Kostenanstieg: Bei Bücherbus drohen Einschränkungen

Für 240.000 Euro wird ein neues Fahrzeug angeschafft. Diese Investition und steigende Preise erhöhen den jährlichen Aufwand. Das könnte einige Kommunen vor Probleme stellen.

Mühlau/Claußnitz/Lichtenau.

Die gute Nachricht zuerst: Die Mittelsächsische Kultur-Gesellschaft setzt auch nächstes Jahr einen Bücherbus ein. Das alte Fahrzeug, das 1992 angeschafft worden war und keinen Tüv mehr erhält, wird ausgemustert. Dafür kauft der Landkreis ein neues Fahrzeug für 240.000 Euro, sagt Geschäftsführerin Kathrin Hillig. Die Hälfte des Geldes steuere der Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen bei. Durch die Neuanschaffung sollen sich aber die Gebühren von jährlich fünf Euro für Erwachsene und die Hälfte für Kinder nicht ändern. Die schlechte Nachricht: Die Kosten vervierfachen sich für die Kommunen. Aufgrund von Finanzknappheit könnte das aber das Aus für einige Orte in der Region bedeuten. Außerdem: Zwar wird der Bus moderner und bietet Platz für Veranstaltungen, aber die Anzahl der Medien wird von 4500 auf 3500 reduziert.

Bisher zahlten die Gemeinden einen jährlichen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 300 Euro pro Station. Insgesamt gibt es 46 Haltepunkte in rund zehn Städten und Gemeinden Mittelsachsens. In der Gemeinde Lichtenau beispielsweise steuert der Bus die Ortsteile Auerswalde, Krumbach und Ottendorf an. Dafür hat die Gemeinde bisher jährlich 700 Euro bezahlt, mit Rabatt, weil drei Stationen bedient werden. "Aber diese Summe deckt in keiner Weise die Aufwendungen", sagt Hillig. Im Jahr 2017 habe das Anfahren pro Haltepunkt im Durchschnitt etwa 6400 Euro gekostet. Außerdem sei der Preis nicht gerecht gegenüber Orten, die mit deutlich mehr finanziellem Aufwand eine Bibliothek betreiben.

Das weiß auch Martin Lohse, Referent des Bürgermeisters von Lichtenau. Die Gemeinde unterhält eine Gemeindebibliothek in der Villa an der Oberschule in Oberlichtenau. Dort müssen Leser jährlich eine Gebühr von zwölf Euro, Kinder die Hälfte bezahlen. Da die Gemeinde mit sieben Ortsteilen sehr groß sei, stelle der Bücherbus eine gute Alternative zur zentralen Bibliothek dar. Die beiden Angebote hätten sich bewährt, fügt er hinzu. Das sieht auch ein Großteil der Gemeinderäte so. Deshalb beschlossen sie in ihrer jüngsten Sitzung, dass nächstes Jahr 3200 Euro für den Bücherbus in den Haushalt eingestellt werden. Laut Kalkulation entfallen auf den ersten Haltepunkt 1200 Euro und auf die beiden weiteren je 1000 Euro.

Auch in der Gemeinde Claußnitz wird das neue Bücherbus-Angebot geprüft. Der Gemeinderat müsse sich noch entscheiden, ob das Angebot weitergeführt werde, sagt Bürgermeister Günter Hermsdorf. "Aber ich gehe davon aus." Denn die Gemeinde habe keine Räume, um selbst eine Bücherei betreiben zu können. Die gestiegenen Kosten müssten in den Haushalt eingestellt werden. Bisher gibt es je einen Haltepunkt an der Grund- und Oberschule Claußnitz sowie einen in Diethensdorf und Markersdorf.

Doch während die Gemeinden Lichtenau und Claußnitz finanziell gut dastehen, sieht es in anderen Kommunen schlechter aus. Die Pro-Kopf-Verschuldung in Claußnitz beträgt Ende 2017 einen Euro und in Lichtenau 97 Euro. Doch Mühlau verzeichnet ein Minus von rund 1200 Euro pro Einwohner. Eine Erhöhung der Mittel für 2019 wegen des Bücherbuses liegen in der Burgstädter Kämmerei noch nicht vor, sagt Kämmerin Daniela Berthold. Doch Mühlaus Bürgermeister Frank Petermann ist optimistisch: "Wir werden das Geld aufbringen." Denn die Fahrbibliothek werde gut angenommen. Die Gemeinde hatte erst Anfang 2017 das Bücherangebot eingeführt, weil die Gemeindebibliothek veraltet war und geschlossen werden musste. "Uns gelingt es auch jetzt nicht, Ehrenamtler zu finden, die eine Ausleihe ermöglichen", sagt Petermann. Die Unterhaltung einer eigenen Bibliothek würde weitaus teurer werden. Bisher bezahlte Mühlau 300 Euro, künftig sollen es 1200 Euro sein.

Geschäftsführerin Hillig rechnet vor: "Seit 20 Jahren sind für die Kommunen die Aufwendungen für die Fahrbibliothek unverändert." Aber die Kosten seien gestiegen, so durch höhere Kraftstoffpreise, Versicherungen und Personalkosten. Außerdem kämen für den neuen Bus die Abschreibungen hinzu. Deshalb sei kalkuliert worden, dass der jährliche Durchschnittspreis ab 2019 dann 1200 Euro pro Station beträgt. Bis 30. September sollen sich Kommunen entscheiden, ob sie das Bücherbus-Angebot oder Hilfe für die eigene Bibliothek benötigen. Bisher habe der Augustusburger Ortsteil Erdmannsdorf signalisiert, dass er künftig angefahren werden will.

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