Kran nimmt Kaßbergauffahrt auseinander

Bauarbeiter haben einen Teil der Brücke abgetragen. Der Bereich soll nach historischem Vorbild wiederaufgebaut werden. Bei der Sanierung wird nicht nur an Autoverkehr und Passanten gedacht.

Den Blick gen Himmel, das Handy oder die Kamera gezückt und schnell ein Foto gemacht: An der Kaßbergauffahrt legten am Freitagmorgen einige Passanten und Radfahrer einen längeren Stopp ein. Der Grund waren die Bauarbeiten an der Brücke, die in eine neue Phase eintraten und die die eine oder andere besondere Ansicht boten.

Seit April wird die denkmalgeschützte Karl-Schmidt-Rottluff-Brücke, die über die Chemnitz und die Fabrikstraße führt, saniert. Die Stadtverwaltung hatte den Zustand der fast 150 Jahre alten Überführung als problematisch eingeschätzt. Um die Belastungen für die Brücke in Grenzen zu halten, galten dort seit längerer Zeit besondere Tempolimits. Im Zuge der rund 5,3 Millionen Euro teuren Arbeiten, die bis Oktober 2019 dauern sollen, werden auch Nebenanlagen wie eine Treppe und eine Stützwand im oberen Teil der Straße erneuert. Während der gesamten Bauzeit ist die Trasse voll gesperrt.

Warum das so ist, wurde spätestens am Freitag deutlich. Denn dort, wo sonst die Fahrbahn verläuft, klafft nun ein großes Loch. Mithilfe eines Krans, der Objekte mit einem Gewicht von bis zu 160 Tonnen anheben kann, haben Arbeiter der mit der Sanierung beauftragten Neukirchener Firma Krause & Co Teile der Überführung entfernt. "Das ist fast schon ein Abriss. Nur das Skelett bleibt noch stehen", sagt Bauleiter Steffen Hallauer.

Der Grund für diesen Aufwand: Die Brücke soll rekonstruiert werden, also wieder so aussehen wie zur Zeit ihrer Errichtung. Die Bögen und der Teil der Brücke, der über die Chemnitz führt, bestehen aus Sandstein und müssen ausgebessert werden. Im oberen Teil des Bauwerkes, der die Fabrikstraße überspannt, wurden allerdings Veränderungen vorgenommen. Vermutlich in den 1960er-Jahren, schätzt Hallauer, sei zwischen den Bögen der Sandstein entfernt und stattdessen eine Stahlbetonschicht eingezogen worden. Die werde herausgeholt und durch Sandstein ersetzt.

In den vergangenen Wochen haben Arbeiter deswegen Stahlträger aufgestellt, die den oberen Teil der Überführung von unten stützen. Die etwa 70 Zentimeter dicke Betonschicht zerteilten sie in 32 Segmente, jedes etwa 6,5 Meter lang. In diese Elemente wurden Löcher gebohrt, durch die die Arbeiter am Freitag die Ketten des Krans führten. Das Fahrzeug mit einem 60 Meter langen Hubarm hievte die etwa sieben Tonnen schweren Stücke auf einen Tieflader. Die Teile würden im Bauhof der Firma eingelagert, später zerteilt und weiterverwertet, erklärt Hallauer. "Da ist ja auch ein Haufen Eisen drin."

Am Nachmittag, nach etwa sechs Stunden, waren diese Arbeiten erledigt. "So etwas machen wir auch nicht jede Woche. Das ist sehr aufwendig", erklärt Hallauer. Schließlich habe man eigens dafür vier Lkw und den Kran bestellt. Zudem hätten seine Kollegen unter Zeitdruck gestanden: Die Vollsperrung der Fabrikstraße sollte so kurz wie möglich gehalten werden, weil ihr hinterer Teil in der Zeit nicht zu erreichen war. Für den Fall eines Brandes wurde dort vorsorglich ein Fahrzeug der Feuerwehr stationiert.

Nach dem Abbruch der Stahlbetonplatte steht nun der Wiederaufbau nach historischem Vorbild an. Im nächsten Schritt entfernen Hallauers Kollegen das Stahlgerüst, errichten stattdessen ein Holzgerüst und in der Mitte der Überführung einen Pfeiler. Letzterer soll die Gewölbe tragen, die eine Steinmetzfirma mit Postaer Sandstein anfertigt. Verbaut werden dabei einzelne Blöcke mit etwa einem halben Meter Kantenlänge, berichtet der Bauleiter. Ist das alles geschafft, komme zum Schluss eine neue Betondecke für die Fahrbahn drauf.

Passanten, die die Bauarbeiten beobachteten, erinnerten sich auch daran, wie früher Straßenbahnen über die Brücke fuhren. Einmal sei es im Übergang zur Theaterstraße zu einem Unfall gekommen, weil die Bahn zu schnell den Berg hinabgefahren sei, berichtete ein Anwohner vom Kaßberg. Zuletzt machte erneut die Idee einer Straßenbahn entlang der Kaßbergauffahrt und der Weststraße die Runde. Die Voraussetzungen dafür würden geschaffen, sagt Bauleiter Hallauer. So sollen die Arbeiter Leerrohre verlegen, durch die später beispielsweise Kabel für den Betrieb einer Tram gezogen werden könnten. "Außerdem ist die Brücke auch für Lasten wie eine Straßenbahn ausgelegt."

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