Kopfwäsche für Marx

Eine Spezialfirma hat die blaue Farbe vom Denkmal abgewaschen. Mehrere Stunden waren dafür nötig. Dennoch wurde gestern Unmut laut.

Annähernd 100 Grad heiß ist das Wasser gewesen, mit dem seit dem Morgen der Karl-Marx-Kopf gewaschen wurde. Die Stadt hatte eine Spezialfirma beauftragt, die das Denkmal von der blauen Farbe befreien sollte. In der Nacht zu Mittwoch hatten Unbekannte mindestens eine Flasche mit Farbe auf Marx geworfen. Vor allem Bart und Sockel schimmerten seither himmelblau.

Tomas Pados von der Reinigungsfirma sprach von handelsüblicher Wandfarbe, die sich verhältnismäßig leicht abwaschen lasse. Mit einem Hochdruckreiniger wurde das heiße Wasser in das Marx-Gesicht gesprüht. Die Kosten der Reinigung schätzt er auf etwa 1000 Euro, da auch eine kleine Hebebühne ausgeliehen werden musste. Die Firma habe einen Rahmenvertrag mit der Stadt und rücke aus, wenn Graffiti oder Schmierereien zu beseitigen seien. Auch der "Zuhause"-Schriftzug am Brühl, vorgestern mit roter Farbe bemalt, stand gestern noch auf dem Tagesplan des Reinigungstrupps. Der Marx-Kopf war am Nachmittag sauber.


Zu spät, kritisierte der Stadtverband der Linkspartei. Etwa 50 Mitglieder und Anhänger mussten sich am Vormittag den Platz am Sockel mit den Saubermännern teilen. Während diese oben putzten, wurden unten Blumen niedergelegt. Sie ehrten den Philosophen zu seinem gestrigen 199. Geburtstag. Die Stadt hätte früher reagieren müssen, auch, weil es sich um eine touristische Attraktion handle, sagte Nico Brünler, der Stadtvorsitzende der Linken. (dy/dema)

Fotos von der Reinigungsaktion sehen Sie auf www.freiepresse.de/fotogalerie

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Interessierte
    07.05.2017

    Das Gedenken an den Karl Marx - ist eine sehr schöne Sache und wohl seit der Wende das 1. Mal , auch wenn man es nur ganz nebenbei mit erwähnt ...
    Dieser Mann hatte sich um das bemüht , was wir heute wieder haben , um die Abschaffung der Ausbeutung der Menschen zugunsten der eigenen Bereicherung ?
    Das hatte man in einem Land mal kurzzeitig geschafft und abgeschafft , das hatte aber wohl manchen Menschen nicht so richtig in den Kram gepaßt ...

    Dieser Mann - bzw. das Monument und die Stadt Chemnitz - wurde ja diesbezüglich seit der Wende und auch schon zuvor nur verhöhnt ...
    Aber wenn sich jetzt andere Städte und Menschen wieder an ihn besinnen und ihn aus welchen Gründen auch immer , wieder ehren , dann sollte man bzw. kann - man das auch wieder tun ...

    Ich frage mich nur , wenn man dort Blumen hingelegt hat , warum man die wieder mitgenommen hat , denn gestern lagen dort keine mehr ...



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