Gespräch, die sich an unserer Firma beteiligen wollen." Zudem soll eine zweite Crowdfunding-Kampagne, die nun international ausgerichtet sein soll, den Umsatz steigern. "Die wird wohl im Dezember starten."

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