Kosmonaut-Festival 2017: Moshpit der Liebe

15.000 Fans machen dem Kosmonaut mit unglaublich schöner Stimmung alle Ehre

Chemnitz. "Dauert nicht mehr lang, versprochen!" steht schon auf den ersten Kosmonaut-Wegweisern an der Landstraße nach Chemnitz Rabenstein. Ein Wort der Macher, das gilt: schon die Anreise zum Stausee zu Deutschlands feinstem Festival ist in diesem Jahr so gut durchorganisiert, dass man fast in einem Rutsch aufs Gelände kommt. Auch, wenn man, wie ein nicht unerheblicher Teil des Publikums erst einmal "Muttizettel", Ausweiskopie der Eltern, eigenen Ausweis sowie den einer volljährigen Begleitperson vorzeigen muss: Für die "U18"-Zuschauer wird beim Kosmonaut ein erheblicher Aufwand betrieben, den die allermeisten Festivals scheuen. Sympathische Randnotiz: Kinder bis 12 Jahre dürfen gratis mit rein - was unterm Strich eine der vielen Kleinigkeiten ist, die das Kosmonaut bei aller Party-Eskalation vor den Bühnen so wunderbar entspannt macht.

Dass das von Kraftklub initiierte und kuratierte Festival seine fünfte Auflage feiert, juxt man derweil nicht zum Mini-Jubiläum hoch - stattdessen zeigen die Organisatoren mit vielen neuen Kleinigkeiten in der Dekoration, dass ihnen die Ideen noch lange nicht ausgegangen sind. Der überdimensionale Kosmonaut im mittlerweile legendären Stil von Kraftklub-Hausdesigner Phillip Weiser beispielsweise trägt diesmal ebenso überdimensionierte Festivalbändchen, die überall aufgehängten Suppendosen-Poster haben neue Geschmacksrichtungen, es gibt erstmals eine respektable Flunky-Ball-Arena, und auf der Wiese neben der Hauptbühne stehen Mondfähren als Aussichts-Sitze.


Kraftklub steht auch schon beim Auftakt in Teilen auf der "Atomino"-Bühne - in Form von Bassist Till Brummer, der bei Blond als Roadie agiert und Bassist Johann Bonitz aus der Patsche hilft, als dem mitten im Set die Mechaniken seiner Gitarre kaputt gehen, sodass der blinde Musiker sein Instrument nicht mehr gestimmt bekommt. Die Band überspielt die Panne aber mit Herz und Frechheit: "Das ist nur Protest. Eigentlich gehören wir auf die Hauptbühne!" Musikalisch glühen Blond genau wie die anderen Auftakt-Bands gut vor: Auf dem Kosmonaut gibt es kein liebloses Durchreichen von Lückenfüllern vor den Headlinern, das Publikum ist aufmerksam und die Musiker hoch motiviert. "Wir sind seit drei Monaten auf Tour und spielen dieses Jahr 40 Festivals", sagt der Sänger von Fil Bo Riva, "aber auf das hier haben wir uns am meisten gefreut - und es ist 1000 Mal geiler als wir es uns vorgestellt haben." Man glaubt es sofort allein der engagierten Darbietung wegen. Auch Giant Rooks legen eine respektablen Set hin, die Band ist sehr gewinnend und könnte bald den nächsten Schritt gehen. So wie Von Wegen Liesbeth: Letztes Jahr auf der kleinen Bühne noch ein Newcomer-Geheimtipp, rührt die Band diesmal auf der Mainstream als erster heimlicher Headliner um 18 Uhr eine gewaltige Menschenmenge um. Die Berliner haben mittlerweile ein ordentliches Bündel Hit-Pfeile im Köcher, zu Stücken wie "Bitch" gibt es sogar Moshpits.

Und der geheime Headliner? Wie jedes Jahr gelingt es den Organisatoren Kraftklub vorzüglich, so viel Verwirrung zu stiften, dass irgendwie alles möglich scheint. Gitarrist Steffen Israel, mit "Leiter"-Pass und roter Regenjacke, grinst nur. Und Sänger Felix Brummer grinst: "Bereit für Placebo?" Eine Band, die Kraftklub weniger mag? Kaum. "Ich weiß, dass ihr spielt!" ruft ein junger Fan dem Kraftklub-Sänger zu. Der nickt: "Auf jeden Fall! Flunkyball, morgen Nachmittag!"

 

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...